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Mitteldeutschland Zschocke: „Mit Deichen wird Problem verschoben“
Region Mitteldeutschland Zschocke: „Mit Deichen wird Problem verschoben“
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09:54 07.07.2017
Volkmar Zschocke (48) Quelle: Foto: dpa
Dresden

In wenigen Wochen steht der 15. Jahrestag der Flutkatastrophe vom August 2002 an. Für Volkmar Zschocke, den Fraktionsvorsitzenden der Grünen in Sachsens Landtag, ist das Grund genug, den Hochwasserschutz der CDU/SPD-Regierung unter die Lupe zu nehmen. Ergebnis: Schwarz-Rot beschränke sich auf den Bau von Deichen und Rückhaltebecken, das greife zu kurz.

Mit Stolz verweist Schwarz-Rot auf das Hochwasserschutz-Konzept. Hat Sachsen die richtigen Lehren aus den beiden Katastrophen 2002 und 2013 gezogen?

Nicht im Entferntesten. Wenn die Staatsregierung verkündet, sie habe in den vergangenen Jahren 2,4 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz gesteckt, heißt das keineswegs, dass das Geld vernünftig verwendet worden ist – im Gegenteil. In einer solch komplexen Frage wie der Abwehr zukünftiger Flutkatastrophen sind beileibe nicht allein viele Euro nötig, sondern ein kluges Vorgehen.

Woran mangelt es?

Seit 2002 liegt der Schwerpunkt klar auf dem technischen Hochwasserschutz, andere Varianten wie zum Beispiel Auen-Programme werden nicht umgesetzt. Mit Deichen, Mauern und haufenweise Beton verschiebt man das Problem nur in jene Regionen, die flussabwärts liegen.

Was schlagen Sie stattdessen vor?

Wir Grünen haben nichts gegen technischen Hochwasserschutz. Was wir aber dringend brauchen, ist eine gute Mischung aus diesen Elementen und dem natürlichen Hochwasserschutz. Und hier stimmt das Verhältnis in Sachsen überhaupt nicht, wie ein Blick auf die Zahlen demonstriert: Von den 2,4 Milliarden Euro sind gerade mal 0,4 Prozent zum Beispiel für die Schaffung von Überschwemmungsflächen verwendet worden.

Die Regierung aber spricht von einem Bündel aus Maßnahmen – neben Rückhaltebecken und Schutzwänden gehöre dazu auch die Rückverlegung von Deichen …

Davon redet sie gern, getan aber hat sie das Gegenteil. So hat die Regierung noch nach der Flutkatastrophe von 2002 verkündet, sie wolle 49 Deiche zurück verlegen. 15 Jahre danach ist das bei lediglich sieben erfolgt. 7500 Hektar Überflutungsflächen wollte sie neu schaffen, realisiert wurden gerade mal 260 Hektar. Das ist lächerlich, das steht in keinem Verhältnis.

Aktuell herrscht wegen fehlender Niederschläge Wassermangel, die Elbe zum Beispiel ist kaum gefüllt. Ein Grund für Entwarnung?

Im Gegenteil, Niedrigwasser ist eher ein Grund zur Besorgnis. Alle Prognosen gehen derzeit davon aus, dass Extremwetterlagen auch bedingt durch die Klimaerwärmung vermehrt auftreten werden. Dazu gehören wochenlange Trockenperioden ebenso wie Starkregen. Wir sagen: Das kostenintensive Hochrüsten der Deiche ohne Schaffung zusätzlicher Überschwemmungsflächen ist der falsche Weg. Wenn Überflutungsflächen durch Mauern abgetrennt werden, entwickeln sich Flüsse zu regelrechten Wildwasserkanälen. Das aber kann nicht Sinn einer steuerfinanzierten Vorsorge sein.

Interview: Jürgen Kochinke

Von Jürgen Kochinke

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