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Auf ins sächsische Versailles

Bauarbeiten im Barockgarten Großsedlitz abgeschlossen Auf ins sächsische Versailles

Der Barockgarten Großsedlitz erinnert ein bisschen an Versailles. „Es ist ein Ort, den man in Stille genießen muss“, findet Christian Striefler, Chef der Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH. Und es ist ein Ort, an dem man jetzt die Stille tatsächlich auch wieder genießen kann.

Das Untere Orangerieparterre.

Quelle: Catrin Steinbach

Heidenau. In Großsedlitz habe August der Starke begonnen, ihn zu verwirklichen – seinen Traum vom sächsischen Versailles. In diesem 18 Hektar großen Barockgarten, der unvollendet blieb, „verbinden sich französischer und italienischer Barock auf einzigartige Weise“, wirbt das Schlösserland Sachsen. Seit 1732 habe sich die Struktur der Anlage nicht verändert und sei deshalb sehr authentisch. „Es ist ein Ort, den man in Stille genießen muss“, findet Christian Striefler, Chef der Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH. Und es ist ein Ort, an dem man jetzt die Stille tatsächlich auch wieder genießen kann. Denn die jahrelangen Bauarbeiten in den Gartenbereichen des Parks sind abgeschlossen.

Am Donnerstag übergab Ulf Nickol, Leiter der Niederlassung I des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, an Striefler und an die Schlossleiterin Andrea Dietrich symbolisch den Schlüssel. Und zwar auf ungewöhnliche Weise. Das gute Stück zierte als Naschwerk eine Doppelstocktorte, die zur Feier des Tages angeschnitten wurde. Ganz nach Augusts Vorbild, der schließlich auch zu genießen wusste.

3,8 Millionen Euro investierte der Freistaat in Großsedlitz, um die Wasserspiele samt Sandsteinplastiken und Becken im Oberen und im Unteren Orangerieparterre umfassend sanieren und die Wassertechnik erneuern zu lassen. Bei den Arbeiten fand man im Becken des Wasserspiels „Stille Musik“ unter drei Schichten neueren Datums noch den originalen Beckenboden. Er wurde aufgearbeitet und sichtbar wiederverwendet. Saniert und restauriert sind nun auch die Treppenanlagen im Unteren Orangerieparterre. Des Weiteren wurden Wege – insgesamt eine Fläche von 7700 m² – grundhaft erneuert, so dass sie nun auch bei schlechtem Wetter wieder begehbar sind.

Prof. Rainer Storch, Referatsleiter im Finanzministerium, wies auf zwei weitere Besonderheiten hin. Zum einen habe eine Baumschule schon vor Jahren Stecklinge von den Linden im Park gemacht und Hochstämme gezogen, so dass nun im Waldbereich 163 Bäume nachgepflanzt werden konnten. Zum anderen sei der historische Rasen an den Wasserbecken im Unteren Orangerieparterre „in Handarbeit geborgen, gepflegt und nach Abschluss der Bauarbeiten wieder eingesetzt“ worden.

Denn was aus der Ferne aussieht, wie ein normaler grüner Rasen, ist in Wahrheit eine über die vergangenen 200 Jahre gewachsene Gräser- und Kräuterflora u.a. mit Wildem Thymian, Wegerich und seltenen Seggenarten. „Am Nordwesthang wachsen sogar in großer Menge Himmelsschlüssel“, erklärt Frithjof Pitzschel, Bereichsleiter Gärten beim Schlösserland Sachsen. So sind diese Grünflächen nicht nur aus botanischer und ökologischer Sicht wertvoll, sondern auch ein Zeugnis der Gartenkultur. „Wir hätten das mit einer Neueinsaat nie so hinbekommen“, sagt Pitzschel.

Schlossleiterin Andrea Dietrich kündigte für das erste Juliwochenende ein Barockfest im Barockgarten Großsedlitz an. Zu diesem Zeitpunkt werden die Gerüste am Friedrichschlösschen zur Gartenseite hin abgebaut sein. „Der Rest folgt im Juli.“ Denn die Fassade des Gebäudes sowie der Bereich des Restaurants und Cafés, das einen neuen Betreiber hat, wurden saniert. Eine Heizung könne aber erst im Zusammenhang mit der Sanierung der beiden oberen Etagen des Friedrichschlösschens eingebaut werden. Und wann die erfolgt, steht noch in den Sternen. Die Sanierung des großen Eingangsportals und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen an der Kasse im Eingangsbereich des Parkes sind erst mal wichtiger. Zudem wünscht sich die Schlossleiterin ein Leitsystem, das Besuchern im Park den Weg weist – zum Beispiel zum neuen WC.

Barockfest in Großsedlitz

Am 1. Juli gibt es im Barockgarten Großsedlitz unter dem Motto „Der Graf von Wackerbarth lädt ein...“ von 13 bis 18 Uhr ein kleines Barockfest. Es soll die Möglichkeit bieten, die Festkultur zu Beginn des 18. Jahrhunderts nachzuempfinden. Historiendarsteller aus Deutschland und Polen zelebrieren ein „privates Vergnügen“ des Grafen Wackerbarth, der seine Gäste zur barocken Tafel lädt und ihnen einen wundervollen Garten zeigt. Zum Schutz seiner Anwesenheit werden polnische Soldaten in sächsischen Uniformen patrouillieren. Neben Führungen durch den Garten sind Fechtdarbietungen bzw. Fechtunterricht, Stegreiftheater, Erläuterungen der damaligen Mode und barocke Tänze zu erleben. Gleichzeitig kann man drei neue Ausstellungen besuchen: „Göttergarten und Gartengeschichte“ im Kopf-Bau der Oberen Orangerie, „August der Starke, der Polnische Weiße Adlerorden und die Schlösser der Wettiner“ in der Langgalerie der Oberen Orangerie und „Hinter Glas - Orangen und Orangeriekultur in Sachsen“ in der Unteren Orangerie.

Barockgarten Großsedlitz, Parkstr. 85, 01809 Heidenau; Öffnungszeit: April bis Oktober täglich 10 bis 18 Uhr; Eintritt: 5 Euro, erm. 2,50 Euro

Von Catrin Steinbach

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