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Mitteldeutschland Unfall oder Einbruch: Sachsens Polizei braucht immer länger
Region Mitteldeutschland Unfall oder Einbruch: Sachsens Polizei braucht immer länger
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08:00 02.11.2017
Ob Unfall, Einbruch oder Schlägerei – Polizisten in Sachsen brauchen immer länger, bis sie vor Ort sind. Quelle: dpa
Dresden

Ob Unfall, Einbruch oder Schlägerei – Polizisten in Sachsen brauchen immer länger, bis sie vor Ort sind. Landesweit sind die Eintreffzeiten seit 2011 um mehr als sechs Minuten auf aktuell knapp 31 Minuten nach einem Notruf gestiegen. Die meiste Zeit vergeht in Leipzig: Die Reviere Zentrum und Südwest liegen mit gut 48 Minuten beziehungsweise 42 Minuten weit über dem landesweiten Durchschnitt. Am schnellsten sind die Beamten in Eilenburg (17 Minuten) und Torgau (14 Minuten) vor Ort. Negativ fallen dagegen die Reviere Oschatz (40 Minuten) und Döbeln (35,5 Minuten) auf. Dresden-Nord liegt leicht über dem Durchschnitt.

Am längsten muss nach Diebstahl oder Einbruch auf die Polizei gewartet werden: knapp 48 Minuten im landesweiten Durchschnitt. Danach folgen Lärmbelästigung (36 Minuten) und Verkehrsunfälle (33 Minuten). Am schnellsten geht es bei hilflosen Personen (15 Minuten).

Das geht aus Antworten des sächsischen Innenministeriums auf Kleine Anfragen des Linken-Innenexperten Enrico Stange hervor. Darin sind auch Fälle aufgelistet, bei denen es besonders lange gedauert hat. So musste in Leipzig nach einem Unfall vier Stunden auf die Polizei gewartet werden oder konnten sich Beamte in Dresden erst zweieinhalb Stunden nach dem Notruf um eine hilflose Person kümmern. Die Hauptgründe zum Ausrücken der Polizei bilden Verkehrsunfälle (28,7 Prozent) sowie Diebstähle und Einbrüche (16,9 Prozent).

„Für die Verbesserung des Sicherheitsgefühls der Bevölkerung ist die Verfügbarkeit der Polizei ausschlaggebend. Das kann angesichts der weiter steigenden Eintreffzeiten allerdings nicht erreicht werden“, erklärt Stange. Auch die Einführung der Wachpolizei habe daran nichts ändern können. Der Linken-Politiker sieht das Problem in ungünstigen Revierzuschnitten, mangelndem Personal und immensen Krankenständen. So fällt laut Ministerium in Leipzig, Dresden und Grimma täglich jeder zehnte Beamte krank aus.

Cathleen Martin, die Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), bestätigt: „Das größte Problem sind die fehlenden Polizeibeamten. So ist das Führungs- und Lagezentrum chronisch unterbesetzt, und es ist keine Seltenheit, dass man bereits dort minutenlang wartet, bis man jemanden am Telefon hat.“ In Leipzig gebe es „kaum noch einen Streifenwagen, der tatsächlich Streife fährt – die Kollegen hasten von einem Auftrag zum anderen“. Dabei hätten Körperverletzungen, von denen es immer mehr gebe, klare Priorität. Zugleich kritisiert sie – wie auch Stange –, dass mit der Strukturreform seit 2013 „Revierbereiche riesig geworden“ seien.

Für Hagen Husgen, den sächsischen Landesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), schlägt die Sparpolitik des Freistaates nun vollends auf die Bevölkerung durch. „Die Beamten haben die Schmerzgrenze überschritten, sind am Limit. Leidtragende sind die Menschen, die unsere Hilfe brauchen und immer länger warten müssen“, erklärte er. Die GdP habe schon vor Jahren massive Neueinstellungen und höhere Ausbildungskapazitäten gefordert.

Von Andreas Debski

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