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Mitteldeutschland Sächsische Jungwinzer punkten mit Kreationen aus dem Elbtal
Region Mitteldeutschland Sächsische Jungwinzer punkten mit Kreationen aus dem Elbtal
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14:34 22.04.2017
Sekt ist für Hendrik Weber Leidenschaft und Berufung zugleich Quelle: Lars Müller
Meißen/Sörnewitz

 Sächsischer Wein und Sekt sind außerhalb des Elbtals nahezu unbekannt. In der „großen Weinwelt“ spielen sie gar keine Rolle – bisher. Das könnte sich demnächst ändern. Nach Jahren der Stagnation sind nun Jungwinzer am Start, die einen Imagewandel beflügeln. Matthias Schuh und Hendrik Weber – beide 29 Jahre alt – sind Vorreiter der neuen Generation, die mit ihren Kreationen außerhalb des beschaulichen Anbaugebietes mit seinen gerade einmal knapp 500 Hektar Rebfläche für Aufmerksamkeit sorgen.

Winzer und Weinbautechniker Schuh hat gemeinsam mit seiner Schwester Katharina Pollmer 2016 das elterliche Weingut in Sörnewitz übernommen. Winzer und Oenologe Weber, der hauptberuflich Kellermeister im Weingut Matyas in Coswig ist, brachte Ende 2016 die ersten Sekte seiner eigenen Sektmanufaktur „Perlgut“ in Meißen auf den Markt. Beide Winzer haben dasselbe Ziel: Ihre Produkte sollen die Besonderheit der Region, das einzigartige Terroir ihrer Weinberge und das Klima des jeweiligen Jahrgangs widerspiegeln und bloß keine beliebige Massenware sein.

„Guter Wein wird im Weinberg gemacht, nicht im Keller“, betont Schuh, den ein Dresdner Sommelier unlängst als „Senkrechtstarter“ betitelte und ein Weinmagazin zu den Top-25-Nachwuchswinzern Deutschlands zählt. „Ich mache möglichst wenig an den Weinen im Keller, will den Produktionsprozess entschleunigen und den Weinen genug Zeit auf der Hefe bis zur optimalen Genussreife lassen“, so Schuh, der bereits 2012 als Europas bester Jungwinzer in einem Berufswettbewerb der Weinbauschulen dem sächsischen Anbaugebiet überregionale Aufmerksamkeit bescherte und seither ziemlich selbstbewusst sein Ziel verfolgt: das Familienweingut als Spitzenbetrieb etablieren. Seine Weinberge bewirtschaftet er nachhaltig, wenngleich er sich vom Experiment der Bio-Zertifizierung wegen der Bürokratie wieder verabschiedet hat. Organischer Dünger und Pflanzenschutz werden unter ökologischen Gesichtspunkten angewendet – „und nur in der Menge, die wirklich notwendig ist“, betont Schuh. Dafür habe er schließlich seinen Beruf gelernt – in Franken, Neuseeland und Frankreich. Auch Energieeffizienz im Betrieb und eine angemessene Bezahlung seiner Mitarbeiter und Saisonkräfte sind ihm wichtig.

Schuh hat einen solide wirtschaftenden Fünf-Hektar-Betrieb übernommen, muss nun aber den Spagat zwischen der Tradition des 1990 gegründeten Weinguts mit den Stammkunden und seiner persönlichen Philosophie mit ganz individuellen Weinstilen meistern.

Von der Mentalität her könnten der in Trier geborene Schuh, der seit seiner Einschulung in Sachsen lebt, und Weber, der nahe Riesa aufgewachsen ist, unterschiedlicher kaum sein. Schuh präsentiert seine Weine offensiv und bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Weber ist deutlich zurückhaltender. Schuh ist im Weingut aufgewachsen, Weber kam erst nach dem Abitur als Winzerazubi zum Wein. Eines eint aber beide: die Leidenschaft für ihr Handwerk und ihre Produkte.

Hendrik Weber agierte als Kellermeister im Weingut Matyas die vergangenen Jahre eher im Hintergrund, galt als Geheimtipp. Die Weine, denen er merklich seine Handschrift verlieh, rangen vielen Branchenkennern Lob ab. Mit dem Start seiner eigenen Sektmanufaktur fand er sich plötzlich im Rampenlicht wieder. „Ich hatte schon lange den Traum, eigene Sekte zu machen“, erinnert sich Weber, der in einem sächsischen Weingut gelernt und in der renommierten Hochschule Geisenheim studiert hat. Während seines Studiums hat er hinter die Kulissen namhafter Sektkellereien geschaut. Zurück in Sachsen baute er seine Manufaktur von null auf, bekam dabei Unterstützung von seinen Arbeitgebern im Weingut Matyas, denen er weiter treu bleibt.

Rund zwei Hektar Weinberge bewirtschaftet Weber inzwischen – naturnah, alle allein und überwiegend in Handarbeit. Viel Freizeit bleibt ihm in der jetzigen Aufbauphase freilich nicht. Er sieht sich der gut 180-jährigen Tradition sächsischer Sektproduktion verpflichtet. „Ich finde, Sachsen kann durchaus noch einige gute Sekte vertragen“, sagt er selbstbewusst. Und die Region sei mit ihrem vergleichsweise kühlen Klima geradezu optimal für die Sektherstellung. Bei der Verkostung eines Weinmagazins konnte Weber schon mit seinen allerersten Sekten punkten, bei seiner Kundschaft auch. Bereits nach wenigen Monaten auf dem Markt ist „Perlgut“ ein Begriff, selbst die Spitzengastronomie ist längst auf den Newcomer aufmerksam geworden.

Schuh und Weber wollen sich aber keinesfalls auf Sachsen als Absatzmarkt beschränken. Berlin und Leipzig seien naheliegende Ziele, sagen sie. In Leipzig beispielsweise dominierten noch Saale-Unstrut-Weine. Das wollen die beiden sächsischen Jungwinzer ändern und kommen sich offenbar auch dabei nicht ins Gehege: Schuh setzt auf eine noch recht junge Weinbar, die unkonventionell junges Publikum anspreche. Weber ist mit seinen Sekten in einer traditionsreichen Weinhandlung vertreten. In der Heimat schaut man den agilen Jungwinzern unterdessen beeindruckt und auch etwas ungläubig zu. Aus dem Weinbauverband heißt es denn auch anerkennend: „Man merkt, dass sie es gelernt haben.“

Von Lars Müller

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