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Mitteldeutschland Sachsens Dehoga-Chef fordert flexible Arbeitszeit für Gastronomie
Region Mitteldeutschland Sachsens Dehoga-Chef fordert flexible Arbeitszeit für Gastronomie
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10:15 04.04.2017
Die Küche schließt in vielen Lokalen früher, seitdem die Einhaltung der Arbeitszeitverordnung strenger kontrolliert wird.  Quelle: dpa
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Leipzig

 Immer mehr Gaststätten in Sachsen schließen früher oder machen eher Küchenschluss. Hintergrund: starre Arbeitszeiten, die immer schärfer kontrolliert werden. Deshalb fordert der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) flexiblere Modelle für die Gastronomie. Derzeit könne die tägliche Arbeitszeit von acht Stunden nur an drei Tagen auf maximal zehn Stunden ausgedehnt werden, erklärt Sachsens Dehoga-Präsident Axel Hüpkes, dann sei Schluss. Das gehe aber oftmals an den betrieb­lichen Realitäten vorbei. Hintergrund ist eine umfangreiche Dokumentationspflicht, die mit dem Mindestlohn zum 1. Januar 2015 eingeführt wurde. Seitdem gibt es scharfe Arbeitszeit-Kontrollen durch den Zoll – mit Strafen bis zu 500 000 Euro.

Es gehe nicht um eine Ausweitung der gesetzlichen Höchstarbeitszeit, betont Hüpkes, der hauptberuflich Direktor im NH-Hotel „Leipzig Messe“ ist. Hotels, die im Schichtbetrieb meist rund um die Uhr laufen, sind von der Regelung weniger betroffen als die klassischen Restaurants. Für die lohnt sich eine dritte Schicht nach zehn Stunden nicht. Eine Ausweitung auf bis zu zwölf Stunden würde diesen Lokalen schon sehr helfen, sagt Hüpkes. „Natürlich immer mit entsprechendem Ausgleich. Es geht darum, dass man an Tagen, an denen man Geld verdienen kann, nicht irgendwann die Rollos runterlassen muss.“

Gerade im ländlichen Raum, wo Personal noch schwerer zu finden sei als ohnehin, brauche man dringend flexiblere Regelungen. „Ich sehe sonst auch die Gefahr, dass die Nachkommen noch weniger gewillt sind, das Gasthaus vom Vater zu übernehmen.“

Die Gewerkschaft hält wenig von der Idee. „Es wurde jahrzehntelang gegen die Arbeitszeitordnung verstoßen – durch die Dokumentationspflicht wird das jetzt offenkundig“, argumentiert Karin Vladimirov, Sprecherin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Es könne nicht angehen, dass man ein Gesetz ändern solle, nur weil nunmehr geprüft werde, ob die Gastronomen es auch einhalten. „Wir lehnen das strikt ab.“

Die Leipziger SPD-Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe sieht in den Regelungen zur Arbeitszeit „auch Arbeitsschutz – etwa vor Überforderung und Entgrenzung“. Die Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes hätten sich bewährt. „Auch dem Arbeitgeber ist nicht geholfen, wenn sein Arbeitnehmer wegen Überlastung am Arbeitsort zusammenbricht oder krankgeschrieben ist.“

Ihr CDU-Kollege Thomas Feist zeigt sich aufgeschlossener. Zwar müssten die Belange der Angestellten gleichberechtigt berücksichtigt werden. „Doch ist es eben so, dass auch diese verlieren, wenn ihr Betrieb schließen oder seine Angebote reduzieren muss, weil der Nachfrage der Kunden nicht entsprochen werden kann.“ Er setze sich für die Orientierung am Kunden ein „und gegen die Dienstleistungswüste Deutschland“. Das sei auch mit dem Schutz der Arbeitnehmer vereinbar. „Diejenigen, die an einer Bevormundung der Arbeitnehmer festhalten, sind die fachlich Zuständigen der SPD, da sie meinen, die Arbeitgeber in die Schranken weisen zu müssen.“ Die berechtigten Belange der Arbeitnehmer gerieten aus dem Blick, wenn es darum gehe, „vermeintlich gegen Ausbeutung und für die ,armen schwachen’ Arbeitnehmer zu agieren“, so Feist. Eine flexiblere Regelung sei in der derzeitigen Koalition leider nicht konsensfähig, „auch wenn wir das wollen“.

Von Björn Meine

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