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Mitteldeutschland Schnelles Internet an den Schulen: Sachsen liegt weit zurück
Region Mitteldeutschland Schnelles Internet an den Schulen: Sachsen liegt weit zurück
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22:00 23.11.2018
In mitteldeutschen Schulen ist der digitale Unterricht vielerorts noch Zukunftsmusik – weil entsprechende Internetverbindungen fehlen. Quelle: Foto: dpa
Leipzig

Kriechspur statt Datenautobahn: Viele Schulen in den drei mitteldeutschen Bundesländern verfügen nur über ungenügende Internetanschlüsse – obwohl die Kinder und Jugendlichen besser im Umgang mit modernen Medien ausgebildet werden sollen.

Laut einer Studie des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gelten in Sachsen 43,5 Prozent der Schulen als unterversorgt, in Thüringen sind es 37,4 Prozent und in Sachsen-Anhalt 53,6 Prozent. Das geht jetzt aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor.

In Sachsen ist die Situation an Berufsschulen besonders gravierend: Hier erfüllt nicht einmal jede zweite Einrichtung (Unterversorgung: 53,8 Prozent) die heutzutage erforderlichen Mindeststandards. An Oberschulen sieht es kaum besser aus: Hier haben 42,4 Prozent keine einigermaßen schnellen Internetanschlüsse und liegen damit auf dem Niveau von Grundschulen. Gymnasien weisen zwar die besten Werte auf, liegen aber im Bundesvergleich ebenfalls weit zurück (Unterversorgung: 36,9 Prozent). Insgesamt 1523 sächsische Schulen wurden in der Bundesstudie bewertet.

In Thüringen waren es 1009, von denen Berufsschulen, Förderschulen und Gymnasien mit die beste Internetabdeckung vorweisen – und teilweise deutlich vor Sachsen liegen. Laut der Studie gilt eine Schule als unterversorgt, wenn Übertragungsraten von nicht einmal 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) bereitgestellt werden.

„Der Anschluss von Schulen an das Breitbandnetz ist eine zentrale Voraussetzung für die Realisierung digitaler Bildungsangebote. Umso besorgniserregender ist es, dass viele Schulen in Mitteldeutschland bis heute über keinen ausreichenden Breitbandanschluss verfügen“, kritisiert der FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst aus Sachsen, der auch Obmann der Liberalen im Bundestagsausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur ist.

Die Unterversorgung bei Schulen sei „völlig inakzeptabel“ und lasse sich nicht mit dem Anspruch „als Bildungs- und Industrienation“ vereinbaren. Außerdem, so Herbst, würden die zur Verfügung stehenden Gelder wegen überbordender Bürokratie nur äußerst zäh abfließen.

Steffen Bilger (CDU), der zuständige Parlamentarische Staatssekretär, hält entgegen: In Sachsen seien immerhin 556 und in Thüringen 688 Schulen im Rahmen der Offensive „Digitales Klassenzimmer“ in Förderprojekte aufgenommen worden – in der Zukunft würden „diese Schulen von einer direkten Glasfaserverbindung profitieren“.

Doch auch das sächsische Kultusministerium ist mit der Situation nicht zufrieden. Gleichzeitig verweist Ministeriumssprecher Dirk Reelfs auf einen BMVI-Sonderaufruf vom 16. November, der speziell für Schulen und Krankenhäuser gilt: „Davon erwarten wir uns einen erheblichen neuen Impuls – es können weitere Lücken geschlossen werden.“

Grundsätzlich sollten so alle noch unversorgten Schulen erfasst werden können, erklärt Reelfs. „Dennoch prüft Sachsen den Bedarf für eine noch notwendige ergänzende Landesförderung.“

Außerdem erwartet Sachsen den Abschluss der Bund-Länder-Vereinbarung zum Digital-Pakt Schule noch in diesem Jahr: „Daraus könnten dann ab 2019 zum Beispiel Vernetzungen, interaktive Tafeln, Wlan und digitale Lernplattformen gefördert werden“, hofft der Ministeriumssprecher.

Dafür wurden am Freitag wichtige Weichen gestellt. Der Bund soll Länder und Kommunen künftig besser in Sachen Bildung unterstützen dürfen. Das sieht ein Kompromiss der Großen Koalition mit FDP und Grünen für die Digitalisierung der Schulen vor. Eine entsprechende Grundgesetzänderung soll bald kommen, damit der Digitalpakt zwischen Bund und Ländern Realität werden kann.

Geplant ist, dass der Bund innerhalb von fünf Jahren fünf Milliarden Euro für die Digitalisierung an den Schulen zur Verfügung stellt – 3,5 Milliarden davon in dieser Legislaturperiode. Eine Verwaltungs­vereinbarung von Bund und Ländern sieht vor, dass Schulen je bis zu 25 000 Euro für Laptops und Tablets

Von Andreas Debski

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