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Mitteldeutschland Vom Lastwagen gestreift: Neue Theorie nach schwerem Busunglück auf der A 9
Region Mitteldeutschland Vom Lastwagen gestreift: Neue Theorie nach schwerem Busunglück auf der A 9
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15:16 20.03.2018
Von dem Reisebus ist nur noch ein Wrack übrig geblieben.  Quelle: dpa
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Leipzig

 Es waren dramatische Minuten an diesem 3. Juli 2017: Ein mit 48 Fahrgästen und zwei Mitarbeitern besetzter Bus eines Reiseunternehmens aus Löbau raste damals kurz nach 7 Uhr auf der Autobahn 9 bei Münchberg auf den Anhänger eines Sattelzugs. Der Bus ging sofort in Flammen auf, 18 Personen starben damals. Nach dem Schock kamen die Fragen. Ein Punkt beschäftigte Ermittler und Betroffene, teilweise bis heute: Wie konnte es dazu kommen?

Die Staatsanwaltschaft Hof stellte nach vier Monaten das Verfahren ein. Der Grund für die Reaktionsverzögerung des Busfahrers (55) lasse sich nicht mehr rekonstruieren, hieß es. Technische Mängel sowie die Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer schloss die Behörde aus.

Genau an dieser Version sind jetzt aber Zweifel aufgekommen. Einer der Überlebenden war der zweite Busfahrer Tino Rudolph. Der 47-Jährige saß während des Aufpralls auf seinem Dienstsitz ganz vorn und schlief. So hat er es auch bei der Polizei angegeben.

Obwohl der Fahrer von der Situation überrumpelt war, reagierte er geistesgegenwärtig und öffnete die vordere Tür und später mit Mühe auch die hintere Tür des Busses und bewahrte so zahlreiche Menschen vor dem sicheren Tod. „Ich habe danach nur noch drei ohrenbetäubende Explosionen gehört und eine riesige Rauchsäule gesehen“, berichtete eine 66-jährige Frau aus Dresden, die der Reisegruppe angehörte. Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) ehrte Rudolph gerade mit der Lebensrettungsmedaille.

Neue Theorie vom Lastwagen

Zu den Akten hat der Busfahrer den Fall noch lange nicht gelegt. Öffentlich mag Rudolph nicht sprechen. Mit Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) hat er aber geredet und eine neue Theorie präsentiert. Der Rathauschef hat seine Stadträte und anwesende Bürger bei der jüngsten Ratsversammlung nun darüber unterrichtet.

Demnach glaubt der 47-Jährige, dass ein Lastwagen den Bus überholt, dabei gestreift und so zur Seite gedrückt habe. Erst danach sei er auf den Anhänger aufgefahren. Aufnahmen von einer abgerissenen Gepäckraumklappe und eines auf der Fahrbahn liegenden roten Koffers sollen diese Version angeblich belegen. In Löbau geht es auch darum, den tödlich verunglückten Busfahrer hinter dem Steuer zu rehabilitieren.

Die Ermittler haben aber keinen neuen Ansatz. „Bisher hat sich niemand an uns gewendet und uns liegen auch keine neuen Fotos vor“, sagte Andreas Cantzler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hof. Die Ermittler hätten im vergangenen Jahr hinter dem Bus befindliche Autofahrer und überlebende Fahrgäste befragt. Von einem überholenden Lastwagen sei niemals die Rede gewesen.

Staatsanwaltschaft will noch einmal in Gutachten schauen

Auch zwei Sachverständigengutachten hätten keine Ansatzpunkte für die Theorie geliefert. Die Akte solle deshalb nach jetzigem Stand nicht wieder geöffnet werden. In einem Punkt wolle die Staatsanwaltschaft aber doch noch einmal nachforschen: Sie will mit einem der Sachverständigen klären, ob es am völlig ausgebrannten Busgerippe Hinweise auf eine abgerissene Gepäckraumklappe gibt.

Matthias Roth

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