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Auf Bergpfaden durch den Nationalpark

Sächsische Schweiz Auf Bergpfaden durch den Nationalpark

Vor 17 Jahren nahm die AG „Wegekonzeption Nationalpark Sächsische Schweiz“ ihre Arbeit auf. In den DNN zieht das Gremium eine Bilanz.

Der Obere Fremdenweg auf dem Kleinen Winterberg, seit 2001 gesperrt, darf seit zwei Jahren wieder begangen werden. Aber nur wenige Wanderer nutzen den als Bergpfad ausgewiesenen historischen Weg zum Pavillon.

Quelle: Bernd Lichtenberger

Bad Schandau. Markierte Wanderwege plus ausgewiesene Bergpfade und Kletterzugänge im Nationalpark – das gibt es nur im Nationalpark Sächsische Schweiz. Grundlage dafür ist die 2001 vom Umweltministerium bestätigte Wegekonzeption für den Nationalpark. Entwickelt hat diese Konzeption ein ehrenamtliches Gremium, das vor 17 Jahren unter dem Schirm des Umweltministeriums gegründet wurde.

Dessen Vorsitzender Prof. Dr. Heinz Röhle von der TU Dresden erinnert sich noch gut an den Start. Denn ausgelöst wurde die Gründung der Arbeitsgruppe durch einen heftigen Streit über das künftige Wegenetz im 1990 gebildeten Nationalpark. Dieser Streit hatte auch um die Medien keinen Bogen gemacht. Langjährige DNN-Leser werden sich daran erinnern.

Wie viel Raum sollte die Natur bekommen und was würde dann noch für Wanderer und Bergsteiger bleiben? Das war die Frage. Die Konzeption hat diese einvernehmlich beantwortet. Sollte man meinen. Denn in der AG hatten Vertreter aller Interessengruppen eine Stimme. Die in der Nationalparkregion gelegenen Städte und Gemeinden ebenso wie die Forstbehörde, die Nationalparkverwaltung, die vor Ort aktiven Wander- und Bergsportverbände, die anerkannten Naturschutzverbände und der Tourismusverband. Und jede ihrer Festlegung fußte und fußt auf einem Konsens, betont Röhle, der als AG-Vorsitzender von Anfang an die Moderation inne hatte.

Allerdings ist es ein Konsens, der zwar den rechtlichen Rahmen für Begehungen im Nationalpark absteckt, dem sich aber längst nicht alle Nationalpark-Besucher verpflichtet fühlen. Ein Beispiel nennt Andreas Knaak. In der Nationalparkverwaltung zuständig für die Besucherlenkung, hat er in der AG eine Art Sekretärsfunktion inne. „Der Gratweg auf den Thorwalder Wänden ist zwar im Einvernehmen mit der AG gesperrt, wird aber trotzdem häufig begangen. Unser mobiles Zählgerät zählte 4000 illegale Begehungen. Das ist verdammt viel und tut echt weh“, sagt er.

Und Nationalpark-Chef Dietrich Butter erklärt auch, warum es weh tut. „Zur Felsriff-Vegetation gehören Krüppelkiefern. Diese Baumart ist nach der Eiszeit eingewandert. Manche Exemplare sind 200 Jahre alt. Auf diesen Riffs ist nie etwas angepflanzt worden. Die Vegetation auf den Thorwalder Wänden, zu der auch der seltene Sumpf-Porst gehört, ist sehr empfindlich. Trittschäden haben Abspülungen zur Folge. Es braucht sehr lange, bis dort wieder etwas wachsen kann. Auf zahlreichen Riffs der Sächsischen Schweiz kann man gehen, aber auf den Thorwalder Wänden wollen wir die Vegetation und die dazugehörige Tierwelt schützen“.

„Wir werden die Kontrollen deshalb verstärken“, fügt Butter hinzu, erklärt aber auch, dass es nicht vordergründig darum gehe, Wanderer abzustrafen, die auf gesperrten Wegen erwischt werden. „Aufgabe unserer Mitarbeiter ist es vor allem, die Besucher zu informieren und nicht die Naturschutzpolizei raushängen zu lassen. Aber Ordnungswidrigkeiten werden auch geahndet. Allerdings können wir nur die dazu erforderlichen Verfahren einleiten. Alles Weitere ist Sache der Landesdirektion“, erläutert er.

Anders als die Nationalparkverwaltungen im Bayrischen Wald oder im Harz sei die der Sächsischen Schweiz keine Vollzugsbehörde. „So können wir mit unseren Kontrollen zwar Zeichen setzen, stoßen personell aber schnell an Grenzen. Solange das in Sachsen politisch so gewollt ist, setze seine Behörde auf Überzeugung. „Wir wollen eine Willkommenskultur haben. Das kostet viele Aufwendungen und erfordert bestimmte Regeln. Außerdem suche die Nationalparkverwaltung nach Verbündeten. Butter zählt dazu die 80 ehrenamtlichen Naturschutzhelfer und die Nationalpark-Partner. Zu letzteren gehören Beherbergungs- und gastronomische Betriebe, Anbieter von Ferienwohnungen, aber auch an Verkehrsunternehmen und touristische Anbieter in der Nationalparkregion Sächsische Schweiz.

Doch gibt es auch Fälle, wo sehr schnell gehandelt wurde. „In den Schwarzschlüchten im Großen Zschand haben wir umgehend eine illegale Stiege zurückgebaut“, nennt Knaak ein Beispiel. Und das im Einvernehmen mit der Wege-AG.

„Unser Problem sind die Leute, die den Nationalpark als solchen in Frage stellen, die keinerlei Verbote und Wegesperrungen akzeptieren wollen“, sagt AG-Mitglied Ulrich Voigt und ärgert sich darüber, dass diese Leute im Internet für Begehungs-Verstöße sogar noch unbehelligt werben können.

Kam die Wege-AG, offiziell Arbeitsgruppe „Wegekonzeption Nationalpark Sächsische Schweiz“, anfangs sieben Mal im Jahr und später drei bis vier Mal jährlich zusammen, so trifft sie sich heute nur noch zwei Mal im Jahr. Denn die umfangreichste Arbeit liegt hinter ihr. Trotzdem ist noch immer Beratungsbedarf. „Wir haben ein dynamisches Wegekonzept, denn der Nationalpark entwickelt sich“, begründet Butter die Verfahrensweise. So werden dort, wo der Wald nicht mehr bewirtschaftet, sondern sich selbst überlassen bleibt, derzeit Forststraßen zurückgebaut.

Zum Beispiel renaturiert die Nationalparkverwaltung gegenwärtig einen Maschinenweg, der früher in der Nähe des Kleinsteins im Goldbachtal zum Holztransport angelegt wurde. Der nicht markierte Weg wird als Fahrweg nicht mehr gebraucht. Nach den aktuellen Baumaßnahmen soll er als Pfad, markiert mit grünem Pfeil auf grauem Untergrund, den Wanderern zur Verfügung stehen, wurde dafür aus dem Wiesentälchen heraus verlegt und soll künftig leicht erhöht an der Hangschulter entlang laufen, wo er einem früheren Verlauf folgt.

Allerdings wird dieser Pfad wohl kaum die Berühmtheit erlangen, zu der es die Häntzschelstiege gebracht hat. Auch sie gilt als Bergpfad, für den die Nationalparkverwaltung keine Verkehrsicherungspflicht übernimmt. Sie sollte ursprünglich sogar gesperrt werden. Aber das war in der AG Wege nicht vermittelbar. Und so blieb die Häntzschelstiege, benannt nach ihrem Erbauer Rudolf Häntzschel, nicht nur begehbar, sondern wurde von der Nationalparkverwaltung als Klettersteig sogar ausgebaut. In drei Jahren hintereinander wurden in ihr jeweils über 100 000 Aufstiege gezählt. Deshalb sei sie auch für den Nationalpark heute eine Erfolgsstory, meint Butter. Ein derartiger Massentourismus ist nicht jedermanns Sache. Am wenigsten wohl für erfahrene Kletterer. Aber viele „normale“ Sächsische-Schweiz-Besucher werden sich gern daran erinnern, diese Stiege schon einmal erglommen zu haben.

Ein ganz anderes Beispiel aus der Arbeit der AG und gewissermaßen ein Gegenstück zur Hätzschelstiege, an deren Fuß man manchmal Schlange stehen muss, ist der Oberer Fremdenweg am Kleinen Winterberg. Nachdem der historische Pavillon auf dem Kleinen Winterberg saniert worden war, hatte der Sächsische Bergsteigerbund (SBB) in der AG vorgeschlagen, den zum Pavillon führenden Oberen Fremdenweg, einen historischen Wanderweg, der seit 2001 gesperrt war, wieder zu öffnen. Die von der Nationalparkverwaltung dagegen vorgebrachten naturschutzrechtlichen Bedenken ließen die anderen AG-Mitglieder nicht gelten. So wurde der Weg 2015 geöffnet. Der von der Nationalparkverwaltung befürchtete Ansturm blieb aber aus. Trotzdem oder gerade deshalb wertet die AG diese Öffnung als Erfolg ihrer Arbeit. Als Nationalpark-Chef bestätigt Butter: „Wir brauchen die AG Wege. Der Interessenausgleich ist permanent und effektiv herbei zu führen, weil wir die verschiedenen Interessen gebündelt haben.“

Hintergrund

Wer gehört zur Arbeitsgruppe „Wegekonzeption“?
Neben den langjährigen Mitgliedern Dr. Ulrich Voigt für den DAV, Dr. Peter Rölke für den SBB, Konrad Creutz für den Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Tino Richter für den Tourismusverband, Uwe Borrmeister für die Forstverwaltung und Dr. Dietrich Butter für die Nationalparkverwaltung, gehört seit Anfang April auch Bad Schandaus Bürgermeister Thomas Kunack als Vertreter der Kommunen der AG an, deren Vorsitz nach wie vor Prof. Dr. Heinz Röhle inne hat. Alle AG-Mitglieder haben bestätigte Stellvertreter. Außerdem wirken in dem Gremium je ein Vertreter des Umweltministeriums, der Landesdirektion, des Landratsamtes und der Wander- und Bergsportverbände sowie die für das Gebiet zuständigen Kreiswegwarte als Beobachter und Berater mit.

Wo darf der Nationalpark begangen werden?
Antwort darauf gibt die Nationalparkverordnung. Darin heißt es: Der Nationalpark (NPL) darf auf „ausgewiesenen Wegen und touristisch erschlossenen Stiegen und Plätzen“ betreten werden. Als solche gelten: in der Kernzone alle im Gelände gekennzeichneten Wanderwege (Wegweiser grün mit weißer Schrift und/oder farbige Wegemarken), Bergpfade (grüner Pfeil auf grauem Untergrund) und Kletterzugänge (schwarzer Pfeil auf weißem Untergrund) sowie außerhalb der Kernzone alle im Gelände vorhandenen (gekennzeichneten und nicht gekennzeichneten) Wege, soweit sie nicht ausdrücklich gesperrt sind (schwarzes Andreaskreuz auf weißem Grund). Außerhalb dieser Wege ist ein Betreten nicht gestattet. Die Kernzone ist im Gelände ausgewiesen.

Von Bernd Lichtenberger

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