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Unaufmerksamkeit des Fahrers führte zu Inferno auf der A9

Ermittlungsergebnisse Unaufmerksamkeit des Fahrers führte zu Inferno auf der A9

Anfang Juli brannte ein Bus auf der A 9 in Oberfranken nach einem Auffahrunfall komplett aus. 18 Passagiere kamen in dem Inferno ums Leben. Die Ermittler präsentierten am Mittwoch ihre Ergebnisse. Sie sind sich sicher, dass der Busfahrer die Katastrophe verursacht hatte.

30 Menschen wurden bei dem Busunglück auf der A 9 bei Münchberg verletzt. 18 Passagiere starben.
 

Quelle: dpa

Hof. Der Busunfall mit 18 Toten auf der Autobahn 9 in Oberfranken ist nach Angaben der Ermittler durch eine Unaufmerksamkeit des Fahrers verursacht worden. Der Reisebus sei daher vor einem Monat bei Münchberg auf den Anhänger eines Sattelzugs aufgefahren, teilten Staatsanwaltschaft und Verkehrspolizei Hof am Mittwoch mit.

Daraufhin sei es zu Kurzschlüssen im vorderen Bereich des Busses gekommen. Dadurch habe sich Kraftstoff entzündet; der Bus stand innerhalb kürzester Zeit in Flammen. Die Reisegruppe, überwiegend Senioren aus Sachsen, war unterwegs nach Italien. 18 Menschen kamen ums Leben, darunter auch der Busfahrer; 30 Menschen wurden verletzt.

„Verkettung tragischer Umstände“

Staatsanwalt Jochen Götz sprach am Mittwoch von einer „Verkettung tragischer Umstände“: Wegen des Aufpralls kam es zu Kurzschlüssen bei Batterie und Elektrik, beides war im Vorderbereich des Busses untergebracht. Ein Kraftstofftank dort wurde zusammengestaucht und platzte. Der Kraftstoff entzündete sich sofort, befeuert von austretender Druckluft.

Rauch und Feuer breiteten sich rasend schnell im Bus aus. 18 Menschen konnten sich nicht mehr retten. Die anderen 30 Businsassen wurden teils schwer verletzt, zwei von ihnen sind immer noch im Krankenhaus. Dem Ersatzfahrer (43) gelang es, eine der Türen zu öffnen und Menschen nach draußen zu bringen.

Wie Horst Thiemt, der Chef der Verkehrspolizei Hof sagte, hatte der Bus keine technischen Mängel. Er war mit den Sicherheitssystemen ABS und ESP ausgestattet, hatte aber kein automatisches Bremssystem, das beispielsweise bei drohenden Auffahrunfällen automatisch bremst. Der 2013 gebaute und 2014 erstmals eingesetzte Reisebus musste diese Technik nicht haben - erst bei später gebauten Modellen wurde sie Pflicht. Ob ein solches System das Inferno verhindert hätte? Das sei „spekulativ“, sagte Staatsanwalt Götz.

Lenk- und Ruhezeiten des Fahrers seien eingehalten worden. Und auch der Fahrer des Sattelzugs, der aus der Ukraine unterwegs nach Frankreich war, habe nicht abrupt abgebremst. „Es war ein normaler Bremsvorgang, wie es am Ende eines Staus erwartet wird“, so Götz. Der Verkehr wurde wegen einer Baustelle von drei auf zwei Spuren gelenkt, deshalb hatte sich der Stau gebildet. Am Montagmorgen sei dichter Verkehr in diesem Bereich normal, sagte Verkehrspolizist Thiemt.

Unachtsamkeit des Busfahrers für Firma „unbegreiflich“

Das Löbauer Reiseunternehmen kann das Ergebnis der Ermittlungen nur schwer akzeptieren. „Dass unser Fahrer offenbar für einen Moment unachtsam war, ist uns aufgrund seiner Erfahrung und Routine unbegreiflich“, erklärte der Sprecher des Familienbetriebes im Osten Sachsens, Patrick von Krienke, am Mittwoch. Nach Angaben der Ermittler in Hof wurde der Unfall durch eine Unaufmerksamkeit des Fahrers verursacht, der ums Leben kam. Der verunglückte Bus gehörte der Firma.

Das Unternehmen sei erleichtert, dass es nach vier Wochen der Ungewissheit endlich Klarheit über den Unfallhergang gebe. Es liefen keine Ermittlungen gegen die Firma. Die strengen Vorschriften für den Personen- und Güterverkehr seien eingehalten wurden, sagte Krienke. „Wir trauern um unsere Fahrgäste und sind mit den Gedanken bei den Genesenden.“ Die Firma dankte zugleich allen, die „in dieser Tragödie selbstlos Hilfe geleistet haben“.

Keine Ablenkung durch Fahrgäste

Ungeklärt wird wohl bleiben, warum der Fahrer unaufmerksam war und den bremsenden Sattelzug vor ihm zunächst übersehen hatte. Die Befragungen der Überlebenden ergaben lediglich, dass es weitgehend ruhig im Bus war, Fahrgäste haben ihn also nicht abgelenkt. Auch eine toxikologische Untersuchung brachte keine Hinweise.

Die sterblichen Überreste des Busfahrers wurden auf dem Fahrersitz geborgen, der Gurt war noch verschlossen. Spekulationen, wonach er noch Menschen aus dem Bus geholfen haben soll, haben sich nach Auffassung der Ermittler nicht bestätigt.

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dpa/RND

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