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Sachsen plant zentrale Mammutbehörde gegen Lehrermangel

Landeschulamt Sachsen plant zentrale Mammutbehörde gegen Lehrermangel

Dass es im Schulbereich erheblich klemmt, ist in Sachsen seit Langem ein offenes Geheimnis. Lehrermangel lautet das Stichwort. Im Zentrum der Kritik dabei steht vor allem jene Behörde, die den Lehrermangel verwalten soll. Nun soll zentralisiert werden, inhaltlich wie räumlich.

Dass es im Schulbereich erheblich klemmt, ist in Sachsen seit Langem ein offenes Geheimnis. Lehrermangel lautet das Stichwort

Quelle: dpa

Dresden. Dass es im Schulbereich erheblich klemmt, ist in Sachsen seit Langem ein offenes Geheimnis. Lehrermangel lautet das Stichwort, und obwohl die CDU/SPD-Staatsregierung mit Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) an der Spitze gegenzusteuern versucht, ist eine Entspannung in den kommenden Jahren nicht in Sicht. Grund ist zum einen der 2005 noch von der ersten schwarz-roten Koalition beschlossene und 2011 von CDU und FDP verschärfte Personalabbau im Lehrerbereich. Zum anderen sind Nachwuchspädagogen bundesweit Mangelware. Im Wettbewerb der Bundesländer aber hat Sachsen ausgesprochen schlechte Karten – weil es das einzige Land ist, in dem Lehrer nicht verbeamtet werden.

Im Zentrum der Kritik dabei steht vor allem jene Behörde, die den Lehrermangel verwalten soll. Sächsische Bildungsagentur heißt sie, und ihr eilt allgemein ein mieser Ruf voraus. Bürokratisch gehe diese zu Werke, so lautet der Tenor, zum Teil auch einfach unflexibel. Um diesem Makel beizukommen, will Schwarz-Rot nun durchgreifen. Geplant ist eine umfassende Neustrukturierung, an deren Ende die sächsische Bildungsagentur mit dem Bildungsinstitut verschmolzen werden soll. Heraus kommt so eine neue Mammutbehörde namens Landesamt für Schule und Bildung, die nahezu alles vereinen soll: Schulaufsicht, Qualitätskontrolle und das Managen im gesamten Personalbereich – vom Stopfen krankheitsbedingter Löcher in den Schulen bis hin zum Zentralproblem, der Gewinnung von Nachwuchskräften für die sächsischen Klassenzimmer.

Das Zauberwort, auf das CDU und SPD dabei setzen, lautet Zentralisierung. So sollen nicht nur inhaltliche Bereiche in dem neuen Landesschulamt gebündelt werden, sondern ganz offenbar auch die Standorte. Fünf Regionalstellen gibt es bei der Bildungsagentur bisher, in Dresden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau und Bautzen, und jede kann selbstständig Personal anwerben. Künftig soll es voraussichtlich nur noch drei Regionalabteilungen in den großen Städten geben, die Zentralbehörde hat ihren Sitz demnach in Chemnitz. Bautzen und Zwickau wiederum könnten zu sogenannten Referaten heruntergestuft werden – mit einer für sie unschönen Perspektive: Schon heute unken Insider von der Möglichkeit, dass beide Nebenstellen am Ende komplett geschlossen werden dürften.

All dies ist bereits Teil des schwarz-roten Schulgesetzes, der Startschuss soll Anfang kommenden Jahres erfolgen. Weitere Details von offizieller Seite allerdings sind nicht vorhanden, ganz im Gegensatz zu viel handfester Kritik. Vor allem der sächsische Lehrerverband (SLV) macht mobil gegen das Vorhaben, befürchtet eine Verschlimmbesserung der bereits prekären Lage. Laut SLV besteht die Gefahr, dass sich der gesamte Bildungsbereich wegen der Umstrukturierung über Monate nur noch mit sich selbst beschäftigt und sich so die Unterrichtsversorgung in vielen Regionen weiter verschlechtert.

Das meint auch SLV-Chef Jens Weichelt. „Mit der geplanten Umstrukturierung vergrößert sich die Entfernung vieler Schulen zum Sitz der zuständigen Schulaufsicht“, sagt er und verweist auf Erfahrungen in anderen Bundesländern. Demnach hätten zum Beispiel Hessen und Brandenburg ihre jeweiligen Mammutbehörden bereits nach kurzer Zeit wieder abgeschafft und seien längst zu eigenständigen, regionalen Schulämtern zurückgekehrt.

Für das Kultusministerium, allen voran Ressortchefin Kurth, ist das eine heikle Gemengelage. Schließlich gilt der Bildungsbereich neben der Inneren Sicherheit als politisch vermintes Gelände, und Entspannung ist nicht in Sicht. So zeichnet sich längst ab, dass der Personalnotstand an den sächsischen Schulen bis zum Wahljahr 2019 nicht behoben werden kann und somit auch den Wahlkampf ganz entscheidend prägen dürfte – hohes Konfliktpotenzial inklusive.

So ist es kein Zufall, dass es bereits heute erkennbar knirscht im schwarz-roten Koalitionsgebälk, vor allem die SPD-Bildungspolitikerin Sabine Friedel stichelt hier und da schon mal ein wenig. „Ganz offensichtlich ist, dass es der Verwaltung derzeit noch nicht in vollem Umfang gelingt, ihre Aufgaben zu erfüllen“, hat Friedel erst kürzlich gesagt – und dabei auch das CDU-geführte Kultusressort aufs Korn genommen. Das halte sich mit Aussagen zu konkreten Planungsdetails zurück, verweise dabei aber auf den Landtag. „Das“, so die SPD-Frau, „entspricht nicht der Wahrheit“. Schließlich trage „allein das ­Kultusministerium“ dafür die Verant­wortung.

Das ist ein kleiner Vorgeschmack auf die Auseinandersetzungen der Zukunft. Denn gegen den Strich gebürstet, könnte Friedels Satz auch lauten: Wenn etwas schiefläuft, ist das die Angelegenheit von CDU-Ministerin Kurth.

Von Jürgen Kochinke

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