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Streitthema Wolf: Sachsens Umweltminister Schmidt geht auf den Bund los

Abschuss-Debatte Streitthema Wolf: Sachsens Umweltminister Schmidt geht auf den Bund los

Dem Wolf geht es zunehmend an den Pelz. Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) fordert jetzt den Bund auf, mehr Klarheit im Umgang mit dem Raubtier zu schaffen. Die Länder dürften nicht länger allein gelassen werden, so Schmidt.

Die Stimmen, den Wolf zum Abschuss freizugeben, werden immer lauter.

Quelle: dpa

Dresden. Dem Wolf geht es zunehmend an den Pelz. Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) fordert jetzt den Bund auf, mehr Klarheit im Umgang mit dem Raubtier zu schaffen. Die Länder dürften beim Konflikt zwischen Weidetierhaltung und strengen Wolfsschutz nicht länger allein gelassen werden, so Schmidt.

Anlass für seinen Ärger ist eine gemeinsame Ankündigung der noch amtierenden Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (beide SPD). Diese haben sich für einen härteren Kurs und sogar für den Abschuss ganzer „Problemrudel“ ausgesprochen – in Niedersachsen und unter bestimmten Bedingungen. Hendricks entdecke pünktlich vor der Landtagswahl in Niedersachsen die Dimension des Themas., meint Schmidt. Ein Schelm, wer Böses denke. Der Minister forderte vom Bund endlich Rechtssicherheit. „Ministerin Hendricks muss ihre Aufgaben wahrnehmen.“

Dazu zähle er den Abbau bürokratischer Hürden, um Wölfe fangen zu können, die Förderung von Maßnahmen zum Herdenschutz sowie der Entschädigung bei Tierverlusten. Mehr Förderung sei dringend notwendig, da die Tierhalter mit dauerhaft steigenden Aufwendungen rechnen müssen. Doch statt die Bundesmittel aus der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur im Haushaltsentwurf für 2018 zu erhöhen, sei der Ansatz gekürzt worden, kritisiert Schmidt. Er habe jetzt die Umwelt- beziehungsweise Landwirtschaftsminister von CDU und CSU nach Sachsen eingeladen, um sich über das weitere Vorgehen beim Thema Wolf zu verständigen.

Der sächsische Politiker bekommt mächtig Druck aus den eigenen Reihen. Noch immer hat er nicht über einen Antrag des Bautzener Landrats Michael Harig (CDU) entschieden, der vom Minister Grünes Licht für „den Abschuss von problematischen Wölfen des Rosenthaler Rudels“ verlangt. Laut Landratsamt hat das Rudel seit 2013 bei rund 60 Übergriffen 181 Nutztiere getötet oder verletzt. Zuletzt hätten die Wölfe unter anderem auch einen fünffachen Litzenzaun mit Flatterband überwunden. Somit gehe von ihnen eine konkrete Gefahr für ausreichend gesicherte Nutztierbestände aus. Schmidt zaudert bislang mit einer Entscheidung. Man müsse noch einige offene Fragen klären, hieß es dazu knapp aus dem Ministerium.

Unterdessen häufen sich die Negativmeldungen, dass sich die Großraubtiere immer näher an Städte und Dörfer heranwagen, offenbar die Scheu vor dem Menschen verlieren. So berichten Wolfsexperten, dass sich ihnen in der Oberlausitz Wolfswelpen bis auf wenige Meter genähert hätten und ungewöhnlich zutraulich waren. In Dresden ist ein Wolf in eine Fotofalle getappt. Berichte, wonach sich Wölfe im Dresdner Umland aufhalten, gab es immer wieder. Jetzt liegen dafür schwarz-weiße Beweise vor.

Auch in Thüringen gibt es heftig Streit, denn das Erfurter Umweltministerium denkt über den Abschuss der bislang einzig im Land lebenden Wölfin nach. Sie soll mehrmals Schutzzäune übersprungen und Schafe und Ziegen gerissen haben. Der Naturschutzbund spricht sich dagegen aus. „Aktuell besteht keine erkennbare Gefahr für Leib und Leben von Menschen“, sagt Nabu-Experte Silvester Tamàs. Die Stimmung sei aufgeheizt. Wölfe dürften nur dann geschossen werden, „wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind oder aber Gefahr für den Menschen besteht“. Dies sei aktuell nicht der Fall. Sollte es tatsächlich zu solchen Überlegungen kommen, wäre dies ein Armutszeugnis für den Artenschutz in Thüringen. Dass sich Wölfe wieder im Land ansiedeln dürfen, sei Ausdruck eines modernen gesellschaftlichen Zeitgeistes. Der Schutzstatus dürfe nicht leichtfertig aus lediglich wirtschaftlichen Überlegungen aufs Spiel gesetzt werden.

Aufgeheizt wird die Stimmung auch durch den Tod einer 62-jährigen Britin. Wölfe sollen die Wanderin in Griechenland zerfleischt haben. Davon geht zumindest ein Gerichtsmediziner aus. In mehrstündigen Untersuchungen zusammen mit einem Veterinärexperten sei er zu dem Ergebnis gekommen.Wolfskenner bezweifeln das. Sie vermuten einen Angriff von Hunden. Klarheit sollen DNA-Tests der sterblichen Überreste der Frau bringen. Zudem wird nach DNA-Spuren der Tiere gesucht, die sie gefressen haben. Ergebnisse werden aber erst in etwa 30 bis 40 Tagen erwartet. Selbst das sächsische Lupus-Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Hoyerswerda hat geäußert, in der Sache Hintergründe zu ermitteln. Wie, ließ man noch offen.

Von Andreas Dunte

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