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Mitteldeutschland Sachsen rüsten weiter auf
Region Mitteldeutschland Sachsen rüsten weiter auf
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11:17 19.06.2018
In Sachsen werden immer mehr Schreckschusspistolen wie diese Walther 22 verkauft. Quelle: dpa
Leipzig

Immer mehr Sachsen besitzen Waffen. Und auch die Zahl der Inhaber Kleiner Waffenscheine – sie erlauben die Mitnahme von Gaspistolen und Schreckschusswaffen in der Öffentlichkeit – steigt im Freistaat weiter an. Hinter diesem Trend zur Aufrüstung stecken Sicherheitsängste, glaubt der Innenexperte der sächsischen Linken, Enrico Stange.

Innerhalb von zehn Jahren nahm die Zahl der registrierten Waffen um ein Viertel auf 160 611 Waffen zu, hat der Politiker aus Anfragen an das sächsische Innenministerium ermittelt. Darunter seien auch Waffen von Jägern und Schützenvereinen. Die Zahl der Schusswaffenbesitzer wächst ebenso. Innerhalb von vier Jahren von 24 651 auf nun 29 016. „Dabei ist interessant, dass nur im Vogtland diese Zahl von 2014 auf 2017 zurückgegangen ist – und nun wieder ansteigt. In allen anderen Landkreisen und kreisfreien Städten ist der Trend eindeutig aufwärts gerichtet“, so Stange.

Auch bei den Waffenrechtlichen Erlaubnissen wachsen die Zahlen kontinuierlich an. Von 2014 bis Ende März 2018 von 30 643 auf 46 362.

Aufwärts geht es auch bei den Kleinen Waffenscheinen. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres nahm die Zahl der Erlaubnisse, um etwa Schreckschusswaffen tragen zu dürfen, von 16 365 auf 17 868 zu. Seit 2012 hat sich die Menge fast verdreifacht, wobei es den größten Anstieg in den Jahren 2016 und 2017 gegeben hatte – den Jahren, in denen die Zuwanderung von Geflüchteten nach Deutschland und Sachsen am größten war. Inwieweit der Trend zur Bewaffnung aber direkt oder indirekt mit dem Zustrom von Flüchtlingen zu tun habe, müsse erst noch untersucht werden, so Stange. Eine zunehmende Bewaffnung könne aber ohnehin nicht die Antwort auf eine gefühlt oder tatsächlich verschlechterte Sicherheitslage sein. Der Staat sollte die Ängste ernst nehmen und die Sicherheitsbehörden stärken.

Als bedenklich bezeichnete der Linken-Politiker die Personalausstattung der Waffenkontrollbehörden, also der unteren Waffenbehörden in den Landkreisen und kreisfreien Städten. „Nach meiner Einschätzung ist eine effektive Kontrolle nicht möglich.“ In Sachsen stünden insgesamt nur etwa 33 Vollzeitstellen in den Waffenbehörden zur Verfügung.

Als ein besonders schlechtes Beispiel führt der Politiker den Landkreis Bautzen an, wo auf 1,5 Vollzeitstellen auf 2755 registrierte Schusswaffenbesitzer, 1556 Kleine Waffenscheine, 4229 Waffenrechtlichen Erlaubnisse und 14 876 registrierte Schusswaffen kämen.

„Im Ergebnis liegen die Kontrollen zur Aufbewahrung der Waffen dann auch mit der Ausnahme des letzten Jahres auf einem fast gleichbleibend niedrigen Niveau“, ergänzt Stange. Insgesamt müsse hier personell deutlich aufgestockt werden, um die Kontrollen – vor allem von Privatpersonen – zu verstärken.

Von Andreas Dunte

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