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Mitteldeutschland Neues Gesetz: Erste Sachsen ändern Vornamen
Region Mitteldeutschland Neues Gesetz: Erste Sachsen ändern Vornamen
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11:22 19.12.2018
Symbolbild. Es ist nicht einfach, den eigenen Vornamen zu ändern. Wer mehrere Namen trägt darf jedoch die Reihenfolge tauschen. Quelle: dpa/ Monika Skolimowska
Leipzig

Er begleitet uns ein Leben lang und beeinflusst dabei, wie andere uns sehen: Der Vorname. Spätestens seit einer Studie der Universität Oldenburg ist klar, wie sehr die Namensgebung etwa unsere Bildungschancen mitbestimmt. So werden Kevin, Mandy und Chantal schon in der Grundschule von Lehrern gedanklich der bildungsfernen Schicht zugeordnet, während Marie und Alexander das Bild von kleinen Musterschülern hervorrufen. Natürlich sind das nur Vorurteile. Trotzdem ist es nicht verwunderlich, dass so mancher Erwachsene den Wunsch hegt, seinen Namen ändern zu lassen. Möglich ist das jedoch nur in seltenen Fällen. Eine Alternative gibt es jetzt für diejenigen, die zwei Vornamen tragen.

Dresden ist Spitzenreiter bei der Namensänderung

Deren Anordnung können Bundesbürger seit dem 1. November laut dem erneuerten „Gesetz zur Änderung personenstandsrechtlicher Vorschriften“ ändern. So kann aus Anna Marie eine Marie Anna und aus Hans Werner ein Werner Hans werden. In Sachsen hat es bereits erste Umsortierungen gegeben. Das Standesamt Leipzig hat bisher 17 Vorgänge erfasst, die Kreisstadt Zwickau 16 und Kamenz im Landkreis Bautzen vier. Spitzenreiter bei der Namensänderung ist Dresden. Hier haben bereits im November 45 Menschen eine Neusortierung ihrer Vornamen beantragt.

Gedacht ist die neue Regelung allerdings nicht speziell für Leute, die ihren ersten Vornamen loswerden möchten. Stattdessen steckt eine praktische Überlegung hinter der Gesetzesänderung. So war und ist es in vielen Familien üblich, Kinder aus Traditionsgründen nach Verwandten zu benennen. Häufig wird dann der zweite oder dritte Vorname zum Rufnamen bestimmt. Lange war das kein Problem, da dieser in der maschinenlesbaren Zone (MRZ) von Ausweisdokumenten vermerkt war. Mit der Einführung des neuen Personalausweises im Chipkartenformat im Jahr 2010 änderte sich das. Dort werden die Namen nach der in der Geburtsurkunde angegebenen Reihenfolge in die MRZ übernommen – eine Rufnamenerfassung gibt es nicht mehr.

Änderung von Bindestrich-Namen nicht möglich

Für genau diese Fälle sei der neue Paragraf 45a im Personenstandgesetz gedacht, sagt Odette Stang, Sachgebietsleiterin der Urkundenstelle des Leipziger Standesamts. Die Änderung von Namen mit Bindestrich dazwischen, sei dagegen nicht möglich. „Diese gelten als ein Namensbestandteil und können deshalb nicht verschoben werden“, erklärt sie. Wer seinen Namen dennoch umstellen oder ganz loswerden wolle, dem bliebe nur den Weg über das Namensänderungsgesetz zu gehen. Dieses lässt eine Abwandlung oder Änderung des Vornamens dann zu, wenn der Betroffene so schwerwiegende Gründe für sein Belang nennen kann, dass das Interesse der Allgemeinheit auf die eindeutige Identifizierung einer Person dahinter zurück tritt. Das kann etwa der Fall sein, wenn der Name sehr exotisch klingt, zu Verwechslungen führt oder schwierig auszusprechen und zu schreiben ist. In Leipzig gehen jährlich etwa hundert dieser Anträge ein, die jedoch nicht alle bewilligt werden.

Die Reihenfolge der Vornamen ändern zu lassen, ist dagegen vergleichsweise unkompliziert. In Leipzig ist dafür beim Standesamt nicht einmal ein Termin vonnöten, nur an die entsprechenden Dokumente sollte man denken. Dazu gehören die Geburtsurkunde, ein Personalausweis und, je nach Familienstand, eine Eheurkunde oder ein Scheidungsnachweis. Ist der Antragsteller auch in Leipzig geboren, kann seinem Wunsch recht schnell entsprochen werden. Laut Odette Stang werden die Unterlagen dann oft sogar sofort bearbeitet. Ist das nicht möglich, dauert es etwa eine Woche. Anders sieht es aus, wenn der Antrag zunächst an das zuständige Geburtsstandesamt geschickt werden muss, das dann seine eigenen Bearbeitungszeiten hat.

Von Hanna Gerwig

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