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Rettungsdienste in Not: Sanitäter händeringend gesucht

Zu wenig Nachwuchs Rettungsdienste in Not: Sanitäter händeringend gesucht

Sachsens Rettungsdiensten geht das Personal aus: Allein beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) fehlen Dutzende Einsatzkräfte, die im Ernstfall Leben retten können. Und weiter: „Der Arbeitsmarkt für ausgebildetes Rettungsdienstpersonal ist weitgehend leer und ein Ende dieser Negativspirale derzeit nicht in Sicht“, warnt das DRK.

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Quelle: dpa

Dresden.  Sachsens Rettungsdiensten geht das Personal aus: Allein beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) fehlen Dutzende Einsatzkräfte, die im Ernstfall Leben retten können. „Die Nachbesetzung von Stellen wird zunehmend schwieriger. In mehr als der Hälfte der Rettungsdienste sind trotz erheblicher Bemühungen, Mitarbeiter zu gewinnen, nicht alle Planstellen besetzt“, schlägt Sachsens DRK-Sprecher Torsten Wieland Alarm. Und weiter: „Der Arbeitsmarkt für ausgebildetes Rettungsdienstpersonal ist weitgehend leer und ein Ende dieser Negativspirale derzeit nicht in Sicht.“ Mit diesem Problem steht das DRK – der mit Abstand größte Anbieter – nicht allein: So suchen die Johanniter aktuell vor allem im Erzgebirge händeringend nach Sanitätern, die „ab sofort und in Vollzeit“ anfangen können. Auch weitere Rettungsverbände wie der Arbeiter-Samariter-Bund stehen vor ähnlichen Problemen.

 Ein wesentlicher Grund: In Sachsen wurde die neue dreijährige Ausbildung im Jahr 2014 auf 100 Plätze begrenzt, obwohl der Bund mit dem neuen Notfallsanitätergesetz 200 vorgegeben hatte. Hinzu kommt, dass in Sachsen die bundesweite Vergütung für die Ausbildungseinrichtungen zunächst auf 2000 Euro halbiert wurde. Bis heute gibt es dazu immer wieder Gespräche aber keine Einigung.

Außerdem soll die Landesdirektion weitere Krankenhäuser für die Ausbildung der Notfallsanitäter prüfen und zulassen. Doch auch hier gibt es keine Fortschritte. Das sächsische Sozialministerium hatte im Jahr 2014 zunächst nur zehn der 79 sächsischen Krankenhäuser als geeignet eingestuft. Allerdings wurde schnell klar, dass das nicht ausreicht, um die notwendige Anzahl Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Nach Ansicht der Krankenhausgesellschaft Sachsen (KGS) sei „nahezu jede Klinik“ in der Lage, Notfallsanitäter auszubilden.

„Sowohl die nicht kostendeckende Finanzierung, als auch die fehlenden Verträge haben zu einer völlig unbefriedigenden Situation geführt“, macht KGS-Geschäftsführer Stephan Helm klar. Das heißt: Die Kliniken schreiben ein Minus. Und: Obwohl die praktischen Ausbildungen längst laufen, gebe es keine entsprechenden Vereinbarungen, erklärt Helm. Auch Wolfgang E. Fleig, der Medizinische Vorstand des Uniklinikums Leipzig, kritisiert: „Bislang gibt es in Sachsen keine aktuelle Regelung zur Vergütung. Zudem sind Mindestanforderungen an ausbildende Krankenhäuser nicht definiert, ebenso wenig wie standardisierte Ausbildungsinhalte.“ Sein Fazit lautet: „Auf dieser Grundlage kann eine regelhafte und verlässliche Ausbildung von Notfallsanitätern nicht sichergestellt werden.“ Das Uniklinikum Leipzig, mit momentan
65 angehenden Notfallsanitätern nach eigenen Angaben größter Ausbilder in Sachsen, könne die Lehre bislang nur deshalb durchführen, weil diese durch Einzelverträge und pro Jahrgang mit den jeweiligen Arbeitgebern abgesichert sei, so Fleig.

Seit letztem Sommer – zweieinhalb Jahre nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes – liegt immerhin eine vom Sozialministerium in Auftrag gegebene Untersuchung vor, die einen erheblich höheren Personalbedarf als den vorgesehenen nachweist. „Eine wesentliche Erkenntnis ist, dass mit der ursprünglichen Beschränkung auf 100 Ausbildungsplätze der Bedarf nicht gedeckt werden kann. Die Zahlen müssten mindestens verdoppelt werden“, sagt DRK-Sprecher Wieland. Und: Der Druck steige noch weiter, da es ab 2024 neue „Besetzungsvorgaben für Rettungsmittel“ geben wird. Die verbleibende Zeit, um für ausreichend Nachwuchs zu sorgen, läuft davon. Hintergrund ist, dass per Gesetz ab diesem Jahr keine Rettungsassistenten mehr ausgebildet werden, da künftig nur noch Notfallsanitäter die schnelle medizinische Hilfe absichern sollen.

Doch an den entscheidenden Stellen klemmt es: Während die Kliniken als praktischer Ausbilder – wie auch die Rettungsdienste – den Freistaat mit in der Pflicht sehen, gibt das unionsgeführte Sozialministerium den Schwarzen Peter zurück. „Jetzt sind die Leistungserbringer im Rettungsdienst gefordert, die not­wendigen Vereinbarungen mit weiteren Ausbildungspartnern zu treffen“, sagt Staatssekretärin Andrea Fischer. Die Mittel für Ausbildung und Ergänzungsqualifizierung seien Sache von Krankenkassen, den Trägern der Rettungsdienste – also Kommunen und Zweckverbände – und Leistungserbringern wie den Krankenhäusern. Der Freistaat Sachsen sei dabei aber außen vor, heißt es aus dem Sozial­ministerium. Das Problem, der eklatante Personalmangel, bleibt also weiter bestehen.

Von Andreas Debski

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