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Tillich: Mit Geld allein kann man nicht alles lösen

Interview Tillich: Mit Geld allein kann man nicht alles lösen

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) appelliert an den Zusammenhalt zwischen Ost und West. „Es braucht ein Zusammenhaltsgefühl. Wenn es unterschiedliche Bedingungen gibt, ist der Zusammenhalt schwieriger“, sagte er im Interview.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU)

Quelle: dpa

Dresden. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) appelliert an den Zusammenhalt zwischen Ost und West. „Es braucht ein Zusammenhaltsgefühl. Wenn es unterschiedliche Bedingungen gibt, ist der Zusammenhalt schwieriger“, sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Darin äußert er sich unter anderem auch zum Populismus und Schlussfolgerungen für die Union.

Gibt es gut 26 Jahre nach der Einheit ein Gefühl der Entsolidarisierung?

So hart würde ich es nicht formulieren. Ich würde eher sagen, wir haben eine Situation, in der viele glauben, das werde sich schon von selber richten. Mit Geld alleine kann man aber nicht alles lösen. Es braucht ein Zusammenhaltsgefühl. Wenn es unterschiedliche Bedingungen gibt, ist der Zusammenhalt schwieriger. Es geht nicht darum, den anderen etwas wegzunehmen. Doch man nimmt die nach wie vor existierenden Unterschiede zwischen Ost und West nicht mehr wahr. Viele glauben, eine dreispurige Autobahn wäre die Lösung des Problems. Die ist es aber nicht. Wir müssen auch das wahrnehmen, was noch nicht in Ordnung ist.

Ist jetzt mit der Neuregelung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen alles geregelt?

Das ist für mich der größte Erfolg des letzten Jahres. Wir sind in der deutsch-deutschen Realität angekommen. Wir sind jetzt Teil des gesamtdeutschen Finanz- und Steuersystems.

Was bedeutet es für eine Partei wie die CDU, wenn der Populismus stärker wird?

Es gibt ein Defizit zwischen Ankündigung und Einlösen. Die Leute wollen, dass das Recht durchgesetzt wird. Wenn das nicht erfolgt, entsteht Frust. Es gibt Menschen, die keiner Partei mehr eine Problemlösungskompetenz zugestehen. Die Politik muss Vertrauen zurückgewinnen. Zum Beispiel auch bei der Frage, wie sollen die Alterssicherungssysteme der Zukunft aussehen. Jeder redet über die demografische Entwicklung. Jeder weiß, dass die Menschen immer älter werden und immer länger Geld aus diesem System beziehen. Und jeder weiß auch, dass es immer weniger junge Beitragszahler gibt. Da fragen sich alle: Wie sieht meine Zukunft aus?

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird vorgeworfen, eine Sozialdemokratisierung der CDU vorzunehmen? Reicht die CSU als Korrektiv aus oder muss die CDU mehr nach rechts?
Wer sich als Volkspartei definiert, muss alle Bereiche abdecken und auch alle Strömungen innerhalb der Partei abbilden. Die Chance besteht darin, solche Positionen zu besetzen und nicht anderen zu überlassen. Ein Zusammenrücken von Sozialdemokraten und Christdemokraten, sich in der Mitte zu treffen, ist die falsche Lösung.

Zur Person:

Stanislaw Tillich ist seit Mai 2008 im Amt und damit der dienstälteste Ministerpräsident Deutschlands. 1959 in Neudörfel in der Oberlausitz geboren, ist der Sorbe und praktizierende Katholik seit 2008 auch Vorsitzender der sächsischen CDU. Der Diplomingenieur ist verheiratet und hat zwei Kinder.

dpa

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