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Mitteldeutschland Studie zu Gestank im Erzgebirge: Milder Winter erschwert Untersuchung
Region Mitteldeutschland Studie zu Gestank im Erzgebirge: Milder Winter erschwert Untersuchung
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09:28 07.04.2018
Sachsen, Aue: Dunkle Regenwolken hängen über einem Erzgebirgskamm. Die milde Witterung hat dafür gesorgt, dass der «Böhmische Nebel» in diesem Winter nur selten durch das Erzgebirge zog. Für die seit zwei Jahren dort laufende Geruchsstudie war das weniger günstig. Quelle: dpa
Olbernhau/ Dresden

Als gebürtige Erzgebirgerin ist Magda Preißler mit dem „Böhmischen Nebel“ aufgewachsen. Insbesondere in den Wintermonaten stinkt es vielen Menschen am Erzgebirgskamm. Seit Jahrzehnten klagt die Region über einen fiesen Geruch, der an faule Eier erinnert. „Allerdings habe ich selbst lange Zeit keinerlei Beschwerden damit in Verbindung gebracht“, sagt die 36-Jährige. Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit habe sie zwar bemerkt, aber nicht auf den Gestank geschoben.

Erst als sie 2013 Mutter wurde und ihr Sohn im Alter von erst wenigen Monaten seinen ersten Pseudokrupp-Anfall erlitt, fing sie an, sich Gedanken zu machen. Die schlimmsten Anfälle kamen demnach stets bei Südost-Wind. „Wir konnten regelrecht darauf warten.“ Vor allem im Winter 2014/2015, in dem es mehr als 1300 Beschwerden gab.

Die Quelle für den ominösen Gestank wird seit Jahren im nordböhmischen Industrierevier vermutet. Rund um Litvinov gibt es etwa 100 berichtspflichtige Unternehmen, vorrangig der Petrochemie, die 7000 Menschen beschäftigen. Hinzu kommen Zehntausende Arbeitsplätze bei Zulieferern.

Eine breit angelegte Studie soll endlich Aufschluss über den „Böhmischen Nebel“ bringen. Ende März wurde die zweite Wintermesskampagne abgeschlossen, berichtet Karin Bernhardt vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). Das Projekt „OdCom“ - die Abkürzung steht für Objektivierung der Geruchsbeschwerden im sächsisch-tschechischen Grenzgebiet - dokumentiert seit zwei Jahren Geruchsbeschwerden und misst Luftschadstoffe. Zudem sollen erstmals potenzielle Auswirkungen auf die Gesundheit erforscht werden.

Wichtigstes Zwischenergebnis bislang: Trotz aufwendiger Untersuchungen konnten keine Mercaptane oder deren Abbauprodukte nachgewiesen werden. Diese Schwefelverbindungen galten nach ersten Messungen vor zwei Jahren als wahrscheinlichste Ursache des lange Zeit auch als „Katzendreck“ bezeichneten Gestanks. „Dazu muss man aber deutlich sagen, dass es in diesem milden Winter nur sehr wenige starke Geruchsereignisse gegeben hat“, betont die LfULG-Sprecherin. Als stark wird ein Ereignis definiert, wenn sich mindestens zehn betroffene Bürger melden.

Schlecht für die Wissenschaftler, gut für die Betroffenen: Die Geruchsbelastung in diesem Winter sei recht erträglich gewesen, bestätigen auch Magda Preißler und Hartmut Tanneberger. Der 70-Jährige ist Sprecher der Bürgerinitiative „Für saubere Luft im Erzgebirge“, die seit 2002 aktiv ist. Tanneberger lebt in Olbernhau, neben Seiffen, Heidersdorf, Neuhausen und Deutschneudorf eine der am stärksten betroffenen Gemeinden, die nun auch zur aktiven Mithilfe aufgerufen sind.

Eigentlich wollten die an „OdCom“ beteiligten Forscher der TU Dresden Patienten vor Ort beim Arzt nach ihrem Gesundheitszustand befragen, um so Daten aus Patienten- und Medizinersicht zu gewinnen. „Allerdings gestaltete sich die Rekrutierung teilnehmender Arztpraxen sehr schwierig“, sagt Projektverantwortlicher Martin Otto.

Alternativ haben die Wissenschaftler nun mehr als 3600 Fragebögen in die fünf Orte geschickt - mit guter Resonanz. Bereits nach der Hälfte des geplanten Befragungszeitraums habe die Hälfte der Teilnehmer die Fragen beantwortet. Diese Daten sollen nun in den kommenden Monaten zusammen mit einer Telefonumfrage unter 500 Personen ausgewertet werden, um mehr über die gesundheitlichen Belastungen durch den Geruch zu erfahren.

Mit Hilfe von zwei Messstationen in Deutschneudorf und Lom nahe Litvinov untersuchen die sieben deutschen und tschechischen Projektpartner bis Mitte 2019 die Luft auf eine Vielzahl chemischer Stoffe. Zum jetzigen Stand - wobei die ersten Erkenntnisse noch vorläufig sind - habe man keine bedenklichen Konzentrationen von Schadstoffen gemessen, alle gesetzlichen Grenzwerte seien eingehalten, sagt Bernhardt.

Untersucht wurden bislang unter anderem Luftproben und Daten von 192 Geruchsereignissen, die eigens geschulte Geruchstester gesammelt haben. Zwölf davon sind auf sächsischer Seite unterwegs und elf in Tschechien. Der als „Katzendreck“ beschriebene Geruch sei dabei nur sehr selten aufgetreten. 

dpa

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