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Mitteldeutschland Gesellschaftlicher Zusammenhalt: Dresden auf dem letzten Platz
Region Mitteldeutschland Gesellschaftlicher Zusammenhalt: Dresden auf dem letzten Platz
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14:22 11.12.2017
Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist in keinem Bundesland so schlecht wie in Sachsen.  Quelle: dpa
Gütersloh/Dresden

Sachsen hat in der Studie „Sozialer Zusammenhalt in Deutschland 2017“ die geringsten Werte aller Bundesländer erreicht. In der am Montag veröffentlichten Untersuchung der Bertelsmann Stiftung wurden neun Themen abgefragt, darunter das Vertrauen in Mitmenschen und Institutionen, das Gerechtigkeitsempfinden und die Hilfsbereitschaft. Auf einer Skala von Null (minimaler Zusammenhalt) bis 100 (maximaler Zusammenhalt) erreichten die Sachsen einen Index von 57,06 Punkten, der bundesweite Schnitt liegt bei 61,37.

Der geringste gesellschaftliche Zusammenhalt wurde in den Städten Dresden, Bautzen, Görlitz und dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge festgestellt (54,50). Zwickau sowie die Landkreise Vogtland und Erzgebirge liegen nur rund einen Punkt unter dem Bundesdurchschnitt und liegen mit dem Index 60,26 ganz vorn in Sachsen. Leipzig und der Landkreis Nordsachsen weisen mit einem Wert von 58,24 den zweitbesten Wert auf.

Der gesellschaftliche Zusammenhalt unter den Deutschen ist laut der Studie im Saarland am stärksten ausgeprägt (63,07), vor Baden-Württemberg (63,00) und Bayern (62,96). Die ostdeutschen Bundesländer landen allesamt am Schluss der Aufzählung. Berlin (59,43), Mecklenburg-Vorpommern (59,34), Sachsen-Anhalt (58,76), Thüringen (58,63) und Brandenburg (57,71) liegen allerdings noch vor Sachsen.

„Die Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt deutlich, dass es in Sachsen alarmierenden Handlungsbedarf gibt, damit unsere Gesellschaft nicht auseinanderreißt. Neben vielen hilfsbereiten und solidarischen Menschen angesichts der vielen geflüchteten Menschen, die zu uns gekommen sind, haben wir auch blanken Hass und Aggressionen erlebt, die sich sogar gegen Frauen, Kinder sowie Helferinnen und Helfer richtete“, sagt Sachsens Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping (SPD).

„Mir war es wichtig, in dieser Situation Verantwortung zu übernehmen und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. In vielen hunderten Begegnungen traten dabei immer wieder die nicht verarbeiteten Nachwendeerfahrungen zu Tage und die damit einhergehenden Demütigungen, die viele bis heute – unabhängig von ihrer jetzigen wirtschaftlichen und sozialen Stellung – nicht verkraftet haben. Wir müssen die Bedürfnisse der Menschen in Sachsen stärker beachten. Seit drei Jahren steht der gesellschaftliche Zusammenhalt im Mittelpunkt unserer Arbeit.“ 

Sachsen brauche weiterhin eine Verstetigung der Demokratieförderung, die Stärkung der politischen Bildung und eine Politik, die für soziale und ordnungspolitische Sicherheit in Stadt und Land sorgt.

Das Markt- und Sozialforschungsinstitut Infas hat von Januar bis März 2017 rund 5000 Deutsche ab 16 Jahren befragt. Die Telefon-Interviews dauerten im Schnitt eine halbe Stunde.

Von DNN