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Notarztdienste in Sachsen bleiben immer öfter unbesetzt

Hilfsfristen Notarztdienste in Sachsen bleiben immer öfter unbesetzt

In Sachsen müssen immer mehr Notarztdienste unbesetzt bleiben. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Susanne Schaper hervor. 2016 waren es danach 1324,5 Zwölf-Stunden-Schichten – gegenüber 1153 im Jahr davor – für die sich kein Arzt fand.

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Quelle: cat.

Dresden.  In Sachsen müssen immer mehr Notarztdienste unbesetzt bleiben. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Susanne Schaper hervor. 2016 waren es danach 1324,5 Zwölf-Stunden-Schichten – gegenüber 1153 im Jahr davor – für die sich kein Arzt fand.

Schaper rechnete nun vor: Gehe man davon aus, dass im vergangenen Jahr insgesamt 55 032 Zwölf-Stunden-Dienste abzuleisten waren (was 27 516 24-Stunden-Diensten entspricht), dann laute die Bilanz: Die sächsischen Notarztdienste blieben zumindest statistisch gesehen an 25 Tagen unbesetzt. „Das gefährdet die Gesundheit der Bevölkerung, denn niemand kann garantieren, dass in dieser Zeit nichts passiert“, rügte die Linken-Sozialexpertin.

Besonders häufig betroffen waren die Standorte Dippoldiswalde (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, 123), Burgstädt/Hartmannsdorf (Landkreis Mittelsachsen) und Weißwasser (Landkreis Görlitz, 91,5).

Generell sind in Sachsen die Krankenkassen über die Arbeitsgemeinschaft Notärztliche Versorgung (Arge NÄV) verantwortlich für die Besetzung der Dienstpläne an den einzelnen Notarztstandorten. Die Einsätze werden von den Medizinern in der Freizeit geleistet. Beim Blick auf Mehrschichtdienste in Kliniken und auf das wachsende Durchschnittalter der rund 2000 Notärzte in Sachsen ergibt sich für die Zukunft ein wachsender Kapazitätsmangel.

Ob die bessere Vergütung der Notarztdienste im Freistaat, die in diesem Jahr in Kraft trat, die Lage verbessert, bleibt abzuwarten. Die Krankenkassen zahlen in diesem Jahr dafür rund 23 Millionen Euro – 6,3 Prozent mehr als 2015. Verbandschef Sven Spenke hatte das begrüßt, jedoch zugleich gefordert, die Rahmenbedingungen für Notarztdienste zu verbessern. Neben den Krankenkassen, so erklärte er, seien da auch Kommunen und Krankenhäuser in der Pflicht.

Sozialexpertin Schaper bemängelte auch auch, dass die Hilfsfristen zu selten eingehalten werden. Der Gesetzgeber gibt vor, dass Rettungsdienste in 95 Prozent der Fälle innerhalb von zwölf Minuten vor Ort sein müssen. Schaper: „Dieses Ziel wird nirgendwo in Sachsen erreicht.“ Im Rettungszweckverband Chemnitz-Erzgebirge konnte diese Hilfsfrist gerade mal zu 72,46 Prozent eingehalten werden. Nicht besser habe es in den Landkreisen Görlitz (75,38 Prozent) und Bautzen (76,58 Prozent) ausgesehen.

Die Chemnitzer Landtagsabgeordnete nahm deshalb die sächsische Regierung aufs Korn. Der Freistaat unternehme nichts gegen diese Probleme, sondern schiebe den Rettungsdiensten den Schwarzen Peter zu. Auch in deren Interesse müsse rasch Abhilfe geschaffen werden. Die Regierung verwies in ihrer Antwort dagegen darauf, dass lediglich 2,41 Prozent der Notarztdienste nicht besetzt wurden.

Von Roland Herold und Barbara Stock

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