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Mitteldeutschland Nirgendwo arbeiten mehr Menschen als in Sachsen
Region Mitteldeutschland Nirgendwo arbeiten mehr Menschen als in Sachsen
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16:19 18.04.2018
Nirgendwo in Deutschland arbeiten so viele Menschen wie in Sachsen. Quelle: dpa
Leipzig

 In keinem anderen Bundesland gehen – prozentual gesehen – so viele Menschen einer Arbeit nach wie in Sachsen. Von den 2,5 Millionen Frauen und Männern im arbeitsfähigen Alter waren im Vorjahr rund 1,6 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Damit hat der Freistaat die größte Beschäftigungsquote (63,2 Prozent) bundesweit. Nach Sachsen haben Thüringen (62,8) und Bayern (61,9) die höchsten Quoten – Berlin (53,6) und Bremen (53,2) rangieren am Ende des Rankings. Die Zahlen hat die Leipziger Volkszeitung exklusiv von der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Seit 2010 hat sich die Quote Jahr für Jahr kontinuierlich erhöht. „Zurückzuführen ist das vor allem darauf, dass in Sachsen traditionell mehr Frauen arbeiten als in westdeutschen Bundesländern“, erklärt Klaus-Peter Hansen, Chef der Regionaldirektion der BA Sachsen. Der Freistaat habe unter den Frauen wiederholt die höchste Beschäftigungsquote (63,4 Prozent) im Vergleich aller Bundesländer. „Grundsätzlich ist die Erwerbsneigung ostdeutscher Frauen größer als im Westen. Dies rührt meist noch aus DDR-Zeiten und lebt offenbar auch in jüngeren Generationen fort.“

Ein Grund dafür ist laut Hansen der bessere Ausbau der Kinderbetreuung. Vermutlich seien ostdeutsche Unternehmen aus diesem Grund auch eher bereit, weibliche Mitarbeiter einzustellen. Auch die Lohnstruktur spiele eine Rolle. In Sachsen seien Familien anders als beispielsweise in Hamburg oder Baden-Württemberg häufiger auf ein zweites Einkommen angewiesen. Beeinflusst wird die Statistik zudem vom Rückgang der arbeitsfähigen Bevölkerung und der wachsenden Mobilität. So würden immer mehr Sachsen in andere Bundesländer pendeln, im Freistaat aber als beschäftigt geführt.

Für den DGB ist die gute Beschäftigungsquote ebenfalls „ein Zeichen dafür, dass durch den guten Ausbau der Kinderbetreuung mehr Frauen arbeiten können“. Dennoch sei auf dem sächsischen Arbeitsmarkt längst nicht alles in Ordnung, merkt Sachsens DGB-Chef Markus Schlimbach an. „Die Quote steigt natürlich, wenn die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte in Sachsen durch den demografischen Wandel immer weiter sinkt. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Zahl der neu begonnenen Beschäftigungsverhältnisse seit Jahren stagniert oder sogar sinkt.“

 Den Löwenanteil der neuen Arbeitsplätze machten lediglich Teilzeit-Arbeitsplätze aus. „Von rund 25 000 neuen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen im Jahr 2017 sind über 20 000 in Teilzeit gewesen. Das sind einerseits Vollzeitarbeitsplätze, die zerstückelt werden, um möglichst flexibel Arbeitnehmer einzusetzen“, so Schlimbach. Im Einzelhandel oder auch in der Pflege sei das an der Tagesordnung.

Teilzeit müsse differenziert betrachtet werden, meint Landesarbeitsamtschef Hansen. Sie sei gut, wo sie freiwillig erfolgt. Kritisch werde es, wenn sie Firmen erzwingen. Und Teilzeit sei nicht gleich Teilzeit. Es gebe, so Hansen weiter, den klassischen Halbtagsjob, aber auch Vollzeit-nahe Jobs, also wenn Kräfte beispielsweise 32 Stunden an vier Tagen in der Woche arbeiteten.

DGB-Chef Schlimbach ergänzt: „Es bedarf dringend des gesetzlichen Anspruchs auf das Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit“, und unterstützt damit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), der einen entsprechenden Gesetzentwurf einbringen will.

Für dieses Jahr rechnet die Agentur mit einer weiteren positiven Arbeitsmarktentwicklung. „Die Exporte sind stabil, und die Binnennachfrage bleibt eine wichtige Stütze der Konjunktur.“

Die höchsten Beschäftigungsquoten gibt es in Sachsen im Landkreis Zwickau mit 65,7 Prozent und im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (65,5), die geringste in der Stadt Leipzig (59,9). Alle Kreise in Sachsen liegen über dem Bundesdurchschnitt.

Von Andreas Dunte

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