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Polizeiticker Feuer in künftiger Flüchtlingsunterkunft - Schaulustige mit „unverhohlener Freude“
Region Polizeiticker Feuer in künftiger Flüchtlingsunterkunft - Schaulustige mit „unverhohlener Freude“
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16:18 21.02.2016
Dieses ehemalige Hotel sollte Flüchtlingsunterkunft werden. Quelle: dpa
Bautzen

In einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bautzen ist in der Nacht zu Sonntag ein Feuer ausgebrochen. Der Brand wurde gegen 3.30 Uhr gemeldet. Am Sonntagnachmittag teilten die Ermittler mit, sie hätten im Haus Spuren von Brandbeschleuniger gefunden. Bei den Untersuchungen kam ein Brandmittel-Spürhund zum Einsatz. Inzwischen wurde auch das von Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz geleitete und auf rechtsextreme Straftaten spezialisierte Operative Abwehrzentrum (OAZ) eingeschaltet. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund werde nicht ausgeschlossen, teillte Innenminister Markus Ulbig (CDU) mit. Merbitz befindet sich in Bautzen bereits vor Ort.

Die Beamten berichteten von einigen teils alkoholisierten Schaulustigen - manche hätten das Brandgeschehen mit „abfälligen Bemerkungen oder unverhohlener Freude“ kommentiert. Nach einem Bericht der Sächsischen Zeitung waren auch Kinder unter den Zuschauern. Aus den angrenzenden Straßen sei: „Wir wollen keine Asylantenheime“ zu hören gewesen. Nach Polizeiangaben versammelten sich zwischen 20 und 30 Menschen im Umfeld des Hotels.

Die Polizei erteilte Platzverweise gegen drei Bautzener im Alter von 19 und 20 Jahren, die die Arbeit der Feuerwehr massiv behindert hätten. Zwei junge Männer seien in Gewahrsam genommen worden, weil sie den Anordnungen der Beamten nicht folgten. Die Feuerwehr war mit rund 70 Kameraden im Einsatz. Sie verhinderten ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Wohnhäuser und Supermärkte in der engen Stadtbebauung.

Verletzt wurde nach derzeitigem Erkenntnisstand offenbar niemand, so die Polizei. Das L-förmige Gebäude war zuletzt als Hotel "Husarenhof" genutzt worden. Im März sollten dort rund 300 Asylbewerber eine neue Unterkunft finden.

"Ich bin schockiert, dass so etwas in Bautzen möglich ist. In den letzten Monaten wurde die Diskussion um die Unterbringung von Asylbewerbern fast ausnahmslos sachlich geführt. Was hier und heute geschehen ist, macht mich sehr wütend", sagte Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (perteilos).

Brand in geplanter Asylunterkunft: Ich bin wütend und schockiert In der Nacht zum Sonntag brach gegen 3.30 Uhr im...

Gepostet von Alexander Ahrens - Oberbürgermeister von Bautzen / Budyšin am Sonntag, 21. Februar 2016

Der Blog Lauter Bautzner dokumentierte bereits am 30. Dezember 2015 Einträge auf der Facebook-Seite "Bautzen steht auf". Geplante Angriffe auf die Flüchtlingsunterkunft wurden demnach unter anderem so angedeutet: "Hurra! Alle freuen sich, die Gutmenschen sind orgastisch happy. Leider muss der Dachstuhl noch etwas verschönert werden... Das wäre perfekt." Autor des Blogs ist Veselin Popovic, geboren in Bautzen und inzwischen in Berlin lebend.

Tillich: „Das sind keine Menschen"

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat die fremdenfeindlichen  Vorfälle in Clausnitz und Bautzen als „widerlich und abscheulich“ bezeichnet. In Clausnitz hatte ein aufgebrachter Mob am Donnerstagabend stundenlang einen Bus mit ankommenden Flüchtlingen blockiert. Die Vorfälle seien erschreckend und schockierend zugleich, sagte Tillich am Sonntag den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Das sind keine Menschen, die sowas tun. Das sind Verbrecher.“

Die Strafverfolgungsbehörden würden konsequent ermitteln und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Solche Taten besudelten „das, was die Menschen an Mut in der friedlichen Revolution aufgebracht haben und den Fleiß beim Wiederaufbau Sachsens“. Auch Innenminister Ulbig verurteilte die Vorfälle in Bautzen scharf. „Was mich besonders betroffen macht, ist die Tatsache, dass mehrere betrunkene Bautzener vor Ort pöbelten“, sagte Ulbig. Es sei „unerträglich, wie offen und respektlos der Hass auf Ausländer zur Schau getragen wird“, fügte er hinzu. „Wir stehen vor einer großen gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, diesen Hass aus den Köpfen der Menschen zu bekommen.“ 

Matthias Roth (mit dpa)

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