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Mitteldeutschland Petitions-Autoren: Lehrer machen ihren Job nicht wegen des Geldes
Region Mitteldeutschland Petitions-Autoren: Lehrer machen ihren Job nicht wegen des Geldes
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07:42 20.04.2018
Manuela Haenelt und Susann Weber (re.) gehören zu den Lehrkräften, die mit einer Petition mehr Priorität für Bildung in Sachsen fordern. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Die Absetzung von Kurzzeit-Kultusminister Frank Haubitz sorgt in der Bildungslandschaft in Sachsen weiterhin für Wirbel: Mit einer Online-Petition schalten sich sächsische Lehrkräfte jetzt in die Diskussion um die Schulpolitik im Freistaat ein. Die Begründung der Initiative richtet sich direkt an Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und den Kultusminister im Freistaat, Christian Piwarz (beide CDU).

Haubitz „war der Anlass, aber nicht die Ursache“, erläutert Manuela Haenelt die Entstehung der Petition. Sie und Susann Weber („Wir sind auch Mütter schulpflichtiger Kinder.“) gehören zu einer Gruppe von Pädagogen, die einen ganzen Katalog von Änderungsvorschlägen für das sächsische Bildungssystem aufgestellt haben und dafür jetzt auf der Internet-Plattform „openpetition“ um Unterstützer werben.

Kretschmer geht es um „bewusstes Erleben von Demokratie“

Michael Kretschmer hat in seiner ersten Regierungserklärung Ende Januar ein Konzept versprochen, damit das „großartige Bildungssystem“ im Freistaat erhalten bleibt. Nicht zuletzt gehe es um das „bewusste Erleben von Demokratie an der Schule“, erklärte er unter dem Beifall vieler Abgeordneter. Im März soll Kultusminister Piwarz eine Regierungserklärung zur Schulpolitik vorlegen. Mit der Online-Petition schlagen die Lehrkräfte schon jetzt ihre Pflöcke ein.

„Nicht erst seit der Personalentscheidung sehen wir die dringende Notwendigkeit, uns als Lehrkräfte des Freistaates Sachsen zu Wort zu melden“, heißt es im Begründungsschreiben. Dann werden die Autoren deutlich: „Wir kritisieren die politische Prioritätensetzung in unserem Bundesland, wie sie seit mehr als einem Jahrzehnt zu beobachten ist.“

Sie fordern eine Neuausrichtung der Bildungspolitik im Sinne der Kinder. „Trotz guter Finanzlage hat die Bildung in Sachsen noch immer nicht erste Priorität“, stellt Weber fest. Die beiden Frauen sind Lehrer an einem städtischen Gymnasium in Dresden, genauer wollen sie es nicht in der Zeitung lesen, weil es mit dem Anliegen der Petition nichts zu tun habe.

Petitionsautoren wollen Bildung in den Mittelpunkt rücken

Es gelte, das Thema Bildung und Erziehung wieder in die Mitte der Gesellschaft zu rücken und für dessen Wertschätzung zu kämpfen. Haubitz habe da mit „einem klaren Punkteplan“ Mut gemacht.

Ausdrücklich gehe die Petition nicht auf die Diskussion um den Beamtenstatus ein. Da gebe es Für und Wider. „Wenn das Beamtengehalt das einzige ist, was den Lehrer noch in Sachsen hält, dann ist sowieso Hopfen und Malz verloren“, sagt Haenelt. Die meisten Lehrer aber würden ihren Job nicht wegen des Geldes machen.

Notwendig seien ein konstruktiver Diskurs zwischen allen am Bildungsprozess Beteiligten, kurzfristige Maßnahmen zur Entbürokratisierung des schulischen Alltags sowie verantwortungsvolle Entscheidungen für ein gesundes Arbeitsklima an sächsischen Schulen.

Haubitz war vom 23. Oktober bis 18. Dezember 2017 Kultusminister. Sein forsches Auftreten hatte manchen Vertreter in der Landespolitik, vor allem der CDU-Landtagsfraktion, verprellt. Der neue Ministerpräsident Kretschmer berief Piwarz, Rechtsanwalt und bis dahin parlamentarischer Geschäftsführer der CDU im Landtag, auf den Posten und verteidigt diese Entscheidung bis heute als richtig.

Die Autoren der Petition wünschen Piwarz jetzt „Mut, Kraft und Durchsetzungsvermögen“ sowie sich „einen kämpferischen, kooperativen und weitsichtigen Minister, der sein Handeln in den Dienst der sächsischen Kinder und Jugendlichen stellt“.

Dafür geben sie ihm gleich mehrere „Kernpunkte“ an die Hand: Um nachhaltige pädagogische Arbeit zu ermöglichen, bedürfe es zusätzlicher Anrechnungsstunden für Klassenlehrer, Tutoren und Mentoren, einer Erhöhung des Gesamtstundenpools an Schulen sowie einer langfristigen und festen Beschäftigung von Sozialarbeitern an jeder Bildungseinrichtung.

Für einen individuellen und schülerorientierten Bildungsprozess sollte die Klassenstärke auf 24 Schüler und der Regelstundensatz eines Lehrers von 26 auf 24 Stunden reduziert werden. .

Teilzeit nur beim Gehalt

Viele Lehrer würden zwar in Teilzeit arbeiten, das gelte praktisch aber nur für das Gehalt. Die tatsächliche Arbeitszeit sei viel länger, erläutern Weber und Haenelt. Sie beklagen einen hohen bürokratischen Aufwand beispielsweise rund um die Bildungsempfehlung, die von den Eltern dann ignoriert werden kann. Dabei können sie sogar verstehen, dass Mütter und Väter ihre Kinder ans Gymnasium schicken wollen, „weil dort die Misere noch nicht ganz so schlimm ist“. Stichwort: Unterrichtsausfall.

Sie hätten „ihr Vertrauen noch nicht verloren, dass man die Demokratie in diesem Land noch leben kann“, sagen die beiden Frauen. Auch dafür sei es wichtig, kreative, diskursfähige Menschen an den Schulen herauszubilden, die zum komplexen Denken in der Lage sind – und mit diesen Erkenntnissen später auch Wert auf demokratische Regeln legen. Haenelt: „Es geht um die Frage, wo wir in zehn Jahren stehen wollen und nicht nur in zwei Jahren bei der nächsten Wahl.“ Die Absolventen sollten nicht nur Wissensspeicher sein, Pisa sei kein alleiniger Qualitätsmaßstab.

Schon fast 3000 Unterstützer

Auf die Petition gebe es bereits viele positive Reaktionen und inzwischen mehr als 2700 Unterstützer (Stand: 8. Februar). Bis Ende Februar sollen es etwa 12000 werden. Die Autoren rufen den Regierungschef und den Minister dazu auf, mit ihnen „zu konkreten bildungspolitischen Maßnahmen ins Gespräch zu kommen“. Und Christian Piwarz hat wohl auch schon grundsätzlich seine Bereitschaft dazu erkennen lassen.

Die Initiative ist im Internet unter https://www.openpetition.de/petition/online/mensch-sachsen-erziehung-und-bildung-muessen-wieder-prioritaet-bekommen (Kurzlink: openpetition.de/!BildungSachsen ) zu erreichen.

Von Ingolf Pleil

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