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Mitteldeutschland Wirtschaftsminister Dulig fordert Programmieren als zweite Fremdsprache
Region Mitteldeutschland Wirtschaftsminister Dulig fordert Programmieren als zweite Fremdsprache
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10:47 11.08.2016
Sachsens Wirtschaftsminister und SPD-Chef Martin Dulig Quelle: dpa-Zentralbild
Dresden

Punktgenau zur aufflammenden Debatte um Lehrermangel und das Schulgesetz geht Sachsens Wirtschaftsminister und SPD-Chef Martin Dulig mit einem speziellen Vorstoß in die Offensive. Nicht nur die Schule im Freistaat, sondern das gesamte Bildungssystem müsse sich grundlegend wandeln, sagte er den DNN. „Um im Zeitalter der Digitalisierung nicht ins Hintertreffen zu geraten, müssen wir dringend darüber nachdenken, Programmieren im Schulalltag neu zu gestalten – als zweite Fremdsprache.“ Nur so sei es möglich, den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

Dabei geht es Dulig darum, die „starren Grenzen eines Schulsystems zu überwinden, das noch aus dem 19. Jahrhundert stammt“. Im Gegensatz zu früheren Zeiten entstehe Innovation nicht mehr in speziellen Forschungsbereichen, sondern an den Schnittstellen ganzer Branchen. „Mit zwei, drei Wochenstunden Informatik ist es in der Schule nicht getan“, meint Dulig, „die Fixierung auf die MINT-Fächer reicht nicht aus.“ Lernen müsse in Zukunft vielmehr fächerübergreifend geschehen. Als sogenannte MINT-Fächer werden die klassischen Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik bezeichnet, die in Sachsen allgemein als Lieblingskind der CDU-Bildungspolitik gelten.

Wenn Dulig jetzt Programmieren als zweite Fremdsprache einführen will, versteht er darunter auch eine „andere Schul- und Lernkultur“. „Wichtig ist die Förderung von Experimentierfreude, Neugier und Mut zum Risiko“, sagte er. Wie im Bereich innovativer Unternehmen müsse es „auch in der Schule erlaubt sein, Fehler zu machen“ – sofern die Schüler daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Das aber sei bisher nicht sonderlich erwünscht, was ein Fehler sei.

Bei all dem spielt nach Ansicht des SPD-Chefs das Thema Medienkompetenz eine enorme Rolle. „Wenn es nach mir ginge, braucht ein Schüler keinen Ranzen mehr, ja, noch nicht einmal einen eigenen Rechner, um Dateien von A nach B zu tragen.“ Entscheidend für die Frage, ob Bildung am Ende gelinge oder nicht, sei vielmehr der richtige Umgang mit den neuen Medien. „Das Wissen im Internet ist immer aktueller als ein Schulbuch“, so Dulig. „Um aber Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, muss man filtern können.“ Damit aber habe sich die gesamte Art und Weise des Lernens verändert – eine Tatsache, auf die sich das traditionelle Schulsystem bisher nicht eingestellt habe. Demnach sprengt der Trend zur Digitalisierung die tradierte Aufteilung in einzelne, streng getrennte Unterrichtsfächer. Das neue Denken sprenge die Grenzen, das Handwerkszeug der Zukunft – ob nun Software-Entwicklungen, Webseiten oder andere digitale Finessen – sei vielmehr in jedem Fach präsent. „In diesem Sinne“, sagt Dulig, „braucht man nicht mehr nur Englisch als Universalsprache, sondern auch Informatik.“

Das würde beiden Seiten, dem Wirtschaftsstandort Sachsen wie auch den Schülern von heute, einige Vorteile bringen. Zum einen würde so verhindert, dass der Freistaat als IT- und Innovations-Standort nicht den Anschluss verpasst; zum anderen wäre die heutige Jugend auf die Veränderungen der Arbeitswelt vorbereitet. Denn in dieser, so die Überzeugung von Dulig, verliere die Bindung an einen bestimmten Ort, an eine einzelne Region an Bedeutung. „In Zukunft wird man seine Arbeitskraft global anbieten“, meinte der SPD-Chef – über das weltweite Netz. „Und dafür müssen wir uns heute schon rüsten.“

Von Jürgen Kochinke

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