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Nach zwei Suiziden nun noch Mordversuch in der JVA Leipzig

Zwei Häftlinge wollten Zellennachbarn erhängen Nach zwei Suiziden nun noch Mordversuch in der JVA Leipzig

Es ist der zweite schwere Vorfall binnen einer Woche: Nach dem Suizid eines Mannes in der JVA Leipzig gab es nun einen Mordversuch. Zwei Gefangene haben versucht, einen Mithäftling zu erhängen.

Erneut gibt es einen schweren Vorfall in der Leipziger Justizvollzugsanstalt in der Leinestraße.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Schon wieder Leipzig: In der Justizvollzugsanstalt (JVA) haben am vergangenen Sonnabend zwei Gefangene versucht, einen Mithäftling an einem Zellengitter zu erhängen. Der Mord sollte als Suizid getarnt werden. Das Opfer, ein 38-jähriger Deutscher, wurde schwer verletzt auf die Intensivstation des Uniklinikums Leipzig eingeliefert, unter anderem war das Brustbein gebrochen. Es ist der zweite schwere Vorfall binnen kurzer Zeit – zuvor hatte sich am Donnerstag voriger Woche ein Häftling das Leben genommen. Im Oktober hatte sich auch der mutmaßliche Terrorist al-Bakr in der JVA Leipzig selbst getötet. Am Dienstag will eine Expertenkommission dazu ihren Bericht vorlegen.

Die Leipziger Anstaltsleitung gerät damit zunehmend in Erklärungsnot. „Zum Zeitpunkt der Belegungsentscheidung wurden keine Hinweise festgestellt, die gegen eine gemeinschaftliche Unterbringung dieser Gefangenen gesprochen hätten“, sagt JVA-Sprecherin Susann Mielke. Es habe sich um einen „normalen Gemeinschaftshaftraum“ gehandelt, dessen Belegung momentan auf vier Gefangene festgelegt sei. „Dieses trifft auch auf den Tag des Vorfalls zu.“ Brisant ist: Nach LVZ-Informationen sind in solchen Zellen nur drei Häftlinge zugelassen, nur in Ausnahmefällen vier.

Drei Beschuldigte

Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung sowie unterlassener Hilfeleistung eingeleitet. Insgesamt handelt es sich um drei Beschuldigte (25, 26 und 35 Jahre; alle Deutsche). Die beiden mutmaßlichen Täter sind einschlägig vorbestraft und waren am Mittwoch voriger Woche gemeinsam mit ihrem späteren Opfer nach Leipzig verlegt worden. Der vierte Mitgefangene soll sich zunächst schlafend gestellt haben, weshalb auch gegen ihn ermittelt wird. Nach der Tat wurde ein Notruf abgesetzt, um die Wärter wegen eines Suizids zu alarmieren.

„Wir warnen seit langer Zeit: Die Gewaltbereitschaft und psychische Auffälligkeiten nehmen deutlich zu“, erklärt René Selle, Landesvorsitzender des Bundes der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands. Zum Zeitpunkt des Mordversuchs waren 398 Häftlinge in der JVA – obwohl es nur 397 Plätze gibt. „Ein Gefängnis gilt schon bei 90 Prozent als voll belegt, um eine sinnvolle Gefangenendifferenzierung vornehmen zu können“, macht Selle klar.

Gefängnisse stoßen an Grenzen

„Gerade abends und nachts sind Gefängnisse mit Justizpersonal unterbesetzt. Da ist nicht selten ein einziger Kollege für 100 bis 200 Insassen zuständig“, sagt Thomas Galli, der ehemalige Leiter der JVA Zeithain und Torgau. Da bleibe keine Möglichkeit, jeden zu überwachen. „Gefangene müssen auf engstem Raum zusammenleben, da sind Spannungen vorprogrammiert.“

Die Probleme sind auch Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) bekannt. „Wir müssen die Gefängnisse sicherer machen. Der Umgang mit den Gefangenen wird immer gefährlicher“, hatte Gemkow erst vor kurzem der LVZ gesagt und neue Sicherheitstechnik sowie mehr Personal angekündigt. Bis diese Ankündigungen umgesetzt werden, sind auch kurzfristige Verlegungen in andere Bundesländer keine Option: Dort stoßen die Gefängnisse auch an ihre Grenzen. Sachsen und Thüringen bauen derzeit gemeinsam in Zwickau eine JVA mit 820 Haftplätzen, die 2020 eröffnet wird.   

Andreas Debski

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