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Sachsens Bauern wegen Afrikanischer Schweinepest besorgt

Erreger für Menschen ungefährlich Sachsens Bauern wegen Afrikanischer Schweinepest besorgt

Die Afrikanische Schweinepest hat Polen und Tschechien erreicht. Die Bauern in Sachsen fürchten ein Übergreifen. Experten verweisen auf stets hohe Sicherheitsstandards im Land. Ein Vorteil sei, dass die knapp 681.000 Schweine in Sachsen zum größten Teil in Anlagen gehalten werden, die gut abgeschottet werden können.

Wildschweine in einem Waldgebiet

Quelle: Gregor Fischer/dpa

Dresden. Sachsens Bauern sind wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Sorge. „Es herrscht eine gewisse Verunsicherung, aber keine Panik“, sagte Juliane Bergmann, Referentin für tierische Erzeugung im Sächsischen Landesbauernverband. Es gebe hohe Sicherheitsstandards in den Anlagen, die eingehalten werden müssen. Dazu zählten etwa Seuchenmatten und die Desinfizierung von Fahrzeugen. Außerdem müsse sich das Personal vor jedem Betreten der Anlage umziehen. Die Seuche ist für den Menschen ungefährlich, für Schweine aber tödlich.

Bergmann sieht einen großen Vorteil darin, dass die knapp 681 000 Schweine in Sachsen zum größten Teil in Anlagen gehalten werden, die außerhalb liegen und gut abgeschottet werden können. Schwieriger sei es, wenn ein Bauer ein oder zwei Tiere im Freiland hält. Die Gefahr mit einem Wildschwein in Kontakt zu kommen, sei dort am größten. Bislang sei der Freistaat von der Seuche aber verschont geblieben. Es müssten dringend Maßnahmen erfolgen, um die Reduzierung der Wildschweinbestände voranzutreiben und so das Risiko einer schnellen Ausbreitung zu senken.

Die größte Gefahr liegt laut Bergmann in kontaminierten Lebensmitteln. Wenn ein Mensch ein verseuchtes Stück Fleisch oder Wurst achtlos wegwerfe und ein Wildschwein es dann fresse, sei die Pest da. Sollte die Seuche auf einem Hof festgestellt werden, müsste der gesamte Bestand getötet werden. Allerdings werde bereits bei einem Ausbruch ein gefährdeter Bezirk eingerichtet, was zu schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen für die darin liegenden Betriebe führe. Transporte dürfen die Anlage nur noch auf behördliche Anweisung und nach einer Untersuchung des Bestandes verlassen. Zudem unterliege das Fleisch dieser Tiere einer Kennzeichnungspflicht und sei damit nur beschränkt vermarktungsfähig.

Die Seuche war über Georgien und Russland in die EU gelangt. Inzwischen wurde sie in sechs Mitgliedstaaten nachgewiesen, darunter in Sachsens Nachbarländern Polen und Tschechien.

Nach einem Bericht der „Leipziger Volkszeitung“ machen Sachsens Jäger nun mit Blick auf die Seuche verstärkt Jagd auf Wildschweine. Frank Meyer, Sprecher des Agrarministeriums, stellte aber einen größeren Zusammenhang her. „Angesichts ständig wachsender Wildschweinbestände und damit verbundener hoher Schäden in der Landwirtschaft besteht schon seit Jahren ein großes Interesse daran, Schwarzwild verstärkt zu bejagen“, sagte Meyer der Deutschen Presse-Agentur. Durch das drohende Auftreten der Afrikanischen Schweinepest werde die Bejagung umso dringender.

Um die Bejagung zu erleichtern, habe das Gesundheitsministerium bereits die Kosten für die vorgeschriebenen Trichinenuntersuchungen übernommen, erklärte Meyer. Zudem seien Änderungen im Jagdgesetz geplant. Dazu gehöre eine Abschaffung des Verbotes, mit Schalldämpfern zu jagen und die Erlaubnis der sogenannten Fangjagd - das Einfangen ganzer Rudel in Fallen: „Das alles sind Maßnahmen, die auf eine Verringerung der Zahl der Wildschweine und damit auf der Zahl der potenziellen Überträger der Afrikanischen Schweinegrippe gerichtet sind.“

Der Verein Wildtierschutz Deutschland kritisierte die vorgesehenen Maßnahmen gegen Wildschweine. Es gebe keinen vernünftigen Grund, Tierschutznormen außer Kraft zu setzen. Der Verein empfahl mit Blick auf die Bestandsreduzierung die „Pille für Wildschweine“. Die Tiere seien relativ standorttreu und würden kaum von Polen über die Oder nach Deutschland wandern und den ASP-Virus einschleppen.

dpa

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