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Mitteldeutschland Rund 15.000 Menschen gestalten friedlichen 13. Februar in Dresden
Region Mitteldeutschland Rund 15.000 Menschen gestalten friedlichen 13. Februar in Dresden
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20:49 09.09.2015
Auf dem Schloßplatz und auf der Augustusbrücke standen so viele Menschen, dass sie eine zwei- oder dreifache Kette bildeten. Quelle: Tanja Tröger
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Die von der AG 13. Februar organisierte Veranstaltung soll ein Symbol für den Schutz der Stadt vor Neonazis sein.

Diese hatten erstmals seit vielen Jahren keine Veranstaltung am 13. Februar. Eine geplante Kundgebung hatten die Rechten in der Nacht zu Donnerstag zurückgezogen. Die Dresdner setzten trotzdem ein starkes Zeichen gegen die regelmäßigen Versuche der Vereinnahmung des 13. Februars von Rechts. Der weggefallene Aufmarsch sorgte also nicht dafür, dass die Dresdner zu Hause blieben. Zudem blieb alles friedlich. Die Polizei, die mit rund 1400 Beamten im Einsatz war, vermeldete am Abend keine Festnahmen.

So beteiligten sich am Mahngang Täterspuren des Bündnis Nazifrei nach Bündnisangaben bis zu 3200 Menschen, so viele wie nie. Das Bündnis zog am Abend ein erstes positives Fazit. Silvio Lang, der Sprecher des Bündnisses, wertete den Tag als Erfolg. „Es macht Hoffnung, wenn eine langfristige Mobilisierung gelingt und die Leute erreicht“, kommentierte er den neuen Teilnehmerrekord. Die Veranstaltung erinnert an Orte der Nazi-Herrschaft bis 1945 und ist ein Baustein der Gedenkkultur, in der auch die Schuld der Deutschen am zweiten Weltkrieg nicht ausgespart wird.

Auch Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) betonte in ihrer Rede vor rund 400 Teilnehmern bei der offiziellen Gedenkveranstaltung auf dem Heidefriedhof, dass die Dresdner ihr Gedenken nicht auf den 13. Februar beschränken dürften.

Der 13. Februar bot allerdings auch einige Misstöne. So zog ein Teil der Demo-Teilnehmer von Täterspuren und einer parallelen Demo des TU-Studentenrates um 18 Uhr mit lauter Musik direkt an der Menschenkette vorbei. Auch Sicht von Nazifrei-Sprecher Lang habe dies aber keine Störungen verursacht. „Wir haben die Menschenkette nicht an der Schließung behindert“, sagte Lang gegenüber DNN-Online. Der notwendige Respekt gegenüber der AG 13. Februar, den man vorab gegenseitig vereinbart hatte, sei gewahrt worden.

Auch der Jenaer Jugendpfarrer Lothar König sorgte bei einigen Dresdnern für Unverständnis. Zusammen mit rund 100 anderen Personen trennte er sich auf halbem Weg vom Täterspuren-Mahngang und zog in einer Spontandemo samt Lautsprecherwagen bis kurz vor den Neumarkt. König rief die Masse zu friedlichen Protest und einem fairen Umgang miteinander auf, seine Gruppe wurde von der Polizei wenig später zum Postplatz eskortiert.

Positives Echo rief dagegen ein erstmals organisierter Schülergipfel zum 13. Februar am Vormittag hervor. Rund 180 Dresdner Schüler beteiligten sich an der Veranstaltung im Kulturrathaus.

Die Rechtsextremen, die bereits am Vorabend mit rund 500 Demo-Teilnehmern durch die Stadt gezogen waren, behielten auch am Donnerstag ihre Strategie der Provokation bei. Neonazis versuchten, sich in das stille Gedenken und in die Menschenkette zu drängen, der große Auftritt blieb ihnen jedoch verwehrt. Den hatten die Dresdner inne, die sich für einen friedlichen und demokratischen 13. Februar stark machten.

Stephan Lohse

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Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat Aktionen von Neonazis zum 13. Februar verurteilt. „Der Versuch von Rechtsextremisten, das Gedenken an die Zerstörung Dresdens und den Krieg für ihre Zwecke zu instrumentalisieren und die nationalsozialistische Schreckensherrschaft auszublenden, ist schäbig und unerträglich“, sagte er am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa.

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