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Zwickauer Spaßvogel wirft sich in Schale: Stadt feiert 900 Jahre Geschichte

Stadtgeburtstag Zwickauer Spaßvogel wirft sich in Schale: Stadt feiert 900 Jahre Geschichte

Schick mit schwarzer Fliege kommt er daher und ist dabei sehr gelenkig im Nacken: Der Zwickauer Spaßvogel hat sich für das 900-jährige Bestehen seiner Heimatstadt in Schale geworfen. Geschlüpft ist der hölzerne Vogel in der Drechslerei von Daniel Baumann, dessen Großonkel als James-Bond-Bösewicht „Goldfinger“ weltberühmt wurde.

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Die junge Alte wird 900: In diesem Jahr feiert Zwickau seinen 900. Geburtstag. Zu den aktuell 91 000 Einwohnern zählen viele junge Leute. „Spielende Kinder" wie im Bild sind also nicht nur auf dem Brunnen am Hauptmarkt allgegenwärtig.

Quelle: Foto: Leipzigreport

Zwickau. Schick mit schwarzer Fliege kommt er daher und ist dabei sehr gelenkig im Nacken: Der Zwickauer Spaßvogel hat sich für das 900-jährige Bestehen seiner Heimatstadt in Schale geworfen. Geschlüpft ist der hölzerne Vogel in der Drechslerei von Daniel Baumann, dessen Großonkel als James-Bond-Bösewicht „Goldfinger“ weltberühmt wurde. Der gebürtige Zwickauer Gert Fröbe wirbt auf Plakaten ebenso für den runden Geburtstag wie der Komponist Robert Schumann, der Künstler Max Pechstein oder der Trabant. „Mit dem Stadtjubiläum möchten wir auf ganz unterschiedliche Weise zeigen, wie vielfältig Zwickau ist“, sagt Projektleiterin Grit Weise vom Zwickauer Kulturamt.

Mit über 100 Veranstaltungen feiert die viertgrößte Stadt Sachsens in diesem Jahr ihre urkundliche Ersterwähnung. Mehr als eine Million Euro lässt sie sich das kosten. Seit drei Jahren laufen die Vorbereitungen. Mit einem großen Feuerwerk zum Jahreswechsel startete die Stadt ins Festjahr – das mit einer Bergparade am 15. Dezember seinen Abschluss findet.

Dazwischen sind neben fünf Sonderausstellungen zahlreiche Konzerte, Vorträge, Theaterstücke sowie weitere Kultur- und Sportveranstaltungen geplant. So beschäftigen sich unter anderem Wissenschaftler bei einem Kolloquium am 8. März unter dem Titel „Muldeperlen“ mit Zwickauer Frauengeschichte(n). Die Deutsche Gilde der Nachtwächter und Türmer trifft sich ebenso an der Mulde wie die Crème de la Crème in Sachen Hiphop- und Streetdance. Zudem feiert die Auto-Stadt im August einen Automobiltag von Horch über Trabi bis VW.

In der Festwoche vom 1. bis 5. Mai ist neben einem Festakt im Dom unter anderem ein „Festival of Lights“ geplant. „Dabei soll an historischen Gebäuden Stadtgeschichte mithilfe von Projektionen lebendig werden“, so Weise. Auf einen historischen Festumzug hingegen habe man bewusst verzichtet. „Der Aufwand für drei Stunden Umzug ist enorm und dann wie beim Tag der Sachsen im Jahr 2000 vielleicht auch wieder verregnet“, meint Stadtsprecher Mathias Merz.

Stattdessen setze man in anderer Form auf die Zwickauer. Rund 70 Vereine, Unternehmen und Institutionen bringen sich demnach ein. Sei es durch Spenden zum Beispiel für ein beleuchtetes Wasserspiel auf dem Hauptmarkt oder für einen neuen Spielplatz als Geschenk von großen Zwickauern für kleine Zwickauer oder die Organisation eines Sportevents.

Neben Ereignissen, die extra für die 900 Jahre auf die Beine gestellt werden, sollen bestehende Veranstaltungen integriert werden. So werde es die „Tage der Demokratie und Toleranz“ geben, die mit dem NSU auch ein dunkles Kapitel nicht außen vor lassen.

Zum ersten Mal Eingang in eine Urkunde fand das Territorio Zcwickaw im Jahr 1118. Was in den vergangenen 900 Jahren in der Stadt geschehen ist, kann man zum Jubiläum in einer neuen Chronik nachlesen – deren erste Auflage mit 1600 Stück war allerdings nur wenige Tage nach Erscheinen bereits ausverkauft. „Zwickau besaß bisher keine aktuelle und wissenschaftlich fundierte Chronik“, erläutert Merz. Das letzte stadtgeschichtliche Werk stamme aus den Neunzigern und sei seit Jahren vergriffen. Ein 20-köpfiges Redaktionsteam um Kulturamtsleiter Michael Löffler arbeitete nun knapp fünf Jahre lang an den rund 1400 Seiten in drei Bänden.

Neben reinen Zahlen und Fakten beleuchten zahlreiche Artikel wichtige Etappen: Von der Frühgeschichte, über die Zeit der Reformation, die Industrialisierung bis hin zum Steinkohlen-Bergbau. In einem Essay schildert der Kabarettist Bernd-Lutz Lange – aufgewachsen in Zwickau – die Entwicklung nach der Wende.

Wer keine Chronik mehr ergattern konnte und auch die auf 900 Stück limitierte Auflage des Festvogels verpasst hat, kann sich trotzdem noch mit Jubiläumsartikeln eindecken. In der Auswahl sind zum Beispiel ein Sondertrikot des Fußball-Drittligisten FSV Zwickau oder zwei Gedenkmedaillen in reinem Silber oder Gold – alles begrenzt auf 900 Stück beziehungsweise 90 im Falle der hochpreisigen Goldmünzen, für die man rund 1300 Euro hinblättern muss. Deutlich günstiger – dafür nicht limitiert – lässt sich per Stockschirm oder Stoffbeutel mit dem Logo der 900-Jahrfeier glänzen. Ab drei Euro sind Zwickau-Fans dabei.

www.900jahre-zwickau.de

Von Claudia Drescher

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