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Notfall: Wie eine junge Frau übers Ohr gehauen wurde

Schlüsseldienst-Abzocke Notfall: Wie eine junge Frau übers Ohr gehauen wurde

Die 22-jährige Theresa Schultz war gerade in ihre neue Wohnung im nordsächsischen Schkeuditz eingezogen. Doch dann kurz nicht aufgepasst, sie schloss sich aus. Der herbeigerufene Schlüsseldienst verlangte schließlich satte 437,92 Euro – für letztlich eine Minute Arbeit.

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Theresa Schultz mit der Rechnung des Essener Schlüsselnotdienstes: Der Monteur verlangte für eine Minute Arbeitszeit über 437 Euro.

Quelle: Winfried Mahr

Leipzig. Alles sah nach einem Traumstart aus: Die 22-jährige Theresa Schultz war gerade in ihre neue Wohnung im nordsächsischen Schkeuditz eingezogen, alle Möbel standen am rechten Fleck. Doch als die junge Frau an jenem Sonntagabend endlich die Füße im ersten eigenen Heim hochlegen wollte, meldete sich Fischers Fritz, ihre Französische Bulldogge, und bestand darauf, eine Gassi-Runde im neuen Viertel zu machen. „In der Hektik schlug die Wohnungstür hinter mir zu“, erinnert sich die auszubildende Chemikantin. Zwar hatte sie noch einen Ersatzschlüssel parat, doch der Originalschlüssel steckte von innen und blockierte den Schließzylinder. Das Handy lag drinnen auf dem Küchentisch.

Um so mehr freute sie sich, dass ein Nachbar bei der Suche nach einem Schlüsseldienst half. „Der bei uns um die Ecke war leider krank. Also googelten wir einheimische Notdienste im Internet. Ein freundlicher Mann im Callcenter sagte uns schnelle Hilfe zu.“ Die rückte 90 Minuten später an. „Ein südländischer Typ namens Khaled A. mit Firmensitz in Essen hielt mir einen Vertrag unter die Nase, den ich rasch unterschreiben sollte“, sagt Theresa Schulz. Sonst rühre er keinen Finger.

Summa summarum wies der Kostenvoranschlag satte 437,92 Euro aus. „Ich bekam einen Riesenschreck – aber was sollte ich tun! Der Handwerker versprach, dass ich alles von der Hausratversicherung erstattet bekomme. Auch ohne Unterschrift würde er abrücken, mir die Fahrtkosten von 30 Euro berechnen. In ihrer Not unterschrieb sie. Eine Minute später stand die Tür wieder offen. „Beim Bezahlen hatte ich Tränen in den Augen, denn das Bargeld war ursprünglich für ein neues Möbelstück gedacht. Mit so hohen Kosten für den Schlüsseldienst hätte ich im Leben nicht gerechnet.“ Der jungen Frau war sofort klar, dass sie in ihrer Not soeben „mit einem Wucherpreis komplett abgezogen“ wurde.

Durchaus kein Einzelfall, erklärt Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Sachsen, an die sich die geschädigte Mieterin hilfesuchend wandte. „Immer mehr unseriöse Notdienste versprechen schnelle Hilfe und kassieren dafür unverschämt ab.“ In anderen Fällen, in denen noch Schließzylinder oder ähnliches Material gewechselt wurde, seien irrwitzige Rechnungen von bis zu 800 Euro aufgelaufen. Neben Bargeld akzeptierten die windigen Dienstleister auch EC-Karten mit Pin-Code-Eingabe, da solche Beträge nicht rückbuchbar sind. „Da werden von mafiösen Strukturen Notsituationen für dreiste Überrumplungsaktionen ausgenutzt“, sagt die Verbraucherschützerin. Nur wenige hätten den Mut, solche Wucherpreise bekannt zu machen.

Im Falle von Theresa Schultz hat es sich gelohnt. Eine Klage der Verbraucherschützer zog ein Versäumnisurteil gegen den Essener Schlüsseldienst beim Amtsgericht Eilenburg nach sich, gegen das keine Rechtsmittel eingelegt wurden. Demnach richten sich seriöse Preise für Notdienste nach einer Preistabelle des Metallhandwerks. Somit hätte die junge Frau gute Chancen, einen großen Teil des gezahlten Geldes zurückzubekommen. Zuvor ist aber noch die Hürde einer Zwangsvollstreckung der beklagten Firma von Khaled A. zu nehmen. „Das könnte auf dem Wege der Kontopfändung oder dem Besuch eines Gerichtsvollziehers geschehen“, erklärt Verbraucherschützerin Siegert. Neumieterin Schultz würde sich über die Rückerstattung freuen. „Es geht mir aber nicht nur ums Geld, sondern ums Prinzip“, sagt sie. „Ich will helfen, dass solche Firmen nicht noch andere über den Tisch ziehen.“

Von Winfried Mahr

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