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Sächsische Landeskirche vor „finanziellem Niedergang“

Herbsttagung der Synode Sächsische Landeskirche vor „finanziellem Niedergang“

Die evangelische Landeskirche Sachsens steht finanziell an einem Wendepunkt. „Der lange erwartete und befürchtete dauerhafte finanzielle Niedergang beginnt sich zu zeigen“, sagte der zuständige Dezernent im Landeskirchenamt.

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Die evangelische Landeskirche Sachsens steht finanziell an einem Wendepunkt.

Quelle: Archiv

Dresden. Markante Einbußen bei der Kirchensteuer im Zuge der demografischen Entwicklung und auch beim Finanzausgleich - die evangelische Landeskirche Sachsens steht vor unruhigen Zeiten. Bei ihren Finanzen ist sie nach Angaben des zuständigen Dezernenten im Landeskirchenamt, Michael Klatt, am einem Wendepunkt. „Der lange erwartete und befürchtete dauerhafte finanzielle Niedergang beginnt sich zu zeigen“, sagte er am Freitag zum Auftakt der Herbsttagung der Synode in Dresden. Schon für dieses Jahr wird mit 1,5 Millionen Euro Defizit gerechnet, das aus Rücklagen ausgeglichen werden muss.

Sollte die gute Konjunktur anhalten und die Tarif- und Steuerpolitik günstig bleiben, werde sich die Finanzlage nur langsam und moderat verschlechtern. „Wenn sich das ändert, bekommen wir massive finanzielle Probleme“, sagte Klatt. Der Etatentwurf für 2018, über den das Kirchenparlament bis Montag berät, sieht ein Volumen von 218 Millionen Euro vor. Damit ist erstmals seit Jahren eine Verringerung der Ausgaben geplant - um 7 Millionen Euro. Allerdings gab es 2017 auch Sonderausgaben für das Reformationsjubiläum und den Aufbau des Landeskirchenarchivs.

Laut Klatt muss sich die Landeskirche auf geringere Einnahmen aus der Kirchensteuer sowie aus dem Finanzausgleich der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) einstellen. „Bisher merken wir von der Halbierung der Mitglieder seit 1991 nichts, aber irgendwann kommt das an, wenn es weniger Menschen im Zahlalter gibt.“ Die Finanzentwicklung folge 25 bis 30 Jahre später. Aktuell fielen mit den Geburtsjahrgängen 1950 bis 1952 fast 8500 Kirchensteuerzahler mit dem Berufsende aus, mit den 1991 bis 1993 Geborenen kämen nicht mal 2000 nach, verdeutlichte Klatt die Brisanz.

Hinzu kämen die Mitgliederverluste durch Austritte und Tod. 2017 stehen bisher 5239 Austritte 5100 Taufen und Aufnahmen gegenüber, dazu knapp 12 000 Gestorbene. „Durch die demografische Entwicklung verlieren wir pro Jahr 10 000 bis 12 000 Mitglieder.“ Aktuell gehören der Landeskirche gut 700 000 Mitglieder an.

Der Eintritt der halbierten Geburtsjahrgänge ins Berufsleben verschärfe die Lage, erläuterte Klatt. Bis 2040 werde sich die Mitgliederzahl laut Prognosen um etwa 40 Prozent verringern. In vielen der 18 Kirchenbezirke werde sich die Zahl sogar fast oder noch mehr als halbieren - mit Ausnahme von Leipzig und Dresden.

Nach Angaben von Synodalpräsident Otto Guse wird es dann nur noch 320 Pfarrstellen geben - 230 weniger als derzeit. Er sieht die Gemeinden bei der Finanzierung ihrer Arbeit künftig selbst mehr in der Pflicht. So hätten Förderkreise die Kraft, institutionell zu fördern und Spenden für Vorhaben zu sammeln. „Das ist auch eine große Chance.“

dpa

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