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Mitteldeutschland Video aus Polizei-Umkleide: Keine dienstrechtlichen Konsequenzen
Region Mitteldeutschland Video aus Polizei-Umkleide: Keine dienstrechtlichen Konsequenzen
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14:06 06.02.2019
Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar sieht keinen Grund für dienstrechtliche Konsequenzen. Quelle: Archiv/Anja Schneider
Dresden

Polizistinnen in der Um­kleidekabine tanzen teils spärlich bekleidet zu einem Popsong – ein gut zweiminütiger Clip hatte vor we­nigen Tagen für Wirbel gesorgt. Nun steht fest: Für die auf den Bildern zu sehenden Studentinnen der sächsischen Polizeihochschule wird es keine dienstrechtlichen Konsequenzen geben. Das bestätigte das Innenministerium auf Anfrage der Dresdner Neuesten Nachrichten.

Die Aufnahmen waren bereits vor Mo­naten am Fortbildungszentrum in Bautzen entstanden. Zu sehen sind lasziv tanzende junge Frauen in Uniformen, ein Clip in Manier eines Musikvideos. Der Film war nun aber jüngst von einem Berliner Reporter veröffentlicht worden. Die Polizei be­stätigte daraufhin, dass es sich bei den Frauen um angehende Beamtinnen handelt. Daraufhin hatte sich eine Debatte um das Auftreten der sächsischen Polizei und das Bild nach außen entsponnen.

Nach Angaben des sächsischen Innenministerium war das Video be­reits im Sommer des vergangenen Jahres entstanden. Die Studentinnen hatten es für eine Abschlussfeier produziert, „bei der einige Studentinnen den erfolgreichen Ab­schluss ihres ersten Studienabschnitts unter anderem mit einer Tanzdarbietung auf der Bühne feierten“, heißt es aus dem Ministerium. Das Video habe diese Show eingeläutet.

Der sächsische Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar hatte nach dem Video nicht nur eine Aufarbeitung der Vorgänge angekündigt – sondern auch eine disziplinarische Betrachtung. Die Auswertung ergab nun aber, dass die Studentinnen ihre Dienstpflichten nicht verletzt haben.

„Der Rektor der Hochschule hat in einem ersten Gespräch mit den be­treffenden Kolleginnen das Ge­schehen kritisch ausgewertet“, sagt der Landespolizeipräsident. Die an­gehenden Polizistinnen seien sichtlich betroffen von der Veröffentlichung und der Reichweite des Vi­deos. „Ich denke, dass allein ist ihnen Lehre genug. Weitere dienstrechtliche Konsequenzen haben die Frauen nicht zu befürchten“, erklärt Horst Kretzschmar.

Sachsens Polizei werde den Sachverhalt aber zum Anlass nehmen, die Beamten erneut für die Themen „öffentliches Auftreten“ und die „Be­tätigung in sozialen Netzwerken“ zu sensibilisieren. „Wir als Polizei stehen schließlich im besonderen Maße im Fokus der Öffentlichkeit. Es ist unsere Pflicht, den Vertrauen der Bevölkerung gerecht zu werden und das Ansehen der Polizei Sachsen zu bewahren“, erklärt Horst Kretzschmar.

Für Sachsens Landespolizeipräsidenten sind dennoch bestimmte Darstellungen in dem Video, auch wenn es nur für den privaten Kreis und nie für die Öffentlichkeit be­stimmt gewesen sei, „inakzeptabel“. Zwar begrüße er es, „dass unsere jungen angehenden Polizistinnen so viel Freude und Kreativität mit in ihren Beruf bringen.“ Das darin aber zum Teil vermittelte Bild von Frauen in der sächsischen Polizei stimme al­lerdings auf keinen Fall mit der Realität überein.

In den sozialen Netzwerken hatte das Video indes viel positive Resonanz hervorgerufen. In Kommentaren auf Facebook und Twitter brachten Nutzer ihre Begeisterung zum Ausdruck. Auch andere Polizeibehörden in Deutschland und die Deutsche Polizei Gewerkschaft re­agierten positiv. „Wenn ich die Polizei nicht besser kennen würde, würde ich sagen, ein gelungener PR-Gag, um in der Bevölkerung und vor allem bei den künftigen Schulabsolventen die erforderliche Aufmerksamkeit für unsere Berufe zu erzielen“, erklärte Michael Haug, Bundesjugendleiter der Deutschen Polizei Gewerkschaft über Facebook.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter hatte sich ebenfalls in die De­batte eingeschaltet. Das Video zeige eine andere Perspektive auf die Sächsische Polizei. „Während Werbevideos für den Polizeiberuf häufig am eigenen Anspruch scheitern, zeigt sich ein authentischer Blick über den Tellerrand“, heißt es in ei­ner Stellungnahme. Eine Schädigung des Rufes der sächsischen Polizei erkenne der Verband nicht: „Bei unseren Anwärtern handelt es sich um junge Kollegen mit vielseitigen Talenten und einer lebensbejahenden Grundeinstellung.“

Von Sebastian Kositz

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