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Mitteldeutschland Polizist zerstückelt Leiche: Doch ist er auch der Mörder?
Region Mitteldeutschland Polizist zerstückelt Leiche: Doch ist er auch der Mörder?
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09:13 11.12.2016
In diesem Haus in Gimmlitztal geschah die Tat. Quelle: dpa
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Dresden

Beim zweiten Mal wird laut einem Sprichwort alles besser. Ob das am Ende auch für Detlev G. zutrifft, wird sich zeigen. Dem neuerlichen Prozess im Fall Gimmlitztal am Dresdner Landgericht hat sich der wegen Mordes und Störung der Totenruhe Angeklagte nicht so verwehrt wie bei der Premiere. Der 58-Jährige und sein Verteidiger sprachen sogar gleich zu Beginn von spürbarer Fairness - im Gegensatz zum ersten Verfahren. Ob sich die Berufung des suspendierten Beamten des sächsischen Landeskriminalamtes gegen das Urteil vom April 2015 tatsächlich auszahlt, wird sich am Dienstag (11.00 Uhr) mit dem Richterspruch einer anderen Strafkammer zeigen. Sekt oder Selters: Die Spanne liegt zwischen Freispruch und lebenslanger Haft.

Noch einmal wurde seit Anfang November die bizarre Geschichte durchleuchtet: Wojciech S., ein Geschäftsmann aus Hannover, fährt Anfang November 2013 nach Dresden. Es ist die letzte Reise eines Mannes, der angeblich seit seiner Jugend die makabre Fantasie hat, sich „schlachten“ und verspeisen zu lassen. Auf einer Kannibalen- Seite im Internet war der 59-Jährige auf G. gestoßen. Der Schriftsachverständige mit S/M-Vorliebe und Lebenspartner träumte davon, eine Leiche zu zerstückeln. Er holt Wojciech S. vom Bahnhof ab und fährt mit ihm in seine Pension im Gimmlitztal (Osterzgebirge). Kurz darauf ist der gebürtige Pole tot, G. zerstückelt dessen Leiche und vergräbt die Teile im Garten hinter dem Haus.

Drei Jahre nach Bekanntwerden des grausigen Falles versuchten Richter und Schöffen nun erneut zu klären, ob der Polizist mit Doppelleben den Mann aus Niedersachsen auch getötet hat. Detlev G. bestreitet das. Im seinem letzten Wort vor Gericht bedauerte er am vergangenen Donnerstag die Zerstückelung der Leiche und räumte eine Mitschuld ein. „Ich will mich nicht schuldfrei reden. Ich bin mitverantwortlich“, sagte der vom Dienst suspendierte Kripo-Beamte. Doch was das Sterben von Wojciech S. anbelangt, pochte er auf seine Unschuld: „Glauben sie mir: Ich bin kein Mörder. Ich habe ihn wirklich nicht getötet“, wandte er sich fast schon beschwörend an den Vorsitzenden Richter Hans Schlüter-Staats.

Im April 2015 war G. schon einmal wegen Mordes verurteilt worden, aber nur zu achteinhalb Jahren Haft. Die Richter sahen im unbedingten Todeswunsch des Geschäftsmanns einen außergewöhnlichen Umstand und nahmen von dem bei Mord üblichen „lebenslang“ Abstand. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil aber ein Jahr später auf und verwies den Fall zurück.

Nach Ansicht des BGH ist bei einer Verurteilung wegen Mordes die Höchststrafe fällig. Deshalb wurden erneut Zeugen und Gutachter gehört und vor allem die von G. behauptete Selbsttötung geprüft. Staatsanwalt Andreas Feron ist nach wie vor überzeugt, dass G. ein Mörder ist und will eine lebenslange Haftstrafe. Verteidiger Endrik Wilhelm plädierte auf Freispruch.

Tatsächlich aber fehlt wie beim ersten Prozessdurchgang der Beweis, dass der Angeklagte den 59-Jährigen tötete, genauso wie der Nachweis, dass dieser selbst Hand anlegte. Laut rechtsmedizinischem Gutachten wurde der Mann erdrosselt. Nach seiner Festnahme hatte der angeklagte Kriminalbeamte zunächst angegeben, seinen Gast auf dessen Wunsch hin getötet zu haben. Kannibalistische oder sexuelle Motive bestritt er. Ob sich die Anfechtung des Urteils für den Angeklagten auszahlt, ist offen - von Freispruch bis lebenslänglich scheint alles möglich.

dpa

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