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Sächsische Metaller machen mit Warnstreik-Welle Druck

Für mehr Lohn Sächsische Metaller machen mit Warnstreik-Welle Druck

Thomas Arnold verstand es, die Stimmung anzuheizen. „Es gibt nichts Schlimmeres, wenn ihr einen heißen Arbeitskampf führt und dabei friert. Esst und trinkt erst einmal etwas Warmes“, forderte der Leipziger IG-Metall-Sekretär die 450 Gießereibeschäftigten aus der Region zu Beginn des ersten sächsischen Warnstreiks in der diesjährigen Tarifrunde auf.

Metaller machen lautstark Druck für ihre Tarifforderungen vor den Toren der Gießerei Georg-Fischer in Leipzig.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig/Dresden/Erfurt. Thomas Arnold verstand es, die Stimmung anzuheizen. „Es gibt nichts Schlimmeres, wenn ihr einen heißen Arbeitskampf führt und dabei friert. Esst und trinkt erst einmal etwas Warmes“, forderte der Leipziger IG-Metall-Sekretär gestern die 450 Gießereibeschäftigten aus der Region zu Beginn des ersten sächsischen Warnstreiks in der diesjährigen Tarifrunde auf.

Nicht nur hier wurde gestern die Arbeit niedergelegt, um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Beim Motorenwerk von Volkswagen Sachsen in Chemnitz gingen ebenso Mitarbeiter auf die Straße, für den Abend hatten dies auch Beschäftigte des Autozulieferers GKN Driveline in Zwickau geplant. In Thüringen waren das Rudolstädter Werk des Siemens-Konzerns betroffen, der Bosch-Standort in Eisenach und der Autozulieferer Borg Warner in Arnstadt.

Vor den Toren der Leipziger Gießerei Georg Fischer kamen Mitarbeiter bei frostigem Ostwind zusammen, um ihren Forderungen nach mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen Nachdruck zu verleihen. Und dies taten sie mit lautstarken Rufen, roten Trillerpfeifen und wehenden rot-gelb-schwarzen Gewerkschaftsfahnen. Unterstützt wurden sie dabei von Mitarbeitern der Gießereien Neue Halberg Guss Leipzig, den beiden Rackwitzer Firmen Hydro Aluminium Gießerei und Hydro Extrusion Deutschland. Erstmals bekundeten auch Beschäftigte des Stahl- und Hartgusswerks Bösdorf (SHB) ihre Solidarität mit den Warnstreikenden.

„Sechs Prozent mehr Lohn zu fordern – das klingt zunächst recht viel, aber wir haben uns das verdient“, rief Arnold den Metallern zu und erntete dafür Zustimmung. Immerhin fresse allein die Inflation von zwei Prozent ein Stück davon wieder weg. Zudem sei in der Metallbranche die Arbeitsproduktivität um 1,5 Prozent gestiegen. Daher sei das Angebot der Arbeitgeber von zwei Prozent mehr Lohn und einer Einmalzahlung von 200 Euro für die Monate Januar bis März lächerlich, so der Arbeitnehmervertreter. Die Versammelten quittierten dies mit Pfiffen.

Die Gewerkschaft strebt auch eine Angleichung der Arbeitszeit auf das Westniveau und bessere Bedingungen für die Beschäftigen an – die „kurze Vollzeit“. Dabei sollen einzelne Mitarbeiter ihre Wochenarbeitszeit von 38 Stunden auf bis zu 28 Stunden reduzieren dürfen. „In besonderen Lebenssituationen, etwa zur Pflege älterer Familienangehöriger oder zur Kindererziehung, muss dies über einen begrenzten Zeitraum ermöglicht werden“, betonte Arnold. Verbunden mit dem Recht, anschließend wieder in die Vollzeit zu wechseln.

„Sollte dies kommen, werden bei uns wahrscheinlich nicht viele Kollegen davon Gebrauch machen“, sagte Gerhard Herschel. Der Betriebsratsvorsitzende bei Georg Fischer, der diese Funktion seit zwölf Jahren ausübt und seit 30 Jahren in der Gießerei arbeitet, begründete das ganz einfach: „Die damit verbundenen Lohneinbußen – trotz möglicher Ausgleichszahlungen – werden wohl den meisten zu happig sein.“ Dennoch sei dies ein „innovativer Vorschlag“, meinte Leipzigs DGB-Chef Erik Wolf.

Wenngleich die geforderten sechs Prozent am Ende „sicher einem Kompromiss weichen werden – das ist ja immer so“, wie Herschel betonte, findet Roland Laqua es positiv, sich hohe Ziele zu stecken. „Bei uns im SHB sind wir weit vom Metall-Flächentarif entfernt“, erklärte er, der seit 1984 im Betrieb ist. Zwar stünden derzeit keine Verhandlungen über den Haustarif an, aber „wir zeigen uns solidarisch mit den Gießerei-Kollegen“.

Die Arbeitgeber reagierten gestern erneut verärgert über die Warnstreiks. Bereits Mitte Dezember hatte der sächsische Branchenverband VSME sein Unverständnis geäußert, nachdem das Arbeitgeberangebot „bei der IG Metall keine Akzeptanz gefunden“ hatte.

Die Warnstreiks werden heute fortgesetzt. Dazu aufgerufen sind diesmal die Maschinenbauer der Leipziger Standorte von Kirow Ardelt, Schaudt Mikrosa und der Heiterblick GmbH. Im sachsen-anhaltischen Wernigerode wollen sich Mitarbeiter der KSM Castings Group vor den Werktoren versammeln.

In Deutschlands Metall- und Elektroindustrie sind 3,9 Millionen Menschen tätig. Die IG Metall vertritt in Berlin-Brandenburg-Sachsen 270 000 Beschäftigte, darunter 170 000 in Sachsen.

Von Ulrich Langer

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