Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Polizeiticker Polizei findet bei 75 Prozent aller Lkw Mängel
Region Polizeiticker Polizei findet bei 75 Prozent aller Lkw Mängel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:02 11.07.2018
Sogenannte Fänger, also kundige Polizisten, die auf der Autobahn unterwegs sind, wählen zu kontrollierende Laster aus und lotsen sie zur Kontrollstelle. Dort wird fast immer etwas gefunden. Quelle: Dietrich Flechtner
Anzeige
Klipphausen

Dienstag, 9.10 Uhr. Pˇremysl Hrdina lenkt seinen 40-Tonner von der Autobahn 4 auf den Lkw-Parkplatz der Raststätte Dresdner Tor. Nicht freiwillig, ein Polizeistreifenwagen hatte ihn per roter Leuchtschrift zum Folgen aufgefordert und an diesen Ort gelotst. Eine gemeinsame Gruppe von Polizisten aus Dresden, Chemnitz und Tschechien beobachtet die Einfahrt des Lasters. „Die Kollegen aus den angrenzenden Bereichen sind dabei, damit wir uns über Entwicklungen und Probleme, die in unseren Autobahnabschnitten übergreifend auftreten, austauschen können“, erläutert Polizeioberkommissarin Jeanette Weu von der Verkehrspolizeiinspektion Dresden.

Dann steigt sie ein paar Stufen zum Führerhaus des tschechischen Lasters hinauf, um mit dessen jungen Lenker zu reden. Das geht mehr schlecht als recht, obwohl Weu ein paar Brocken tschechisch spricht. „Es ist gut, dass heute der Kollege aus Tschechien dabei ist“, sagt sie mit Blick auf Oberinspektor Martin Sedla   cˇek, der das Gespräch übernimmt. Papiere zu Fahrzeug und Ladung, Führerschein und Daten aus dem Fahrtenschreiber wechseln in die Hände der Polizisten. Alles wird überprüft.

Verkehrskontrolle an der A 4

Regelmäßig sind Polizisten bei solchen Kontrollen unterwegs, wie Polizeihauptmeister Mirko Ihle sagt. „Ich mache das jeden Tag, nicht nur an den Autobahnen, sondern auch im Stadtgebiet von Dresden und an Bundesstraße.“ Gemeinsame Kontrollen mit den Kollegen aus Tschechien und Chemnitz sind dagegen seltener, finden aber immer noch zwei Mal monatlich in Dresden und einmal im Monat im Nachbarland, in Usti, statt. Auch dort ist dann Ihle, der gutes Tschechisch spricht, dabei.

„Er wirkt etwas nervös“, sagt derweil Polizeioberkommissarin Weu über Brummifahrer Hrdina. Mit zittrigen Händen hatte er die Papiere übergeben, auch wenn die Scania-Zugmaschine und der Auflieger bei der ersten Überprüfung einen sehr guten Eindruck machen. Warum haben ihn die „Fänger“ – so heißen die Polizisten in den zwei Streifenwagen, die Laster von der Autobahn zum Kontrollpunkt lotsen – ausgewählt?

Die Höhe ist immer ein Problem

„Das sind erfahrene Kollegen, die sind teilweise seit 25 oder 30 Jahren dabei und haben schon viel gesehen“, sagt Weu. In dem Fall schien ihn der 40-Tonner höher als die in Deutschland erlaubten vier Meter. Weu misst das mit einer überdimensionierten Schiebelehre nach. Tatsächlich, die Höhe stimmt nicht, auch nachdem Hrdina die Hydraulik des Aufliegers so weit herabgelassen hat, wie es geht. 4,07 Meter ergibt die finale Messung. „So kann er nicht weiterfahren“, sagt Weu. Hrdina runzelt die Stirn. „Die Höhe?“, fragt er. „Die ist immer Problem“, kommentiert er.

Mit einem gigantischen Messgerät überprüft Polizeioberkommissarin Jeanette Weu die Höhe des 40-Tonners. Er ist sieben Zentimeter höher, als in Deutschland erlaubt. Deshalb untersagt sie die Weiterfahrt bis zur Behebung des Problems. Quelle: Dietrich Flechtner

Anruf bei seinem Arbeitgeber, einer Spedition in Tschechien. „Das ist das Problem des Fahrers“, heißt es dort knapp. Hrdina muss das selbst lösen, wenn er nicht an der Raststätte Dresdner Tor übernachten will. Am Morgen war er beim BMW-Werk in Leipzig aufgebrochen, nachdem er Teile für die Fahrzeugproduktion abgeliefert hatte. Jetzt wird er in Tschechien zurückerwartet.

„Probleme mit der Ladungshöhe haben wir häufiger bei Automobilzulieferern“, sagt Polizeihauptmeister Ihle. Die Hersteller stellen eigene Transportkisten für ihre Güter her, manche in ungünstigen Formaten, manche werden von den immer unter Zeitdruck stehenden Fahrern auch einfach unpassend gestapelt, so dass illegale Ladungshöhen herauskommen. Auf Hrdinas Laster sind Kisten in zwei Lagen übereinander gestapelt, die die maximale Ladungshöhe ausreizen. Eine schlecht gelegte Leiste in Laderaum führt dazu, dass sich das Dach nicht auf die Normhöhe senken lässt. Hridna fängt zu basteln an – will er weiterfahren, muss er den Fehler beheben.

3767 Laster kontrollierten Polizisten der Dresdner Polizeidirektion 2017 insgesamt (2016: 2439), Beanstandungen gab es bei 2766, das sind fast drei Viertel. Bei 492 waren diese so gravierend, dass die Lkw nicht weiterfahren durften. Weu verweist angesicts dieser hohen Zahlen auf „das gute Auge“ der Kollegen und nennt noch eine weitere alarmierende Zahl: „Wir kontrollieren nur 0,001 Prozent aller Fahrzeuge.“ Das sei keine geschätzte, sondern eine genau berechnete Zahl.

Auch am Dienstag bestätigt sich der Trend: Von 15 durch die drei tschechischen und acht deutschen Beamten kontrollierten gab es bei 13 Beanstandungen. Mal weil sie durch eine falsche Beladung in leichte Schieflage gekommen sind, mal wegen Überladung. „Technische Probleme stellen wir kaum noch fest“, sagt Weu. „Die Fahrzeugflotten der meisten Speditionen sind inzwischen auf gutem Stand.“ Stattdessen muss nun genauer hingesehen werden, was das Einhalten von Lenkzeiten angeht oder die Ladung. „Gerade bei Kleintransportern, die bis zu 3,5 Tonnen wiegen dürfen, ist das ein Problem“, sagt Polizeihauptmeister Ihle. Sie seien meist überladen.

4,04 Meter sind geradeso zulässig

Das hat einen einfachen Grund: Überall außer in Deutschland gelten für Fahrer solcher Autos keine Richtlinien, was Lenkzeiten angeht. „Theoretisch können sie Tag und Nacht unterwegs sein“, sagt Ihle. Und das rechnet sich für die meist polnischen Speditionen, die sich auf dieses Geschäft spezialisiert haben. Die Autos werden so vollgestopft, wie es nur irgend geht. Dabei bringen sie durch Anbauten, etwa eine Schlafbox für den Fahrer oder eine verlängerte Ladefläche, ohnehin schon viel auf die Waage. Ihle erinnert sich einen Kleintransporter, der leer schon das zulässige Gewicht um 40 Kilogramm überschritt. „Ein Extremfall.“

Gewichtsprobleme hat Hrdina nicht. Artistisch klettert er über die Schienen des Laderaums, lässt sich vom strömenden Regen nicht hindern. Er muss schließlich weiter. Eine Weile zupft und zerrt er, dann bittet er kurz vor 10.30 Uhr zur neuen Messung. 4,04 Meter, drei Zentimeter Raumgewinn. Mit einem Prozent Toleranz gerade genug für die Weiterfahrt. Aufatmen beim jungen tschechischen Brummifahrer. Eine Strafe bekommt er dennoch aufgebrummt. Bußgeld und Verwarngeld bleiben zwar im zweistelligen Bereich. Die Vernehmung dauert noch eine halbe Stunde. Kurz nach 11 Uhr ist Hrdina wieder auf der Strecke.

Von Uwe Hofmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein Radfahrer hat bei einem Verkehrsunfall auf der Meißner Straße in Wilsdruff schwere Verletzungen erlitten. Für den Unfallverursacher hat der Zusammenstoß Konsequenzen.

10.07.2018

Erneut ist ein Mann beim Baden im Dippelsdorfer Teich bei Moritzburg ertrunken. Die Einsatzkräfte waren am späten Montagabend alarmiert worden, weil eine leblose Person in der Nähe eines Campingplatzes im Wasser trieb.

10.07.2018

Unbekannte wollten sich offenbar die Entsorgungskosten sparen und kippten das verseuchte Baumaterial einfach im Wald ab. Jetzt ermittelt die Polizei – nun hofft dabei auf Zeugen.

09.07.2018
Anzeige