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Polizei setzt auf Wissenschaft

Bekämpfung von Cyberkriminalität Polizei setzt auf Wissenschaft

Längst ist die Digitalisierung auch bei Sachsens Polizei angekommen und mit ihr riesige Datenmengen: Wenn Kriminalisten für ein Strafverfahren beispielsweise 1,6 Millionen Chats auswerten müssten, stoßen auch erfahrene Ermittler an ihre Grenzen. Noch. Denn an der Hochschule Mittweida arbeiten Wissenschaftler daran, den Cyberkriminellen das Wasser abzugraben.

Kampf gegen Cyberkriminalität im Lernlabor in Mittweida

Quelle: dpa

Längst ist die Digitalisierung auch bei Sachsens Polizei angekommen und mit ihr riesige Datenmengen: Wenn Kriminalisten für ein Strafverfahren beispielsweise 1,6 Millionen Chats auswerten müssten, stoßen auch erfahrene Ermittler an ihre Grenzen, sagt Henrik Hohenlohe, Experte für Cyberkriminalität am Landeskriminalamt Sachsen. Noch. Denn an der Hochschule Mittweida arbeiten Wissenschaftler daran, den Cyberkriminellen das Wasser abzugraben.

Bereits seit längerem kooperiert Sachsens Polizei deshalb mit der Fachhochschule. Zum einen entwickeln die Forscher neue IT-Lösungen, um Straftaten im Bereich Internetkriminalität aufzuklären. Anstatt beispielsweise im Falle einer Drogenbande acht Wochen lang Chatprotokolle händisch auszuwerten, lässt das Team von Professor Dirk Labudde eine spezielle Software über die Dateien laufen, um relevante Spuren zu finden. „Mit unserem Programm haben wir das gleiche Ergebnis in zweieinhalb Tagen erzielt“, nennt der Professor für IT-Forensik ein Beispiel.

Zum anderen sollen nun in einem neuen virtuellen Lernlabor auch Mitarbeiter von Behörden und Unternehmen lernen, wie sie mit Bedrohungsszenarien im Internet umgehen. In Seminaren, Workshops oder Onlinekursen soll das entsprechende Know-How vermittelt und für das Thema Cybersicherheit sensibilisiert werden.

„Was wir brauchen, ist deutlich mehr Waffengleichheit“, sagte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) zur Eröffnung am Mittwoch in Mittweida. Das Lernlabor ist ein gemeinsames Projekt der Hochschule und des Darmstädter Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie (SIT). Es ist bundesweit eine von sechs derartigen Einrichtungen mit verschiedenen Schwerpunkten. In Sachsen gibt es gleich zwei Lernlabore - Fraunhofer arbeitet neben Mittweida auch mit der Hochschule Zittau/Görlitz zusammen.

Als Cyberkriminalität im engeren Sinne gelten direkte Angriffe auf IT-Systeme, wie beispielsweise der jüngste Hackerangriff auf den Landtag von Sachsen-Anhalt oder die Schadsoftware „Wanna Cry“, die weltweit zehntausende Computer lahmgelegt hat. Im weiteren Sinne werden Straftaten gezählt, in denen das Internet als Tatmittel genutzt wird.

Um dem wirkungsvoll entgegen zu treten, setzt Sachsens Polizei inzwischen auf „Cybercops“. Aktuell gibt es laut Innenminister Ulbig im Freistaat 13 solcher speziell ausgebildeter Polizisten, 15 stehen demnach kurz vor dem Abschluss, 10 weitere beginnen jetzt die Ausbildung.

Darüber hinaus studieren an der Hochschule Mittweida derzeit rund 340 Studenten Digitale Forensik. Hinzu kommen ein weiterer Bachelor-Studiengang für Cybercrime und ein entsprechender Master. „Aber die Absolventen werden der Hochschule regelrecht aus der Hand gerissen, wir müssen daher dringend auch bestehende Mitarbeiter weiterbilden“, erklärt SIT-Institutsleiter Michael Waidner das Engagement von Fraunhofer in diesem Bereich.

Wenn Unternehmen und Behörden IT-Sicherheit noch ernster nehmen würden, könnten laut Waidner 80 Prozent der Angriffe vermieden werden. Wie viele solcher Cyberattacken es tatsächlich sind, können die Experten nur schätzen. Laut Zahlen des Bundeskriminalamts gab es im vergangenen Jahr 82 650 Cyberangriffe und 250 000 weitere Fälle von Internetkriminalität. In Sachsen zählte die Polizei 2144 Cyberattacken. „Das ist eine Steigerung von 80 Prozent in nur einem Jahr“, sagt Hohenlohe, Leiter des 2014 eigens ins Leben gerufenen Cybercrime-Competence Centers am LKA in Dresden.

Und nur die Spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer sei enorm hoch. Das Verhältnis von bekannten und unentdeckten Straftaten liegt demnach laut Schätzungen bei 1 zu 9. Doch durch die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft könnten sich Ermittler sowie Behörden und Unternehmen entscheidend verbessern. „Ich bin zuversichtlich, dass wir den Cyberkriminellen zukünftig auf Augenhöhe begegnen können“, so Hohenlohe.

dpa

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