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Mitteldeutschland Stürme, Dürre, Borkenkäfer – Stress in Sachsens Wäldern
Region Mitteldeutschland Stürme, Dürre, Borkenkäfer – Stress in Sachsens Wäldern
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22:00 02.08.2018
Im Tharandter Wald haben die Winterstürme heftig gewütet. Das Fichtenschadholz liegt zum Abtransport bereit. Bald werden Eichen und Buchen nachgepflanzt. Quelle: Fotos: Winfried Mahr
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Tharandt

„Das sah schlimm aus“, erinnert sich Maik Schumann an die Folgen des Sturmtiefs Friederike in seinem Revier. „Tagelang mussten umgestürzte Bäume von der Straße gesägt werden, ehe das erste Auto wieder durchkam.“ So eine Krise hatte der Leiter des Forstreviers Naundorf im Tharandter Wald in seiner ganzen Laufbahn noch nicht erlebt. Die allerdings gerade erst begonnen hat. Denn der aus Grimma stammende Förster ist nach dem Studium in Dresden und Tharandt seiner Liebsten nach Naundorf gefolgt. Erst vor zwei Jahren hat er das Revier übernommen. „Und dann gleich so ein enormer Schaden. Das hat mir persönlich sehr wehgetan“, erinnert sich der 28-Jährige.

Sachsenweit fielen den Winterstürmen „Herwart“ und „Friederike“ 2,3 Millionen Kubikmeter Holz zum Opfer, das war ein Viertel mehr Schadholz als beim vorangegangenen Sturmtief „Kyrill“ vor elf Jahren. „Zusätzlich machen der Trockenstress und die starke Vermehrung der Borkenkäfer unserem Wald und der Forstwirtschaft mächtig Stress“, sagte Umweltminister Thomas Schmidt (CDU), der sich gestern bei Forstleuten im Tharandter Wald über die Schadensbeseitigung und den Waldumbau informierte. „Der Umbau unserer Wälder in stabile, arten- und strukturreiche, leistungsfähige Mischwälder hat weiter oberste Priorität“, versprach der Minister. Gerade die aktuellen Ereignisse zeigten deutlich, „wie instabil und anfällig die noch häufig vorhandenen Nadelbaumreinbestände gegenüber Witterungsextremen und Schadorganismen sind“.

Brutstätten für Birkenkäfer

Mit dem Bruchholz gibt es nun reichlich Brutstätten für Borkenkäfer. „Welche Dimensionen der Käferbefall schlussendlich erreichen wird, werden wir erst in den kommenden Monaten sagen können“, erklärte Schmidt. Befallenes Holz müsse möglichst schnell aus dem Wald entfernt werden, damit nicht noch mehr Bäume zu Schaden kommen. Borkenkäfer gefährden vor allem Fichten.

„Die bisherige Witterung hat sich außerordentlich förderlich auf die Entwicklung des Buchdruckers und anderer Käferarten ausgewirkt, die in Rinde und Holz brüten“, sagte Kristina Funke vom Staatsbetrieb Sachsenforst. Das geschädigte Holz loszuwerden, sei gar nicht so einfach. „Durch die momentane Holzschwemme sind die Sägewerke satt.“ Zudem versuchen auch private Waldbesitzer, an die nötige Forsttechnik zu kommen und ihr Schadholz zu vermarkten. „Die Chancen dafür verbessern sich beträchtlich, wenn sich Waldbesitzer zusammenschließen“, sagte Annett Jung, Geschäftsführerin der Forstbetriebsgemeinschaft Freiberger Land-Erzgebirge, einem Bündnis von 530 Waldeignern. „Sonst wird man von Forstunternehmen gar nicht ernst genommen.“ Erst etwa jeder vierte Privatwaldbesitzer ist Mitglied einer solchen Gemeinschaft.

Minister Schmidt nutzte die Gelegenheit, um sich bei Forstleuten und Waldbesitzern für ihre Arbeit im und für den Wald zu bedanken. „Försterinnen und Förster sind es, die sich ausgezeichnet im Wald auskennen und sich sowohl bestens als auch dauerhaft um ihn kümmern. Sie müssen die verschiedensten, oft voneinander abweichenden Interessen am Wald so gut wie möglich unter einen Hut bringen“, hob Schmidt hervor.

Wiederaufforstung durch Setzlinge

Auf einer ehemaligen Kahlfläche von 2007 sah er sich die Wiederaufforstung durch natürlichen Wuchs und Setzlinge an. „Dass diese Fläche vor elf Jahren nach dem Orkan ‚Kyrill‘ genauso beklagenswert aussah, wie die aktuellen Schadflächen, ist kaum vorstellbar“, lobte der Minister. „Wo vorher die Fichte den Wald dominiert hat, wächst heute eine Vielzahl von Baumarten.“

Nachhaltiger Waldumbau stehe und falle aber auch mit der Höhe des Wildbestandes, betonte der Minister. „Um zum Beispiel die als Zukunftsbaumart wichtige Tanne vor Verbiss zu schützen, müssen waldverträgliche Wilddichten durch eine ökologisch orientierte Bejagung sichergestellt werden“. Er sei sich sicher, dass „die nächsten Generationen auch in Zukunft die gleichen Ökosystemleistungen des Waldes genießen können wie wir“, so der Minister.

Auch die Landtagsopposition drängt auf mehr Laubbäume in Sachsen. „Der Waldumbau zu standortgerechten Mischwaldbeständen sollte beschleunigt werden“, sagte Wolfram Günther von den Grünen. „Denn Nadelholzmonokulturen sind nicht standortgerecht und zudem bei steigenden Temperaturen besonders waldbrandgefährdet“, so Günther.

„Wir sind dran“, verspricht Revierförster Schumann. Bis zu zwei Drittel der nachwachsenden Bäume seien schon Eichen, Buchen, Eschen, Kastanien und Douglasien. „Zusammen mit den Fichten und Kiefern wird das ein bunter Waldmix für unsere Nachkommen.“

Von Winfried Mahr

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