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Mitteldeutschland Sächsische Verbraucher werden noch immer aufgefordert zu zahlen
Region Mitteldeutschland Sächsische Verbraucher werden noch immer aufgefordert zu zahlen
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20:13 09.04.2019
Der Geschädigte Matthias Mizera kämpft für das Recht vieler Kunden von Care Energy. Quelle: Matthias Mizera
Niederwürschnitz

2017 ging das Stromversorgungsunternehmen Care Energy insolvent. Heute - zwei Jahre später - werden Kunden noch immer von verschiedenen Inkassofirmen dazu aufgefordert zu zahlen. Auch viele Geschädigte aus Sachsen sind unter ihnen. Einer davon ist Matthias Mizera aus Niederwürschnitz im Erzgebirge. Er kämpfe für Gerechtigkeit, sagt der 65-Jährige.

Auf Empfehlung einer Freundin wurde Mizera 2013 Kunde bei Care Energy. Der Tarif sei günstig gewesen und zu Anfang konnte er sich nicht beklagen. Drei Jahre nach Vertragsabschluss folgten nach seinen Angaben, die ersten Unstimmigkeiten. Abrechnungen sollen nicht mehr mit dem Vertrag übereingestimmt haben. „Im Juni 2016 kündigte das Unternehmen ohne Vorwarnung den Vertrag“, erzählt Mizera.

Daraufhin habe er Kontakt über E-Mail zu dem damaligen Geschäftsführer der Firma, Martin Richard Kristek, aufgenommen. Ein Rechtsstreit entfachte sich zwischen dem ehemaligen Kunden und der Firma. Das führte dazu, dass Mizera sich Hilfe in der Facebook-Gruppe „Care Energy Betroffene und Erfahrungen“ gesucht hat.

Heute ist der Diplom-Ingenieur selbst im Administratorenteam der Gruppe. Zusammen mit anderen Geschädigten stehe er nun ehemaligen Kunden beiseite, die ratlos vor den Forderungen des Insolvenzverwalters stehen. Über 4000 Mitglieder zählt die Gruppe der Plattform nun schon.

Auch die Verbraucherzentrale Sachsen berichtet von 70 Fällen, die sie 2018 zur Care Energy Gruppe – zu der auch die United Power & Gas gehört – bearbeitet habe. In den Jahren davor habe es noch mehr Fälle gegeben. „Teilweise gab es einen richtigen Ansturm in unserer Beratung“, berichtet Katja Henschler, Referatsleiterin der Verbraucherzentrale Sachsen.

„Vielfach bestehen Zweifel an der Richtigkeit der Forderung des Insolvenzverwalters. Das liegt insbesondere daran, dass schon vor der Insolvenz die Jahresabrechnungen des Unternehmens nicht korrekt waren“, erklärt Henschler. In vielen Fällen fordere die Verbraucherzentrale deshalb zunächst eine korrekte Abrechnung, die erst einmal vorgelegt werden müsste.

Weiterhin rieten die Verbraucherschützer den Betroffenen dazu die Forderungen gründlich zu überprüfen. Sollten die ehemaligen Kunden überhaupt Zahlungen leisten, seien diese nur an den Insolvenzverwalter oder an ein in seinem Namen tätiges Inkassobüro zu zahlen. Dazu ließen sich Informationen auf der Homepage des Insolvenzverwalters finden.

Laut Mizera habe es Forderungen gegeben, obwohl diese bereits verjährt waren. 500 Mitglieder der Facebook-Gruppe sollen zu ihrem Recht gekommen sein, da diese Einspruch wegen Verjährung erhoben haben. „Ob Forderungen verjährt sind, kann nicht pauschal gesagt werden. Vielmehr ist eine Prüfung in jedem Einzelfall notwendig“, erklärt Henschler.

Und was sagt die Inkassofirma zu dem Thema? Auf LVZ-Anfrage, ob sich EWD dazu äußern wolle, kam keine Rückmeldung.

Von Nicole Grziwa

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