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Mitteldeutschland Raus aus Hartz IV: Sachsen legt neues Förderprogramm auf
Region Mitteldeutschland Raus aus Hartz IV: Sachsen legt neues Förderprogramm auf
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22:45 25.07.2017
Sachsen startet ein neues Förderprogramm zur Unterstützung von Familien, die schon seit längerer Zeit in Hartz-IV-Bezug sind. (Symbolbild) Quelle: dpa
Leipzig

Sachsen startet ein neues Förderprogramm zur Unterstützung von Familien, die schon seit längerer Zeit in Hartz-IV-Bezug sind. Ziel sei es, den von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Familienmitgliedern „gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen“. So soll „mindestens eine erwerbsfähige Person der Familie in ein nachhaltiges Beschäftigungsverhältnis vermittelt werden“, heißt es im Entwurf des Programms Tandem, der der LVZ vorliegt. Gleichzeitig will Sachsen die in einer Bedarfsgemeinschaft lebenden Kinder „bestmöglich“ fördern – „insbesondere in ihrer Bildungskompetenz“. Das Wirtschaftsministerium will morgen in Dresden über das neue Programm informieren.

Sachsen hat im Doppelhaushalt rund 13 Millionen Euro für den sozialen Arbeitsmarkt ausgewiesen. Etwa knapp die Hälfte davon könnte für Tandem bereitgestellt werden. Hinzu kommen Gelder aus dem Europäischen Sozialfonds. Obwohl sich der Arbeitsmarkt in den letzten Jahren positiv entwickelt hat, profitieren Langzeitarbeitslose zu wenig vom Beschäftigungsaufbau, heißt es im Entwurf. Im Bereich der Grundsicherung (Hartz IV) bringt das Zu- sammenspiel beispielsweise von Jobcenter, Jugendamt und Kooperationspartner nicht die gewünschten Erfolge. Mit anderen Worten: Betroffene werden nur unzureichend in den ersten Arbeitsmarkt integriert, finden kaum existenz- sichernde und nachhaltige Jobs.

Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gibt es in Sachsen rund 21.500 Familien mit einem oder mehreren Kindern, die im Hartz-IV-Bezug sind, hinzu kommen noch 34.600 Alleinerziehende mit Kindern. Insgesamt geht der DGB von rund 80.000 Kindern im Freistaat aus, deren Eltern (ein Elternteil oder beide) Hartz IV beziehen. Ein untragbarer Zustand, wie Sachsens DGB-Vizechef Markus Schlimbach sagt. Das Programm sei deshalb zu begrüßen. Es müsse alles unternommen werden, um Familien aus dem Hartz-IV-Bezug herauszuholen. Kinder sollten eine sinnvolle Lebensgestaltung erfahren. „Karrieren als Hartzer dürfen gar nicht erst entstehen“, so der Gewerkschafter. Es sei überfällig, dass Kompetenzen gebündelt werden. Im Programm Tandem sieht er zugleich einen Wegweiser im Förder-Dschungel.

Das Programm soll noch in diesem Jahr starten. Einzelne Träger können Mittel beantragen, um Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt oder in Beschäftigungsverhältnisse zu vermitteln. An- sprechpartner ist voraussichtlich die Sächsische Aufbaubank. Bewertung und Auswahl der zu 100 Prozent geförderten Projekte erfolgt unter Mitwirkung des Wirtschaftsministeriums, der Jobcenter und Jugendämter, heißt es.

Da die Betroffenen zumeist seit langem in der Arbeitslosigkeit gefangen sind und aus eigener Kraft den Sprung nicht schaffen, soll es sozialpädagogische Hilfe geben. Fachkräfte, so der Plan, sollen die Familien in allen sozialen Belangen beraten, beispielsweise bei Themen wie Wohnsituation, Schulden, Sucht, Lebensführung und Kindererziehung. Das Programm ist für drei Jahre angelegt.

Andreas Dunte

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