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Sächsische Jugendherbergen im Aufwind

Urlaub zuhause im Trend Sächsische Jugendherbergen im Aufwind

Die 25 Jugendherbergen im Freistaat werden immer beliebter. Nicht nur Schulklassen und Vereine schätzen die Alternative zu Hotel oder Pension. Das kann auch mit Angst vor Anschlägen zu tun haben.

Ein Vierbettzimmer der Jugendherberge City Hostel Chemnitz

Quelle: dpa

Chemnitz. Sachsens Jugendherbergen haben im vergangenen Jahr mehr Gäste begrüßt. Mit rund 352 000 Übernachtungen legte der Landesverband Sachsen 2016 rund sieben Prozent zu. 2015 waren es nur rund 329 000 Übernachtungen gewesen. „Das ist insbesondere deshalb so erfreulich, weil wir mit nur 24 von 25 Häusern am Markt waren“, sagte der geschäftsführende Vorstand, Alexander Ladwig, der Deutschen Presse-Agentur. Die alte Jugendherberge in Schöneck (Vogtlandkreis) sei 2016 komplett geschlossen gewesen und werde bis Herbst 2018 durch einen Neubau für rund 7,3 Millionen Euro ersetzt.

Allein mit einem Sondereffekt durch die Unterbringung von rund 220 Flüchtlingen sei das Übernachtungsplus nicht zu erklären. Ladwig führt es vielmehr auch auf die gestiegene Angst der Deutschen vor Anschlägen zurück. Mehr Menschen verbrächten ihren Urlaub wieder in der Heimat.

Tendenziell würden Sachsens Jugendherbergen bei Einzelreisenden und Eltern mit Kindern immer beliebter. Der Familienanteil liege bei rund 20 Prozent. Im Trend liegen Ladwig zufolge zudem kurzfristige Buchungen mit einem Vorlauf von maximal vier Wochen.

Als anerkanntem Träger der freien Jugendhilfe gelte das Hauptaugenmerk der Jugendherbergen aber nach wie vor Gruppenreisen. „Eine Jugendherberge ist mehr als nur eine Übernachtungsmöglichkeit“, betonte Ladwig, der im April den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Thomas Müller nach 27 Jahren ablösen wird. Im Fokus stünden gruppenpädagogische Programme, das Erleben von Gemeinschaft und Bildungsangebote jenseits des Lehrplans. „Diese Kompetenzen unterscheiden uns von einem Hostel, das auch günstige Zimmer anbietet“, sagte der designierte Verbandschef.

Als gemeinnütziger Verein ziele das Jugendherbergswerk zudem nicht auf eine Gewinnmaximierung ab. Der Verband finanziert sich über Beiträge seiner mehr als 70 000 Mitglieder und den Betrieb der Häuser. Neben einer Unterkunft wolle man für Familien auch verstärkt pädagogische Programme anbieten. Die Ideen reichen von Eltern-Kind-Abenteuerwochenenden im Erzgebirge bis zu günstigen Paketpreisen in der Ferienzeit.

Rund die Hälfte der Gäste machen Schulen und andere pädagogische Einrichtungen aus. Allein 78 000 Übernachtungen gehen auf das Konto von Schülern der Klassen 5 bis 10. Zweites wichtiges Standbein seien Freizeitgruppen wie Vereine oder Chöre mit rund 96 000 Übernachtungen. Zu den wichtigsten Standorten in Sachsen gehören die Herbergen in Dresden, Görlitz, Chemnitz, Plauen sowie Schloss Colditz (Landkreis Leipzig).

Westsachsen hingegen sei ein weißer Fleck auf der Landkarte des Jugendherbergswerks. Interessant wäre laut Ladwig ein Standort in Zwickau. Nach dem Neubau eines Gefängnisses steht die bisherige Justizvollzugsanstalt in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum ab 2020 leer. „Das wäre ein einzigartiges Ambiente, das sich wunderbar mit Bildungsangeboten zum Justizsystem verbinden ließe“, sagte Ladwig. Noch handele es sich aber nur um eine erste Idee, die in Gesprächen mit der Stadtverwaltung konkretisiert werden müsse.

dpa

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