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Mitteldeutschland Verkehrszeichen entwickeln in Mitteldeutschland ein merkwürdiges Eigenleben
Region Mitteldeutschland Verkehrszeichen entwickeln in Mitteldeutschland ein merkwürdiges Eigenleben
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09:51 22.08.2016
Der kuriose Ortsname zieht Langfinger magisch an. Quelle: dpa
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Halle/Gera

Fantasievoll bekleben, kurios umbenennen, als Deko umnutzen – in Mitteldeutschland ist öffentlichen Schildern zuletzt einiges widerfahren. Ein kleiner Überblick:

SCHILDERTAUSCH: Bin ich jetzt in Gera oder in Halle? Diese Frage stellte sich im Juli. Unbekannte hatten zeitgleich je ein Ortseingangsschild der beiden Städte geklaut – und in der jeweils anderen hinterlassen. Ein Passant hatte das irreführende Ortsschild in Gera an der Bundesstraße 92 gesehen und die Polizei informiert. Einen Tag später tauchte das Geraer Pendant in Halle auf. Polizisten brachten die Schilder wieder an ihre vorgesehenen Plätze. Vorher fotografierten sie sich jedoch jeweils vor ihren Revieren mit dem Schild der anderen. Ermittelt wird trotzdem, wegen Diebstahls.

SCHILDERKLAU: Immer wieder schrauben Leute Ortsschilder ab. Dabei sind Orte mit kuriosem Namen häufiger betroffen als andere. Drogen zum Beispiel im Altenburger Land. „Das Schild wird im Schnitt einmal pro Jahr gestohlen, manchmal auch öfter“, sagt Bürgermeisterin Carmen Meister (parteilos). Zweimal schlugen Unbekannte im vergangenen Jahr in Lederhose (Kreis Greiz) zu. „Wenn nur die Tafel verschwunden ist, kostet uns das 100 Euro. Fehlt auch das Gestell, wird es noch teurer“, erzählt Bürgermeister Andreas Weber (parteilos).

SCHILDERKUNST: Wochenlang tauchten immer wieder Aufkleber auf Hinweisschildern in Halle auf: Ein „Vorsicht Bodenwelle“ wurde mit einem Surfer verschönert, ein Fahrrad-Piktogramm bekam eine Rotkäppchen-Silhouette aufgeklebt oder Strichmännchen schauten halbverdeckt aus „Durchfahrt verboten“-Schildern. Anfangs fand auch die Stadt die Idee noch lustig, wie Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) sagte. Bis dann immer mehr Aufkleber auftauchten. Das Bekleben sei Sachbeschädigung, erklärte die Verwaltung und erstattete Anzeige gegen Unbekannt.

SCHILDER-GAG: Das Schkeuditzer Kreuz an den Autobahnen 9 und 14 zwischen Leipzig und Halle hat Fans. In Leipzig benannte sich eine 2008 gegründete Lesebühne nach dem Knotenpunkt und schrieb ihm eine Hymne. Damit nicht genug: Das Team um die Autoren Julius Fischer, André Herrmann und Franziska Wilhelm gibt auch ungewöhnliche Offerten aus: Wer ein Straßenschild mitbringt, kommt umsonst rein. Das komme drei- bis viermal im Jahr vor, erzählt Herrmann. Entsprechend dekoriert ist die Bühne der Leseabende. Später krönten die Poeten die Idee mit einem neuen Gag: Wer ihnen jemals das wuchtige Autobahnschild vom Schkeuditzer Kreuz zu einem Auftritt mitbringt, bekommt lebenslang freien Eintritt.

VON FRANZISKA HöHNL, BIRGIT ZIMMERMANN UND CHRISTIAN THIELE

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