Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 14 ° Gewitter

Navigation:
Google+
Straftäter werden immer öfter mit genetischem Fingerabdruck gesucht

DNA-Analytik Straftäter werden immer öfter mit genetischem Fingerabdruck gesucht

Bei ihren Ermittlungen zu Straftätern greifen Kriminalisten immer häufiger auf DNA-Spuren zurück. „Der Arbeitsanfall ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen“, sagte der Chef der DNA-Analytik des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen, Ralf Nixdorf.

Voriger Artikel
Tag der Abrechnung? Merkel stellt sich in Dresden dem Parteinachwuchs
Nächster Artikel
Tillich: Keine „Stoppschilder“ bei konservativen Positionen

Bei ihren Ermittlungen zu Straftätern greifen Kriminalisten immer häufiger auf DNA-Spuren zurück

Quelle: dpa

Dresden. Täterspuren aus dem Labor: Immer öfter bauen Kriminalisten auf die Analyse menschlicher DNA, die am Tatort gesichert wurde. „Der Arbeitsanfall ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen und er steigt immer weiter“, sagte der Chef der DNA-Analytik des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen, Ralf Nixdorf. „Der genetische Fingerabdruck als Beweismittel ist bei Polizei und Gerichten sehr beliebt.“ Menschen könnten damit eindeutig identifiziert werden.

Laut Nixdorf werden in Sachsen jährlich mehr als 60 000 DNA-Spuren analysiert. Allein im Labor des LKA seien es 20 000 bis 30 000. Weitere Analysen werden in gerichtsmedizinischen Instituten und privaten Labors vorgenommen. Durchschnittlich entfielen zehn Proben auf einen Kriminalfall.

Mehr als 19.000 Straftäter registriert

Nach eigenen Angaben hat die zentrale DNA-Erfassungsstelle des LKA den genetischen Fingerabdruck von etwa 19 200 Straftätern in der DNA-Analysedatei des Bundeskriminalamtes registriert. Dort sind insgesamt rund 870 000 Datensätze von Menschen aus ganz Deutschland gespeichert. Die Daten des LKA enthalten weitere rund 17 200 DNA-Spuren aus Kriminalfällen, die noch niemandem zugeordnet werden konnten. Die Verursacher sind bislang unbekannt.

Beim Datenschutzbeauftragten gibt es deswegen keine Bedenken. Er sehe hier keine Probleme, sagte Bernhard Bannasch von der Behörde. Die gesetzlichen Grundlagen und Vorgaben seien da und es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass diese durch Staatsanwaltschaften und Polizei nicht eingehalten würden.

Methoden werden immer besser

Die Methoden der forensischen DNA-Analyse werden zunehmend besser. „Früher wurde immer etwas Speichel, Blut, Sperma oder Hautgewebe für eine DNA-Analyse gebraucht. Jetzt ist der einfache Hautkontakt etwa an einer Türklinke, des Ohres am Telefonhörer oder auch schon Speichel aus einem Hustenanfall ausreichend“, erläuterte Nixdorf. Die einzige Chance eines Täters am Tatort keine DNA-Spuren zu hinterlassen: „Er darf sich nicht bewegen und sollte das Atmen einstellen.“

Während der Flüchtlingskrise 2015 sorgte der Tod des 20-jährigen Eritreers Khaled in Dresden für Empörung, denn zunächst war eine fremdenfeindliche Tat vermutet worden. Doch die Ermittler fanden DNA von Täter und Opfer an einem Messer, das schon lange Zeit im Wasser gelegen hatte. „Wir waren selbst überrascht, dort noch derart gute Spuren zu finden“, berichtete Nixdorf. Diese führten zum Täter - einem Landsmann und Mitflüchtling. Zwischen den Männern hatte es Streit und dann eine tätliche Auseinandersetzung gegeben, bei Khaled tödlich verletzt wurde.

Methode birgt auch Probleme

Allerdings sind die verfeinerten DNA-Analysemethoden für die Kriminalisten auch nicht ganz unproblematisch. Nixdorf: „Es ist möglich, dass etwa mit der Kleidung von Menschen, gegen die ermittelt wird, auch die DNA Unbeteiligter an den Tatort gelangt und ausgewertet wird.“ Als prominentes Beispiel nannte er den Fall des NSU-Rechtsterroristen Uwe Bönhardt, dessen DNA am Fundort der neunjährigen Peggy aus Thüringen gefunden wurde.

Das hatte damals Spekulationen ausgelöst. Das Mädchen war 2001 nicht von der Schule heimgekehrt, 2016 wurde ihr Skelett gefunden. Bei der Analyse verwendeten die Ermittler offensichtlich dasselbe Werkzeug wie einst bei Bönhardt. Möglicherweise war es ein Zollstock, der noch Bönhardts DNA aufwies.

DNA ist zudem sehr dauerhaft. Auch schon länger zurückliegende Kriminalfälle können so möglicherweise noch aufgeklärt werden. Als ein Beispiel gilt der Fall eines Frührentners aus Gera, der im September wegen eines Mordes verurteilt wurde, den er 30 Jahre zuvor bei Zwickau an der damals 18 Jahre alten Heike Wunderlich begangen haben soll.

Das Gericht war unter anderem wegen einer DNA-Spur des Angeklagten überzeugt, dass er die Frau einst vergewaltigte und dann erdrosselte, um die Tat zu verschleiern. Auch im Fall der 2015 aus Klipphausen bei Meißen entführten und getöteten 17-jährigen Schülerin Anneli-Marie hatte unter anderem eine DNA-Spur an ihrem Fahrrad die Polizei zu einem der zwei Täter geführt.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Mitteldeutschland
  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr