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Bundesverdienstkreuz für Firmengründer Walter Lange

Glashütter Uhren Bundesverdienstkreuz für Firmengründer Walter Lange

Walter Lange ist eine Legende. 1948 musste der Urenkel von Ferdinand Adolph Lange vor den Repressalien des SED-Regimes aus Glashütte fliehen. 1990 kehrte er in seine Heimat zurück und gründete die Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne.

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Aus den Händen von Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU, r.) erhielt Walter Lange das Bundesverdienstkreuz.

Quelle: Dietrich Flechtner

Glashütte. Walter Lange ist eine Legende. 1948 musste der Urenkel von Ferdinand Adolph Lange vor den Repressalien des SED-Regimes aus Glashütte fliehen. 1990 kehrte er in seine Heimat zurück und gründete die Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne. Vor kurzem wurde dem 91-Jährigen in Dresden das Bundesverdienstkreuz verliehen. Im DNN-Interview plädiert Walter Lange für Weltoffenheit, Toleranz und soziales Engagement.

Frage: Waren Sie überrascht, als Sie zur Verleihung eingeladen wurden?

Walter Lange: Tatsächlich habe ich eigentlich schon länger damit gerechnet. Ich bin seit 1998 stolzer Träger des sächsischen Verdienstordens und ich hatte geglaubt, dass Berlin schon eher auf Glashütte und die Wiedergeburt der sächsischen Feinuhrmacherei aufmerksam wird. Als ich vor einigen Wochen die Einladung erhielt, war ich aber trotzdem überrascht, denn es hatte vorher keinerlei Anzeichen gegeben, nicht einmal Hinweise aus Glashütte.

Was bedeutet Ihnen die Ehrung?

Natürlich freue ich mich sehr darüber. Aber wenn Sie etwas tun und erwarten, dass Sie dafür einen Dank, ein Lob oder eine Ehrung erhalten, sollten Sie es besser sein lassen. Entweder man tut es oder man lässt es, aber man sollte nichts um einer Ehrung willen machen.

Hätten Sie 1990 daran gedacht, dass Sie eines Tages Träger des Bundesverdienstkreuzes sein werden?

Offen gestanden hatte ich damals ganz andere Sorgen, als an ein Bundesverdienstkreuz zu denken... Als die Berliner Mauer fiel, war ich bereits im Ruhestand. Aber die Chance, das Erbe meiner Vorfahren wiederzubeleben, konnte ich mir doch nicht entgehen lassen! Der 7. Dezember 1990 gehört zu den bedeutendsten Tagen meines Lebens. Damals meldete ich die Marke wieder an - mit der geborgten Postadresse einer früheren Klassenkameradin aus der Volksschulzeit in Glashütte. Wir mussten bei null anfangen. Die ersten Wochen und Monate bargen so viele Hindernisse. Erst vier Jahre später haben wir die erste Kollektion der Neuzeit vorgestellt und damit auch erstmals eine Rückmeldung zu unserer Neugründung erhalten.

Hätte es ohne A. Lange & Söhne einen solchen Aufschwung in Glashütte gegeben?

Das glaube ich nicht, denn mit unserem Markteintritt 1994 ist der Name A. Lange & Söhne und damit auch Glashütte erst wieder weltweit bekannt geworden. Die ganze Weltfachpresse schrieb damals über unsere neue Kollektion und Glashütte war - zunächst vor allem in Fachkreisen - über Nacht wieder bekannt.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung von Glashütte und der Uhrenindustrie?

Für mich ist das eine große Genugtuung, dass sich aus der Neugründung der Firma Lange ein derartiger Aufschwung für den Ort ergeben hat. Ich bin hier angetreten, um wieder Arbeit nach Glashütte zu bringen und es ist eine tolle Entwicklung, dass heute wieder 1800 Menschen in Glashütte ihr Brot mit der Uhr verdienen.

Wirkt sich der gegenwärtige schlechte Ruf von Sachsen auf die Manufaktur aus?

Ich persönlich bedaure es unendlich, dass der Name Dresden in den vergangenen Monaten so in Verruf gekommen ist. A. Lange & Söhne feiert in diesem Jahr den 200. Geburtstag meines Urgroßvaters Ferdinand Adolph Lange, dem Gründer der sächsischen Feinuhrmacherei. Lange schaute sich die Welt sehr genau an, bevor er 1845 in Glashütte seine Manufaktur errichtete und Sachsen in die internationale Uhrenwelt führte. Die Anschauung der Welt und die Erfahrung anderer Kulturen haben ihn tief geprägt. Weltoffenheit, Toleranz und soziales Engagement - das sind die Eigenschaften, die seine Zeitgenossen ihm attestiert haben. Seine Haltung ist bis heute das Leitbild von A. Lange & Söhne.

Schauen Sie zuversichtlich in die Zukunft?

Ich bin grundsätzlich Optimist. Und schaue somit zuversichtlich in die Zukunft. Meine einzige Sorge ist, ob der Frieden erhalten bleibt. Ich selbst habe den Zweiten Weltkrieg nur durch viel Glück überlebt und wünsche mir sehr, dass wir auch in Zukunft in Frieden leben können. Interview: Thomas Baumann-Hartwig

Thomas Baumann-Hartwig

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