Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Google+
Ob Klinik und Straße - Ehninger geht für Überzeugung über Grenzen

Porträt eines Dresdner Mediziner Ob Klinik und Straße - Ehninger geht für Überzeugung über Grenzen

Lebensretter, Forscher, Friedensstifter: Gerhard Ehninger gilt als unermüdlich. Der 65-Jährige arbeitet für seine Patienten, den medizinischen Fortschritt, eine weltoffene und tolerante Gesellschaft.

Lebensretter, Forscher, Friedensstifter: Gerhard Ehninger gilt als unermüdlich.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Lebensretter, Forscher, Friedensstifter: Gerhard Ehninger gilt als unermüdlich. Der 65-Jährige arbeitet für seine Patienten, den medizinischen Fortschritt, eine weltoffene und tolerante Gesellschaft. Sein Tag scheint mehr als 24 Stunden zu haben. Und der Hämatologe und Onkologe, der im Angesicht der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung Anfang 2015 mit Gleichgesinnten in wenigen Wochen ein Großkonzert gegen Rassismus und für Toleranz in Dresden organisierte, hat noch viel vor.

Wenn Ehninger im März als Chef einer Klinik an der Dresdner Universitätsmedizin aufhört, ist längst nicht Schluss. „Ich hab` das Gefühl, dass es noch spannender wird“, sagt der Schwabe, der seit 1994 samt Familie in Dresden zu Hause ist.

Und erzählt wie elektrisiert von Anfragen, in China eine Krebsklinik mit aufzubauen, „die dann 44 Mal kopiert wird“. Das spannendste Projekt des sportbegeisterten Mediziners aber läuft in der Heimat. In jahrelanger Arbeit haben er und weitere Wissenschaftler in zwei neu gegründeten Unternehmen Medikamente entwickelt. Dafür hat Ehninger wichtige Partner von seinen Ideen überzeugt und und Millionen eingeworben.

Die Forscher haben mit Gen-Tricks Killerzellen geschaffen, die radikal auf Tumorzellen losgehen, selbst versteckte Tumorzellen finden und tausendfach effektiver vernichten können sollen als herkömmliche Immunzellen. 2018 sollen die ersten austherapierten Leukämie-Patienten mit den neuen Medikamenten behandelt werden. Bis 2020 strebt Ehninger die allgemeine Zulassung der Therapie bei verschiedenen Krebserkrankungen an.

Viele Menschen verdanken der Beharrlichkeit, Kreativität und Entschlossenheit des Arztes, der eigentlich Pfarrer werden wollte, ihr Leben. Oft ist Ehninger Pionier gewesen: 1987 hat er Stammzellen eines Fremden übertragen lassen, es war die erste erfolgreiche „unverwandte Knochenmarktransplantation“ in Deutschland. Die 1991 von ihm mitgegründete Deutsche Knochenmarkspenderdatei ist inzwischen die weltweit größte Datenbank ihrer Art. Bei seinem Tun verlangt Ehninger sich, aber auch seinen Patienten und Kollegen alles ab. „Ich kann zwischen Arbeit und Freizeit nicht trennen.“

Der Mediziner stammt aus Simmozheim (Baden-Württemberg). Schon in seiner Studentenzeit lebte er mit seiner Frau und vielen Freunden in einem Haus zusammen. Die Familien sind bis in die Enkel-Generation eine eingeschworene Gemeinschaft, wenn auch nun weltweit verstreut. Dieser Ehningersche Spirit befruchtet auch den Verein Dresden – Place to be, der mit Freunden gegründet wurde, um die Willkommenskultur in der Stadt zu fördern.

In wenigen Wochen stellten die Mitglieder mit Partnern ein großes Konzert mit Sängern wie Herbert Grönemeyer, Wolfgang Niedecken, Adel Tawil, Toni Krahl und Sebastian Krumbiegel vor der Frauenkirche auf die Beine, das die Pegida-Anhänger für einen Abend von dem prominenten Platz verdrängte und die Initiative für „Dresden - offen und bunt“ auf einen Schlag bekannt machte. Ehninger war der Motor.

„Wenn er eine Idee hat, von der er überzeugt ist, setzt er es durch“, sagen Freunde. Schon als Student und junger Arzt setzte sich der lebenslustige Schwabe über Zweifler hinweg, wenn er an etwas glaubte. Wenn es um Unrecht und Diskriminierung geht, nimmt der Erich-Kästner-Preisträger auch öffentlich kein Blatt vor den Mund, liest auch schon mal Ministern und Regierung die Leviten. „Da entwickelt sich bei mir eine erhebliche Energie, das zu ändern“, sagt der Mediziner. Seine Antwort auf die Pöbeleien gegen die Spitzen der Bundesrepublik vom 3. Oktober 2016 vor der Frauenkirche: das Bündnis Dresden.Respekt. „Man muss auch den Mut haben, zu einer Sache zu stehen“, sagt Ehninger.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Mitteldeutschland
  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr