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Mitteldeutschland Suche nach Erziehern wird schwierig
Region Mitteldeutschland Suche nach Erziehern wird schwierig
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08:24 13.08.2017
Symbolbild Quelle: dpa
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Geburtenboom und Kitaplatz-Ausbau werden in Sachsen freudig begrüßt. Zugleich mehren sich aber Stimmen, die vor einem Erzieher-Mangel warnen. „Vor allem freie Träger haben inzwischen ein Problem, geeignetes Fachpersonal zu finden“, erklärte Astrid Axmann, stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Da gibt es große Parallelen zum Lehrerbereich“, sagte sie. Ganz so schwierig sei es zwar noch nicht. „Aber wir sind auf dem Weg dahin.“

Ein Grund sei, dass freie Träger Erziehern weniger Geld als kommunale Einrichtungen zahlten, wo der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes gelte. Das könne mehrere hundert Euro im Monat ausmachen, sagte Axmann. Wegen Geburtenanstieg, Zuwanderung und Ausbau der Betreuung der unter Dreijährigen steige überall der Bedarf an Erziehern. Im ländlichen Raum kommt nach Angaben von Volker Abdel Fattah von der Arbeiterwohlfahrt Sachsen erschwerend hinzu, dass es Erzieher in die Städte ziehe, weil sie dort bessere Beschäftigungschancen sähen.

Problematisch sei auch, dass die öffentlichen Träger von Kindereinrichtungen Stellen immer zum Ende des Ausbildungsjahres ausschrieben. Dies sei zum Beispiel in Deutschlands „Geburtenhauptstadt“ Dresden zu beobachten. „Freie Träger können immer erst dann Stellen anbieten, wenn sie wissen, dass sie genug Plätze zu vergeben haben“, erklärte Abdel Fattah. Dann seien aber viele Fachkräfte schon vom Markt.

Nach Angaben des Kultusministeriums werden im Freistaat „mehr Erzieher denn je ausgebildet.“ Jährlich stünden über 2000 Absolventen zur Verfügung, so dass der Bedarf derzeit gedeckt werden könne. Aber: „Keiner weiß, ob diese 2000 ausgebildeten Fachkräfte auch tatsächlich in Sachsen landen“, sagte Gewerkschafterin Axmann. Nicht wenige wanderten auch in andere Bundesländer ab. Statistiken darüber führt das Kultusministerium nicht.

Die Rahmenbedingungen für die Arbeit der Erzieher in Sachsen seien vergleichsweise schlecht, beklagte Axmann. „Mit einem Betreuungsschlüssel von 1:12 im Kita-Bereich gehört Sachsen bundesweit zu den Schlusslichtern.“ Dinge wie Vor- und Nachbereitung, Elternarbeit, Krankheit oder Urlaub würden dabei noch nicht einmal berücksichtigt. Die Erzieher müssten sehr große Gruppen betreuen und arbeiteten oft an der Belastungsgrenze.

Bei der Bezahlung der Erzieher vollzieht die Volkssolidarität Leipziger Land nach Angaben von Geschäftsführer Lutz Stephan die Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst nach. Aber die schon immer bestehende Differenz werde dadurch natürlich nicht kleiner. „Wir verhindern nur ein Noch-Weiter-Öffnen der Schere“, sagte Stephan. Die Volkssolidarität versuche, mit einem guten Arbeitsklima Mitarbeiter zu binden. Trotzdem sei die Suche nach Erziehern schwierig, sagte Stephan. „Wir machen schon sehr viel. Aber trotzdem reicht es nicht.“

Nach Auffassung von Ursula Wartala, Referentin Kindertagesstätten beim Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen, gibt es in Sachsen zudem eine zu starke Gewichtung der Bildungspolitik auf die schulische und berufliche Bildung. „Um dieser Entwicklung zu begegnen, braucht die frühkindliche Bildung einen höheren Stellenwert, zum Beispiel bei der gesellschaftlichen Anerkennung des Erzieherberufes“, forderte sie.

In den 32 katholischen Kitas im Bistum Dresden- Meißen werden ihren Angaben zufolge fast 2800 Kinder betreut. „Während die Situation in den Kindertageseinrichtungen derzeit noch stabil ist, wird es jedoch in den kommenden Jahren schwierig, geeignetes Fachpersonal zu gewinnen, da viele ältere Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand gehen“, sagte Wartala.

Für die kommenden Jahre erwartet auch die Landesregierung einen wachsenden Bedarf an Erziehern. 2018 würden 22 550 gebraucht, 2019 dann schon 23 946 und für 2020 sei ein Bedarf von 24 482 Vollzeitstellen zu erwarten, wie das Kultusministerium mitteilte. Ob der gedeckt werden kann, bezweifeln die Kita-Experten: „Erstens kommen jetzt die geburtenschwachen Jahrgänge nach der Wende auf den Ausbildungsmarkt, zweitens werden wieder mehr Kinder geboren, das heißt die Schere geht weiter auf“, sagte Sigrid Winkler-Schwarz von der Diakonie Sachsen.

dpa

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