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Mitteldeutschland Sachsen hängen am Bargeld - Verband: Abschaffung unrealistisch
Region Mitteldeutschland Sachsen hängen am Bargeld - Verband: Abschaffung unrealistisch
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10:00 30.07.2017
Auch wenn die EC-Karte immer beliebter wird - beim Bezahlen etwa an der Kasse im Supermarkt bleiben die Menschen in Sachsen weiter eher bei Geldschein und Münze. Quelle: dpa
Dresden

Auch wenn die EC-Karte immer beliebter wird - beim Bezahlen etwa an der Kasse im Supermarkt bleiben die Menschen in Sachsen weiter eher bei Geldschein und Münze. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Deutschland ist ein Bargeldland“, sagte der Pressesprecher des Ostdeutschem Sparkassenverbandes, Wolfram Morales, in Berlin. Der Anteil von Barem sei im Zahlungsverkehr seit Jahren fast konstant.

Die immer wieder diskutierte Abschaffung des Bargeldes sei deshalb aus Sicht des Verbandes unrealistisch und nicht umsetzbar. Es komme hinzu, dass Bargeld gesetzliches Zahlungsmittel sei, Karten und Handys hingegen nicht, erläuterte Morales.

Laut Ostdeutschem Sparkassenverband ging der Anteil der Transaktionen mit Bargeld von 2008 bis 2014 von 82,5 Prozent auf fast 80 Prozent zurück. Beim Gesamtumsatz kommt noch gut jeder zweite Euro aus Bargeld, auch wenn dessen Anteil von 2008 bis 2016 von fast 58 Prozent auf 51,3 sank. Einer Erhebung der Bundesbank von 2014 zufolge werden bundesweit fast 80 Prozent aller Zahlungen in bar abgewickelt. „Wir gehen davon aus, dass sich das nur wenig geändert hat“, sagte Morales. Bargeld werde vor allem bei kleineren Beträge bevorzugt.

Aber auch da gibt es inzwischen immer mehr andere Möglichkeiten: In den Dresdner Konsum-Märkten etwa kann seit Dezember vergangenen Jahres mit dem Mobiltelefon bezahlt werden. „Statt des Portemonnaies wird das Smartphone gezückt“, erläutert der Sprecher der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, Andreas Rieger. Den Blue Code, eine App, anklicken, Strichcode einscannen, fertig. „Wir waren die ersten, die diese Form des Bezahlens hierzulande auf den Markt gebracht haben“, sagte Rieger. Morales zufolge sind Handy-Bezahlfunktionenauch ebenso für die anderen Sparkassen geplant.

„Auch wenn der bargeldlose Zahlungsverkehr in den vergangenen Jahren immer sicherer geworden ist, zu hundert Prozent wird er es nie werden“, sagt Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen in Leipzig. Und auch Störungen seien immer möglich. „Da sind Geldscheine und Münzen im Vorteil.“ Zudem: Die Menschen sollten die Freiheit haben, zwischen beiden Zahlungsarten wählen zu können.

Damit alle, die es wollen, stets an Bargeld kommen, setzt die Ostsächsische Sparkasse Dresden eigenen Angaben zufolge in ihrem Gebiet auf 254 Geldautomaten und etwa 100 Filialen. Die Schließung von Filialen oder der Rückbau von Automaten seien kein Thema, sagte Rieger. Für kleine Gemeinden auf dem Lande wie Cunnersdorf, Leupoldishain, Kipsdorf, Ralbitz oder Weißkollm gebe es seit zwei Jahrzehnten „fahrbaren Filialen“ in Gestalt spezieller Busse. Auf fünf Routen mit 70 Haltepunkten werden Bankleistungen angeboten.

Die Erzgebirgssparkasse in einer eher ländlich geprägten Region - nach Dresden und Leipzig Sachsens drittgrößte Sparkasse - hat vor Jahren 38 von einst 97 Filialen dichtgemacht. In kleineren Orten seien diese auch wegen des zunehmenden Online-Bankings nicht mehr wirtschaftlich gewesen, berichtete der stellvertretende Unternehmenssprecher, Jens Uhle.

Damit die Menschen dennoch an Geld kommen, setzt das Unternehmen neben 120 Geldautomaten auf Tankstellen, Schreibwarenläden, Bäcker oder auch Fleischer als sogenannte Agenturpartner. Bis zu 200 Euro können die Menschen dort abheben. Und wenn es sein müsse, komme der Bankberater ins Haus, sagte Uhle. Der digitale Wandel schreite voran, der Service der Sparkassen werde immer weniger genutzt.

„Das Kundenverhalten hat sich geändert“, bestätigte Frank Steimmeyer von der Sparkasse Leipzig. „Wir wollen in der Fläche bleiben, aber das muss die Nachfrage rechtfertigen.“ Im nächsten Jahr würden 10 der jetzt 85 Filialen geschlossen.

Die Manipulation von Geldautomaten, das Skimming, mit der Kriminelle Kundendaten ausspähten, spielt indes dank neuer Technik den Kreditinstituten zufolge kaum mehr eine Rolle. Laut Landeskriminalamt gab es 2016 fünf manipulierte Automaten, bei denen die Täter einen Schaden von etwa 20 000 Euro verursachten. 2010 waren es noch 323 000 Euro Schaden.

Von Ralf Hübner, dpa

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