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Zwischen „Ahuuu“ und Abschuss – der Wolf bleibt in den Schlagzeilen

Diskussion Zwischen „Ahuuu“ und Abschuss – der Wolf bleibt in den Schlagzeilen

Kaum ein anderes Tier sorgte 2016 in Sachsen für so viele negative Schlagzeilen wie der Wolf. Erstmals kam es am Jahresende sogar zu einer Demonstration in Bautzen, nachdem bei Wolfsangriffen vor allem in Cunnewitz (Landkreis Bautzen) mehr als 50 Tiere gerissen wurden. Die Schäfer seien „am Ende ihrer Geduld“.

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Der Wolf hält sich nicht an bürokratische Vorschriften.

Quelle:   dpa

Dresden. Kaum ein anderes Tier sorgte 2016 in Sachsen für so viele negative Schlagzeilen wie der Wolf. Erstmals kam es am Jahresende sogar zu einer Demonstration in Bautzen, nachdem bei Wolfsangriffen vor allem in Cunnewitz (Landkreis Bautzen) mehr als 50 Tiere gerissen wurden. Die Schäfer seien „am Ende ihrer Geduld“, bilanzierte Landesbauernpräsident Wolfgang Vogel.

Die aktuelle Statistik des Kontaktbüros Wolfsregion belegt, dass im vergangenen Jahr tatsächlich mindestens 214 Tiere durch Wölfe getötet wurden. Das ist neuer Spitzenwert, seit Isegrim zurückgekehrt ist. Zwölf Nutztiere blieben darüber hinaus vermisst, weitere 17 wurden verletzt. Zum Vergleich: 2015 waren es noch 169 getötete Tiere. Dagegen sank die Zahl der Wolfsangriffe von 56 auf 41.

Dass die meisten der getöteten Tiere eigentlich geschützt waren, ist auch der Politik nicht verborgen geblieben. Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) kündigte weitere wissenschaftliche Untersuchungen an. 2015 waren in Sachsen 15 Rudel, drei Paare sowie ein Einzeltier registriert. Tendenz steigend. Das verursacht Kosten. Im LVZ-Interview sagte Schmidt, der Freistaat investiere seit 2002 jährlich rund 300 000 Euro in Wolfsmanagement und Herdenschutz. Auch sieben tote Wölfe wurden 2016 aufgefunden. Drei starben bei Verkehrsunfällen, zwei auf natürliche Art, bei zweien ist die Ursache unklar. Illegale Tötung scheidet jedoch laut Kontaktbüro aus.

Es zeichnet sich ab, dass die Länder beim Wolfsmanagement Hilfe vom Bund brauchen. Denn der Wolf hält sich nicht an vorgegebene Mindesthöhen für Weidezäune und überspringt auch schon mal Flatterbänder. Auf Betreiben Sachsens und Mecklenburg-Vorpommerns forderte die Umweltministerkonferenz Berlin deshalb auf, „populationsbezogene Betrachtungen“ zum Erhaltungszustand zu machen. Brandenburgs Umweltstaatssekretärin Carolin Schilde sagte, der Bestand von Tierarten, die „Schäden, die nicht mehr zu akzeptieren und zu finanzieren sind“ verursachten, müsse einfacher zu regeln sein. Dort hatte sich zuvor ein Wolf einem Kind im Garten einer Kita genähert. Auch die Zahl der gerissenen Tiere in Brandenburg stieg bis Mitte Dezember deutlich: von 74 auf 182.

Der erwähnte „Problemwolf von Rathenow“ könnte laut Experten von einem Truppenübungsplatz in Sachsen-Anhalt gekommen sein. Dort fielen im vergangenen Jahr 70 Schafe dem Wolf zum Opfer. Aus den Reihen der Jäger kommt deshalb die Forderung, die Ausbreitung des Wolfes stärker zu regulieren. „Wenn Grenzen erreicht sind, müssen Schlussfolgerungen gezogen werden“, sagt auch der Präsident des Landesjagdverbandes Sachsen, Frank Conrad. Im Freistaat fällt der Wolf zwar bereits unter das Jagdrecht, allerdings bedürfe es zunächst einer Einschätzung der Unteren Jagdbehörde und einer Entscheidung des Umweltministeriums, bevor ein Eingreifen möglich sei. „Vorher sind wir Jäger außen vor“, so Conrad. Man werde sich jedoch in der kommenden Zeit intensiv mit der Frage befassen, wie man Wölfe etwa durch Gummigeschosse von Wohngebieten fernhalten könne.

In Niedersachsen war im Mai sogar ein Problemwolf getötet worden, nachdem er sich immer wieder Menschen genähert hatte. Von solchen Eingriffen halten Naturschützer gar nichts. Unter dem Motto „Ahuuu – willkommen Wolf“ wirbt der Nabu sogar für Wolfspatenschaften. Und der umweltpolitische Sprecher der sächsischen Grünen, Wolfram Günther, warnt vor Hysterie: „Man hat mitunter den Eindruck, die Schafe stünden in Sachsen zum Streicheln auf der Wiese und würden nicht als Nutztiere gehalten.“

Sachsen-Anhalt plant nun zumindest ein Wolfskompetenzzentrum. Sachsen verfügt bereits seit 2004 über das Büro in Rietschen. In Thüringen ist der Bärenpark Worbis zuständig. Das Bundesland hat es vorerst nur mit einer Wölfin bei Ohrdruf zu tun.

Von Roland Herold

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