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Mitteldeutschland Trockenheit gefährdet Ernte des nächsten Jahres
Region Mitteldeutschland Trockenheit gefährdet Ernte des nächsten Jahres
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11:29 06.10.2018
Ein verkümmerter Maiskolben auf einem von Trockenheit, Hitze und Unwettern stark geschädigtem Maisfeld. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Trockenheit und kein Ende: Die langanhaltende trockene Witterung gefährdet in Sachsen die Aussaat des Wintergetreides – und damit möglicherweise die Ernte des kommenden Jahres.

„Die Misere weitet sich aus“, sagt der zuständige Experte vom Sächsischen Landesbauernverband, Andreas Jahnel, in Dresden. „Wenn es nicht regnet, kann die Saat nicht aufgehen und dann ist auch im nächsten Jahr praktisch keine gute Ernte zu erwarten. Der Niederschlag der vergangene Tage war viel zu wenig.“ Beim Raps etwa hätten Betriebe wegen der Trockenheit auf die Aussaat sogar verzichtet. Betroffen seien vor allem Gegenden mit leichten, sandigen Böden in Nordsachsen und der Lausitz.

Laut Jahnel ist die Getreideernte landesweit im Durchschnitt 10 bis 20 Prozent schlechter ausgefallen als im Mittel der Vorjahre. Vor allem auf den leichten Böden seien die Verluste hoch gewesen. Teils sei dort nur die Hälfte geerntet worden.

Zudem gibt es dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zufolge oft vermehrt Schädlinge wie Blattläuse. Beim Raps tummeln sich teils auch Kohlfliegen und Erdflöhe.

Von der ungewöhnlich warmen und trockenen Witterung haben dem Landesamt zufolge vor allem jene Arten profitiert, die ohnehin zu den Gewinnern des Klimawandels zählten: Die Feuerlibelle (Crocothemis erythraea), das Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) sowie der Große Feuerfalter (Lycaena dispar).

Im Sommer hätten sich auch Schädlinge wie der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis) vor allem im Elbtal massiv ausgebreitet. Nacktschnecken und Kirchessigfliegen hatten es in diesem Jahr hingegen schwer.

Wegen der Trockenheit führen die sächsischen Flüsse und Bäche noch immer zu wenig Wasser. „Aktuell bewegen sich die an sächsischen Pegeln gemessenen Durchflussmengen zu 70 Prozent im Bereich von Niedrigwasser“, sagt eine Sprecherin des Landesamtes. Damit sei nach einer kurzen Erholung fast wieder das niedrige Niveau von Mitte September erreicht.

An der Elbe bei Dresden liegt der Wasserstand aktuell bei gut 60 Zentimetern. Normal wären etwa 2 Meter. An der Niedrigwassersituation werde sich demnächst nichts ändern, heißt es. Vor allem im tschechischen Einzugsgebiet der Moldau und Elbe fehlten dazu ergiebige Niederschläge. Auch beim Grundwasser rechnen die Experten flächendeckend mit weiter sinkenden Wasserständen.

In Leipzig wurde schon im August und September begonnen, Laub zu räumen. Das sei so zeitig gewesen wie noch nie, heißt es bei der Stadt. Pappeln, Linden, Birken hätten in diesem Jahr eher die Blätter verloren. Die Beseitigung von Herbstlaub werde deshalb diesmal wohl länger dauern. Die Bewirtschaftung der Rasenflächen war eingestellt worden. Die Kurzgraswiesen seien teilweise komplett vertrocknet. Ob diese wieder neu austreiben werden, sei fraglich, heißt es.

Das Grünflächenamt in Chemnitz ist noch mit der Auswertung des heißen Sommers beschäftigt. Nachdem einzelne Jungbäume im Stadtgebiet bewässert werden mussten, sollen ab 2019 testweise Wassersäcke für ausgewählte Pflanzstandorte beschafft werden. Solche mit Wasser gefüllten Säcke werden um den Baumstamm gelegt und durchfeuchten langsam das Erdreich.

Solche Wassersäcke für Bäume werden in Dresden schon seit vergangenem Jahr erprobt. Etwa 50 der Säcke seien jedoch gestohlen worden, hieß es bei der Stadt. Vereinzelt seien auch junge Bäume der Witterung zum Opfer gefallen und abgestorben. Für eine Abschlussbilanz sei es jedoch noch zu zeitig.

dpa

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