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Mitteldeutschland 131.000 Sachsen trotz Arbeit von Armut bedroht
Region Mitteldeutschland 131.000 Sachsen trotz Arbeit von Armut bedroht
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09:26 17.10.2018
Zu wenig Geld trotz Arbeit: In Sachsen sind 131.000 Menschen von Armut bedroht. Quelle: Frank Kleefeldt/dpa (Symbolfoto)
Dresden

Rund 131.000 Sachsen sind trotz eines Jobs statistisch gesehen von Armut gefährdet. Denn sie verfügten im Jahr 2017 nur über 60 Prozent des mittleren Einkommens oder weniger. Das geht aus einer von den Grünen im Landtag erfragten Statistik hervor. Bei insgesamt 2,05 Millionen Arbeitnehmern waren das 6,4 Prozent. Schon 2011 hatte es diese Größenordnung von knapp 131.000 Betroffenen gegeben. Nach Schwankungen pendelte sich das ab 2015 wieder auf diesem Niveau ein.

„Sachsen muss für höheren Mindestlohn streiten“

„Die Zahlen zeigen, dass der Aufschwung bei denen, die mit ihrer Arbeit kaum genug zum Leben verdienen, nicht im Portemonnaie ankommt“, kritisierte die Arbeitsmarktexpertin der Grünen, Petra Zais, die Zahlen.

Nach ihren Worten müssten bei Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) die Alarmglocken läuten: „Offenbar schließt sich die Schere zwischen arm und reich trotz brummender Konjunktur nicht. Für den Sozialdemokraten Dulig muss die Eindämmung prekärer Beschäftigung höchste Priorität bekommen“, forderte die Abgeordnete.

Sachsens Regierung sei gut beraten, im Bund um einen höheren Mindestlohn zu streiten: „Da häufig Erwerbstätige mit Kindern betroffen sind, ist außerdem eine Kindergrundsicherung zur Armutsbekämpfung notwendig.“

Armut ist nicht gleich Armut

Armut wird unterschiedlich definiert. Als absolute Armut sehen Experten den Umstand, wenn ein Mensch aus materiellen Gründen nicht in der Lage ist, tägliche Grundbedürfnisse abzudecken. „Die Weltbank definiert Menschen als extrem arm, wenn sie weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben. Bei diesem Ansatz wird die Kaufkraft des US-Dollars in lokale Kaufkraft umgerechnet“, heißt es auf der Internseite des Bundesentwicklungsministeriums. Die Zahl Betroffener wird weltweit auf bis zu 1,2 Milliarden geschätzt.

Von relativer Armut ist in Wohlstandsgesellschaften die Rede. Danach ist derjenige arm, der über weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens verfügt. In Deutschland gelten Haushalte als von Armut bedroht, wenn sie weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben. Dieses ist die Definition, die der Grünen-Anfrage zugrunde liegt.

Von dpa