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Mitteldeutschland Vorbild Max Uhlig – Sachsen sucht Konzept für Künstlernachlässe
Region Mitteldeutschland Vorbild Max Uhlig – Sachsen sucht Konzept für Künstlernachlässe
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16:20 23.04.2018
Der Dresdner Maler, Zeichner und Grafiker Max Uhlig Quelle: Kahnert/dpa
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Dresden

Max Uhlig hat es vorgemacht. Der Maler und Grafiker, einer der international renommiertesten deutschen Gegenwartskünstler, überlässt schon zu Lebzeiten sein Lebenswerk dem Freistaat. Nach Vertragsabschluss über die Schenkung sprach Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) von einem „herausragenden Beispiel“ für die vorausschauende Bewahrung eines künstlerischen Oeuvres. Gemäß Koalitionsvertrag von CDU und SPD sucht ihr Haus nach einem Konzept, Vor- und Nachlässe sächsischer Künstler zu sichern. Ihrer Bewahrung soll mehr Aufmerksamkeit zukommen.

„Das entlastet auch mein Gewissen“

Es geht um Konvolute von Künstlern, die zum Beispiel bei den Erben schon vorhanden sind, diese sollen aufgearbeitet und gesichert Forschung und Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, erklärt Stange. Sie könnten bei den Erben bleiben oder an vor allem gemeinnützige Träger wie Museen gegeben werden. Kriterien, welche Nachlässe oder Werke aus Nachlässen das betrifft, werden mit Hilfe von Fachleuten noch entwickelt. „Auf jeden Fall sollen die Nachlässe repräsentativ für die sächsische Kunst und von hoher Qualität sein.“ Stange geht von einer einstelligen Zahl pro Jahr aus.

„Hier liegen bundesweit noch wenige Erfahrungen vor“, erklärt sie. In einem mehrjährigen Pilotprojekt soll nun festgestellt werden, was machbar ist - im Dialog mit Experten und Betroffenen. Weitere konkrete Verabredungen wie im Fall Uhlig gibt es bisher nicht. Die Schenkung des Künstlers und seiner Frau beinhaltet das Atelier- und Wohnhaus, das künftig von der Kulturstiftung des Freistaates bereits mitgenutzt wird, sowie den künstlerischen Vorlass von 15.214 Werken aller Gattungen und Druckstöcke von den späten 1950er Jahren bis in die Gegenwart.

Kunstwerke des Dresdner Maler, Zeichner und Grafiker Max Uhlig in dessen Atelier. Quelle: Kahnert/dpa

„Es ist mir wichtig, dass hier Zukunft stattfindet und weiter gearbeitet wird“, begründete der 80-Jährige die Entscheidung. „Das entlastet auch mein Gewissen.“ Er will, dass das nach ihm benannte Haus ein Ort des Schaffens bleibt, auch für jüngere und nachfolgende Künstlergenerationen. Kunstministerin Stange nannte die Mitwirkung des Künstlers an der Bewahrung seines Werkes Beispiel gebend. Für Kollegen, die kein eigenes Domizil haben, hofft sie auf regionale Vereine, Stiftungen, nichtstaatliche Museen als Partner.

Der Verbleib von Kunst liegt auch im öffentlichen Interesse

„Für ein solches Programm, wie wir es vorhaben, gibt es keine Vorbilder“, erklärte Stange. Das in ihrem Haus zu erarbeitende Konzept sieht eine bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) angesiedelte Einrichtung zur Beratung und Förderung vor. Künstler, Erben, Vereine und Museen sollen bei der Bearbeitung und Erfassung, beim Aufbau von Werkdatenbanken, bei der Vermittlung von Nachlässen an Museen sowie der Schaffung von Nachlassdepots und der Teilvermarktung zur Refinanzierung unterstützen.

Dabei werden Kapazitäten, Erfahrungen und Expertisen der Museen einbezogen. In welchem Umfang, ist laut Stange schwer zu beziffern. Voraussetzung für solche Übernahmen von Künstlernachlässen aber wäre „eine angemessene Ausstattung der staatlichen und nichtstaatlichen Museen mit Finanzen, geeigneten Räumen samt Einrichtung sowie Personal auch für Ankäufe und Bearbeitung“. Ein zentrales Depot in Trägerschaft des Freistaates wird es aber wohl nicht geben, vielmehr regionale Einrichtungen dieser Art.

Nach Angaben des Landesverbandes Bildende Kunst Sachsen besteht auch unter den Kunstschaffenden Interesse. „Die meisten älteren Künstler stellen sich zunehmend dieser Frage“, berichtet Geschäftsführerin Lydia Hempel. Sie könnten sich vorstellen, einen Teil ihres Vor- oder Nachlasses an ein mögliches Depot zu geben - als Schenkung oder Stiftung. „Aber es gibt noch viele Bedenken.“ Laut Hempel liegt der Altersdurchschnitt der in Regionalverbänden organisierter Künstler bei 60 Jahren. Der Verband baut an einer Werkdatenbank sächsischer Kunstschaffender auf als Arbeitsmedium der Künstler und virtuelles Nachlassdepot.

„Die Rolle von Künstlernachlässen für das gesellschaftliche Gedächtnis ist auch bundesweit und international ein Thema“, sagte der Ministeriumssprecher. Der Verbleib von Kunst und die Entscheidung, welche Werke bewahrt bleiben sollen, sei nicht allein die privat-vorsorgende Aufgabe von Künstlern und ihren Erben. „Ein gesellschaftliches und öffentliches Interesse daran entspricht dem Selbstverständnis der Kulturnation Deutschland und des Kulturlandes Sachsen.“

dpa

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