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Mitteldeutschland Streit um einen Affen: Was wird aus Robby?
Region Mitteldeutschland Streit um einen Affen: Was wird aus Robby?
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07:55 02.11.2017
Zirkus-Affe Robby und sein Besitzer Klaus Köhler: Der Schimpanse hat ein neues Hobby – er malt. Um Robby tobt ein heftiger Streit. Er soll in eine Auffangstation für Affen gebracht werden. Quelle: dpa
Celle/Magdeburg

Er ist der letzte Menschenaffe in einem deutschen Zirkus: Um Robby ist seit Längerem ein heftiger Streit entbrannt. Lange Jahre gehörten seine Auftritte – im Anzug auf einem Roller oder als Bällewerfer – zu den Höhepunkten im Programm des kleinen Circus Belly, der häufig wie auch gerade derzeit wieder in Sachsen-Anhalt gastiert. Noch bis kommenden Sonntag hat er in Haldensleben (Landkreis Börde) seine Zelte aufgeschlagen. Tierschutzverbände fordern vehement, die Haltung von Wildtieren im Zirkus ganz und gar zu verbieten. Die Debatte geht auch Robby etwas an. Laut einem Gerichtsurteil ist seine Haltung ohne Artgenossen tierschutzwidrig. Seit Ende 2015 darf der Zirkus den Affen nicht mehr zur Schau stellen, wie der Landkreis Celle (Niedersachsen) anordnete, in dem Belly beheimatet ist. Zurzeit lebt Robby hinter den Kulissen. Sein neuestes Hobby: Malen.

Der Schimpanse soll dem Urteil des Verwaltungsgerichts Lüneburg zufolge wieder an Artgenossen gewöhnt werden, doch sein Besitzer Klaus Köhler stellte im Frühjahr einen Antrag auf Berufung. Bis darüber entschieden worden ist, kann der rund 46 Jahre alte Schimpansen-Opa im Circus Belly bleiben. Die Bremer Wildtierärztin Alexandra Dörnath kämpft dafür, dass der auf den Menschen fehlgeprägte Affe weiter bei der Familie leben darf, in die er vor mehr als vier Jahrzehnten kam. Die Veterinärin macht das freiwillig, sie ist nicht als Gutachterin beauftragt worden. „Wir beschäftigen uns aber vier Stunden am Tag mit ihm“, betont Zirkusdirektor Köhler. Er ist die engste Bezugsperson des Schimpansen-Greises, der laut Köhler gern mit Hund Ted spielt oder sich Bilderbücher anschaut. Tierärztin Dörnath kaufte Robby kürzlich eine Staffelei, Farben, Stifte und Pinsel, um dem Affen eine weitere Beschäftigungsmöglichkeit zu bieten. Etwa 10 bis 15 Minuten malt Robby konzentriert, berichtet Dörnath. Danach verliere er ähnlich wie ein dreijähriges Kind das Interesse. Die Exoten-Spezialistin, die ihre Doktorarbeit über die medikamentöse Ruhigstellung von Gorillas in Zoos schrieb, hat Robby zwölf Tage lang beobachtet. Anders als der vom Verwaltungsgericht beauftragte Gutachter glaubt sie nicht, dass Robby in seinem hohen Alter in einer Affengruppe Anschluss finden kann. „Robby leidet auch nicht, es geht ihm gut.“

Es gibt auch eine gegensätzliche Medizinermeinung. Laut Gutachten des Wildtierarztes Pierre Grothmann kann Robby typische Verhaltensweisen – etwa seine Sexualität – nicht ausleben. Das Schimpansenmännchen habe eine schwerwiegende Verhaltensstörung, stellte er fest, und das Gericht folgte ihm in dieser Einschätzung. Robby soll deshalb in die niederländische Auffangstation AAP umziehen, die auf die Resozialisierung von Affen in schlechter Haltung spezialisiert ist. Der Zoo Leipzig, der eine einzigartige Menschenaffen-Anlage hat, wollte sich aus der Entfernung nicht zum Fall Robby äußern. In Zoos werden Schimpansen in der Regel maximal 50 Jahre alt.

Von Christina Sticht

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