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Sachsens neuer Bischof Heiner Koch: "Ein Rinnsal kann viel bewegen"

Sachsens neuer Bischof Heiner Koch: "Ein Rinnsal kann viel bewegen"

Die Sedisvakanz ist beendet, zumindest in Dresden. Am 16. März bekommt das katholische Bistum Dresden-Meißen mit dem Kölner Weihbischof Heiner Koch (58) einen neuen Oberhirten.

Der Rheinländer freut sich auf die Sachsen und lädt zu einer gelebten Ökumene ein.

Frage: Herr Bischof, kennen Sie als Dresdner Oberhirte das kürzeste sächsische Wort, das der Dresdner fast immer als freundliche Zustimmung sagt?

Heiner Koch: Nu!

Punkt für Sie. Wie haben Sie bisher die Sachsen erlebt: neugierig oder eher distanziert?

Die ersten inner- und außerkirchlichen Begegnungen waren für mich sehr bewegend. Ich erlebte eine große Offenheit und Herzlichkeit und spürte, mit welch frohen Erwartungen die Menschen mich aufnehmen. Ich habe allerdings auch gelernt, dass ich in der nächsten Zeit zunächst sehr aufmerksam zuhören und sehr achtsam schauen muss. Nur so werde ich die Situation der Menschen, der Kirche und der Gesellschaft in ihren Stärken und Schwächen, ihren Herausforderungen und Belastungen wahrnehmen. Dabei hoffe ich sehr, dass viele Menschen inner- und außerhalb der Kirche mir dabei helfen.

Sie wechseln von einer Flusslandschaft zu einer anderen: vom Rhein an die Elbe. Aber die Anzahl katholischer Gläubiger in Sachsen erinnert eher an einen Rinnsal statt an einen Strom. Eine Herausforderung für Sie?

Ein Rinnsal kann sehr viel bewegen, vor allem kann es wachsen, ein Strom ist immer in der Gefahr, mit seiner Kraft - sich selbst genügend - an allem vorbeizuströmen. Kleine Gemeinschaften haben in der Geschichte die Kirche und die Gesellschaften verändert und sind durch ihre Bedeutsamkeit zu großen Gemeinschaften gewachsen. Im Übrigen: Bei meinem ersten Besuch sagte mir eine junge Frau: "150000 Katholiken für 3 Millionen Ungetaufte - das muss doch reichen!". Ich freue mich jedenfalls auf die Begegnung mit allen Menschen.

Ihre Amtseinführung am 16. März wird wohl in die Zeit des Konklave fallen. Ist es nicht schade, dass Ihre feierliche Inthronisation in der Dresdner Hofkirche ein wenig von der Papstwahl in Rom überstrahlt wird?

Wie weit der Verlauf des Konklaves am 16. März sein wird, weiß heute noch niemand. Wenn etwas Licht von dieser Wahl in Rom nach Dresden hinüber strahlt, wäre mir dies sehr recht. Aber ich bin ebenfalls sicher, dass den im Vatikan Versammelten auch das Licht der Christen aus Sachsen sehr gut tut.

Drei Wochen nach ihrem Arbeitsbeginn in Dresden werden Sie in Leipzig bei der Grundsteinlegung der neuen Propsteikirche erwartet. Ist solch ein selten gewordener Kirchenneubau mehr als ein kleiner Mutmacher?

Ich bin sehr froh, dass ich schon bald nach meinem Amtsantritt den Grundstein für die neue Propsteikirche legen kann. Welch' mutiges und hoffnungsvolles Zeichen am Beginn meines Wirkens. Man sagt: Der Anfang geht immer mit. Welch' ein Anfang! Ich hoffe sehr, dass wir in der Kirche uns von diesem Neuanfang begeistern lassen, hoffe aber auch, dass die Propsteikirche als Einladung verstanden und wahrgenommen wird von vielen Menschen, die sich - noch - nicht als zu uns gehörig fühlen. Die Grundsteinlegung ist aber für mich nicht die einzige Ermutigung am Beginn meines Wirkens: Das Treffen mit so vielen Gemeinden und Gemeinschaften in meinem Bistum und die Begegnung mit den Schwachen und Armen in unserer Gesellschaft bedeuten mir genauso viel.

Ihr Vorgänger, Alt-Bischof Joachim Reinelt, war gern dicht bei den Leuten und hatte die Gabe der direkten, persönlichen Ansprache. Eine Messlatte auch für Sie?

Die Menschen, für die ich bestellt bin, sind ein Geschenk für mich. Ich lebe aus der Begegnung mit ihnen und auch mit den Menschen, die unserer Kirche nicht angehören. Ich hoffe, dass ich die mir bekannte Offenheit von Bischof Joachim Reinelt in meinem Herzen weitertrage.

Verzeihen Sie den nochmaligen Rückgriff auf Bischof Reinelt: Aber auch in der Ökumene kannte er kaum Berührungsängste, Beispiel Evangelischer Kirchentag 2011 in Dresden. Wie halten Sie es mit der Ökumene?

Die Evangelischen und Orthodoxen im Rheinland wissen, dass ich ein verlässlicher Partner in der Ökumene bin. Aus theologischen und aus gesellschaftlichen Gründen müssen wir weiter um die Einheit ringen und mutig das vollziehen, was uns jetzt schon möglich ist. Das scheint mir mehr zu sein, als wir faktisch tun. Den Weltjugendtag 2005 in Köln, dessen Generalsekretär ich war, hätten wir ohne die Hilfe der evangelischen Christen nicht durchführen können, und ich bin froh, dass ich mithelfen konnte, dass der Evangelische Kirchentag in Köln 2007 zu einem Erfolg wurde. Deshalb war mir auch der Besuch bei Landesbischof Bohl kurz nach meiner Ernennung sehr wichtig.

2017 wartet das große Reformationsjahr, angesichts des protestantischen Tamtams in und um Wittenberg sprechen Kritiker schon von einem drohenden Verluthern. Sehen Sie Anlass für Katholiken, in vier Jahren mitzufeiern?

Ich hoffe sehr, dass das Jahr 2017 auch uns Katholiken zu einer tiefen Gotteserfahrung führt, die das eigentliche Hauptanliegen Martin Luthers war. Ich baue darauf, dass dieses Jahr für uns Christen geistliche und zum Aufbruch bewegende Impulse geben kann. Aber ich hoffe auch sehr, dass aus der Erinnerung in diesem Jahr 2017 ein achtsames und ehrliches Miteinander der christlichen Kirchen erwächst.

Die Schatten der Vergangenheit in Sachen Kindesmissbrauch durch Priester wirken weiter nach. Wie wollen Sie es als Dresdner Bischof mit der oft geforderten Transparenz und schonungslosen Aufklärung von Verdachtsfällen in ihrem neuen Bistum halten?

Um der Opfer, aber auch um der Kirche willen gibt es zur Transparenz keine Alternative. Ich werde die Begegnung mit den Opfern suchen und werde aufrichtig mit den Tätern sprechen und die nötigen Konsequenzen ziehen. Vor allem aber werde ich mich bemühen, alles in meinen Kräften Stehende zu tun, soweit wie irgendwie möglich solche Verbrechen in Zukunft zu verhindern, innerkirchlich wie gesamtgesellschaftlich.

Sie haben 2005 in Köln den katholischen Weltjugendtag erfolgreich organisiert. Wäre eine ähnliche Großveranstaltung - zum Beispiel der Deutsche Katholikentag - in Dresden denkbar?

Ja!

Als zweites wichtiges Wort sagt der Dresdner gern "nor" (nicht wahr) um zu betonen, dass er Recht hat. Ohne Ihre rheinische Herkunft verleugnen zu müssen: Werden Sie mit dem sächsischen Dialekt klar kommen?

Im Rheinland sagt man: "Et hätt noch immer jot jejange." Wichtiger aber, als dass ich mit dem sächsischen Dialekt klar komme, ist für mich, dass die Sachsen mit mir und ich mit den Sachsen klarkomme.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.03.2013

Olaf Majer

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