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Mitteldeutschland Skrupellose Schlepper: Polizei stellt mehr gefälschte Dokumente sicher
Region Mitteldeutschland Skrupellose Schlepper: Polizei stellt mehr gefälschte Dokumente sicher
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23:00 23.08.2017
Die Polizei stellt mehr gefälschte Dokumente sicher. (Symbolbild) Quelle: LVZ
Leipzig

Um Ausländer illegal nach Mitteldeutschland zu bringen, gehen Schleuser immer raffinierter und skrupelloser vor. Die Zahl der bei der illegalen Einreise aufgegriffenen Flüchtlinge sei zwar rückläufig, sagt Markus Pfau, Leiter der für Mitteldeutschland zuständigen Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung. „Aber wir gehen von einer sehr hohen Dunkelziffer aus, weil die Schlepper sich und ihre Dienstleistungen erheblich professionalisiert haben.“ Insbesondere betreffe das das Fälschen von Dokumenten jedweder Art. Zudem würden Flüchtlinge immer häufiger in menschenunwürdigen Verstecken über die Grenze gebracht.

Im ersten Halbjahr dieses Jahres griff die Bundespolizei 1645 illegal eingereiste Flüchtlinge und 76 Schleuser auf. In den ersten sechs Monaten des Vorjahres waren es 3102 Geschleuste und 89 Schlepper. Organisiert werden die Aktionen vorwiegend von Rumänen, Polen und Moldawiern. Die Flüchtlinge kommen zumeist aus Russland, Syrien, Afghanistan, Serbien und der Ukraine.

Deutlich gestiegen ist im selben Zeitraum die Zahl der an der Grenze entdeckten gefälschten Dokumente: Im ersten Halbjahr 2016 zogen die Beamten 26 und in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 82 Papiere ein. Nicht mitgerechnet Papiere, die bei Inlandskontrollen eingezogen wurden.

Gefälscht werden Reisepässe, Geburtsurkunden, Registerauszüge oder Dienstausweise. „Einige ändern nur das Geburtsdatum, um als minderjährig zu gelten. Andere nutzen gefälschte Papiere, um sich etwa als Syrer auszugeben – denn Asylanträge aus diesem Land haben bessere Erfolgsaussichten“, sagt Pfau, dessen Behörde in Halle und Dresden sitzt. Gefälscht würden auch Religionsbescheinigungen, so wollten Migranten einen Glaubenswechsel beweisen, aufgrund dessen sie in ihrem Land verfolgt worden seien. Bei der Prüfung der Dokumente kann Pfau auf Mitarbeiter mit langer grenzpolizeilicher Erfahrung zurückgreifen, die sich, wie er sagt, „bestens mit Mikroskopen, UV-Licht und sonstiger spezieller Prüftechnik auskennen“.

„Wir beobachten auch, dass Ausländer, deren Asylantrag abgelehnt wurde, mit anderer Identität versuchen im Land zu bleiben und sich dafür gefälschte Papiere besorgen“, so Pfau. Ein kompletter Satz illegal besorgter Papiere wie Pass, Fahrerlaubnis und Bescheinigung der Krankenkasse koste auf dem Schwarzmarkt zwischen 1000 und 5000 Euro.

Beobachtet haben die Beamten zudem den Missbrauch von in den Herkunftsstaaten bei Botschaften und Konsulaten erschlichenen Visa etwa für touristische Reisen oder Studienzwecke. „Wir registrieren immer häufiger, dass die so nach Deutschland Eingereisten hier nicht studieren oder ihren Urlaub verbringen wollen, sondern Asyl beantragen oder untertauchen.“

Immer erfindungsreicher und zudem skrupelloser werden Schleuser beim Verstecken der Flüchtlinge in Lkw, Kleintransportern und Güterzügen. Die Flüchtlinge legen sich zum Teil auf die Dächer von Containern oder kriechen in Zwischenräume unter Lkw-Auflegern. „Fast jeder Hohlraum wird genutzt – ohne Rücksicht auf Leib und Leben der Menschen“, sagt Pfau. Erst vor wenigen Tagen nahm die Polizei in Dresden einen 49-jährigen Lkw-Fahrer fest, der 14 Flüchtlinge im Laderaum seines 40-Tonners hinter Alufelgen versteckt hatte. Sie waren stundenlang ohne Versorgung, Halt und Pause bei brütender Hitze eingepfercht gewesen.

Pfau rechnet damit, dass die illegale Migration nach Deutschland in den kommenden Wochen und Monaten zunehmen wird. Allein ist er mit dieser Vermutung nicht. Wie das Gemeinsame Analyse- und Strategiezentrum illegale Migration (GASIM) mitteilt, gebe es mehrere Indikatoren für einen Anstieg in der zweiten Jahreshälfte. Hintergrund dieser Einschätzung sind die Überfahrten über das Mittelmeer, das Erreichen der Kapazitätsgrenze in Italien und schärfere Asylregeln in den skandinavischen Ländern.

Andreas Dunte

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